Italien.
* Ganz Italien ist in Entrüstung über den Verrath und die Barbarei Ferdinands von Neapel. Ueberall erhebt sich ein Schrei nach blutiger Rache.
In Genua wurde das neapolitanische Consulatswappen abgerissen undmit
Füßen getreten, bespieen, besudelt und verbrannt unter wüthenden 5
Ruf: Nieder mit dem infamen Bourbon, nieder mit den verfluchten
Schweizern! Ferdinand wurde in effigie verbrannt. Wie aus italiänischen
Berichten hervorgeht, begann der Kampf in Neapel folgender Maßen:
Oberst Salis von den Schweizern trat vor die erste Barrikade und forderte
ihre Entfernung. Dies wurde natürlich verweigert und nun kommandirte 10
Salis Feuer, obwohl er noch kurz vorher mit seinen Truppen sein Wort
gegeben hatte, nicht aufs Volk zu schießen; aber ehe die Schweizer feuern
konnten, wurde Salis schon von einer Kugel eines Civicisten durchbohrt.
Nun griffen die Schweizer an, und die Straßenschlacht entspann sich
allgemein. Der Palast des sardinischen Gesandten wurde (auf Befehl) vonden
Schweizern und Lazzaroni geplündert.
Ein Journal von Palermo, die Indipendenza e la lega, enthält in seiner
Nummer vom 11. dieses Monats ohne weitern Commentar folgenden
Artikel:
„Das Fort der Insel Lissa, an den Küsten von Dalmatien ist durch die
englische Escadre weggenommen worden. Sie hat hier die britannische
Flagge aufgepflanzt, welche gleichfalls auf dem Fort einer benachbarten
Insel flattert. Die Insel Lissa hat einen Umfang von 8 Quadratmeilen und
eine Bevölkerung von 8500 Einwohnern. Die zweite Insel ist zweifelsohnedie
Insel Buzo, die vor Lissa liegt. Die eine und die andere ist Dalmatien
unterthan. Wegen ihrer natürlichen und künstlichen Befestigungen, wie
wegen ihrer Lage müssen diese beiden Inseln wie ein zweites Gibraltar
betrachtet werden, bestimmt das adriatische Meer ausschließlich zu beherrschen.“

Italien. 2. Juni 1848
Es scheint, daß die Oesterreichische Regierung sich im Geheimen überdie
Abtretung dieser Inseln mit England vereinbart hatte, dessen Allianz
nicht zu theuer erkauft werden kann.
Rom, 22. Mai. Die Wahl der Abgeordneten für das Parlament des Kirchenstaates für Rom und die Comarca ist vollendet. Für Rom selbst traf5
sie den Fürsten M. A. Borghese, den Professor De Rossi, den AdvokatenLunati, den Grafen Mamiani, den Advokaten
Sturbinetti und den Advokaten
Cicognani; für den Bezirk von Rieti den Marchese
Potenziani,
für den von Subiaco Mariani, für den von Anagni Dr. Pietro Sterbini.
In Neapel, schreibt die Augsburger Allgemeine Zeitung aus Rom, standen die Gesandten von England und Rußland in der Stunde der Gefahrdem
Könige persönlich zur Seite. – In Rom scheint sich ebenfalls eine
Reaktion vorzubereiten; die Bourgeoisie wird immer unzufriedener mitder
Bewegung, der Papst sieht häufig reaktionäre Kardinäle bei sich, und
tritt noch immer in keinen Geschäftsverkehr mit dem weltlichen Minister15
der Auswärtigen, Marchetti. – Der alte General Pepe, der an der Spitzedes
neapolitanischen Hülfscorps in Bologna steht, hat bereits Befehl zur
Rückkehr nach Neapel erhalten, aber statt zu gehorchen den sofortigen
Uebergang über den Po befohlen.
Neapel, 21. Mai. Die Stadt war ruhig, als das Dampfboot „Castor“
nach Marseille abfuhr; der Belagerungszustand dauerte fort und die rothe Fahne wehte auf den Forts. Am 20. hatte der König sich mit Escorteinden
Straßen gezeigt. Die französische
Flotte lag vor der Stadt vor
Anker; Admiral Baudin hatte 2 Millionen wie es hieß für den am französischen
Eigenthum verübten Schaden gefordert.25
In Norditalien intriguirt Karl Albert um die Lombarden und Venetianer zum Anschluß an sein Königreich zu bewegen. Damit diese fühlen,
wie nöthig sie ihn haben, läßt er seine Truppen ruhen.