Italien.
Mailand, 20. August. Radetzky hat der Stadt alle Feuerspritzen weggenommen und sie in’s Castell bringen lassen. Man fürchtet, er beabsichtige die Stadt einzuäschern, wenn es ihr einfallen sollte, sich wieder zu
erheben. Von Wien hat er eine Verstärkung von 15 000 Mann verlangt,
weil er zu schwach sei, die ganze Lombardei zu besetzen und Venedig
einzunehmen. – Die lombardischen Flüchtlinge widerlegen in öffentlichen Blättern die in Karl Alberts Proklamation ausgesprochene Entschuldigung seiner Uebergabe Mailands, indem es hier weder an Geld,
noch an Lebensmitteln, weder an Kriegsbedarf, noch an einem zahlreichen und streitlustigen Heere gefehlt habe.
(Schweizer
National
Z.)
* Turin, 19. August. Bei der großen Zahl von lombardischen und
andern Flüchtlingen und den täglich neuankommenden, war es nothwendig, für dieselben auch offiziell zu sorgen. Das Ministerium des Innernhat
deshalb eine Kommission gebildet, die sich ausschließlich mit Unterstützung der Emigrirten zu beschäftigen hat. Ehe die von Karl Albert inder
Lombardei und namentlich vor seinem Abzuge aus Mailand gestohlenen Gelder zu diesem Unterstützungszweck aufgebraucht sind, werden
diese Flüchtlinge wohl längst in ihre Heimath zurückgekehrt sein. Das20
neue Ministerium unter der Präsidentschaft Costegno’s hat sein Programm erlassen, welches nach Gewohnheit solcher Aktenstücke sehr freisinnig und patriotisch klingt. Die Namen der Minister selbst sind die
schlechteste Gewähr für Durchführung der schönen Worte und Verhei-
ßungen. Zu den vielen Ursachen der Erbitterung des Volks tritt nun wie-25
der eine neue. Es ist dies jene feige oder verrätherische Weise, in welcherder
Graf Bricherasio die Konvention wegen Uebergabe Piacenza’s mit
Thurn abgeschlossen hat. Das völlige Preisgeben der Bewohner Piacen-