Italien.
* Turin, 25. Mai. Die Gazzetta Piemontesa veröffentlicht eine pomphafteund
inhaltslose Adresse Carl Alberts an das venetianische Volk, worin
dieses aufgefordert wird dem piemontesischen König zu vertrauen und
zugleich alle Kräfte aufzubieten im gemeinsamen Kampfe gegen die Unterdrücker Italiens. Diese Adresse datirt Hauptquartier Somma Campagna 23. Mai, macht einen eigenthümlichen Effekt, wenn man bedenkt,
daß die Truppen des bramarbasirenden Ex-Carbonaro unter Durando
wenige Tage vorher eine ganze Woche lang die sonderbarsten Spaziergänge um das hart bedrängte Treviso herum machten ohne ihm zu Hülfezu
kommen. Damals convenirte es ihm den Venetianern zu zeigen wie
sehr sie seiner bedürfen, damit sie unter dem Einflusse der Furcht den
Anschluß an Sardinien beschließen möchten. Jetzt hält er den Zweck für
erreicht, und betheuert seinen festen Entschluß, Italien zu befreien.
Livorno, 18. Mai. Heute wurde hier das Wappen des neapolitanischen15
Consuls abgerissen, auf öffentlichem Platze unter Jubelruf verbrannt, die
Büste des Königs in Stücke geschlagen und die neapolitanische Flagge
(weiß) durch den Koth gezogen. Auf die Schweizer ist der Haß grenzenlos, zumal man sie schon Traditori della causa italiana ´ nennt. Dem
Schweizer Consul steht auch eine Demonstration bevor.
Neapel, 31. Mai. Bei der letzten Schlächterei sind an 1900 Menschen
gefallen. Am 17. waren schon 1777 Leichen begraben, davon 450 Soldaten. Patrouillen von 20–50 Mann durchziehen die Straßen; wer ihnenzu
nahe kommt, wird mißhandelt, selbst die Offiziere sind vor den Brutalitäten ihrer eignen Soldaten nicht sicher. Der König hat den Soldatenzur
Belohnung einen Monat Sold im Voraus bezahlt.
Drei Paläste sind am 15. niedergebrannt worden, darunter der des sardinischen Gesandten, wie es heißt, auf Befehl der Regierung. Die Archive