Italien.
* Florenz, 13. August. Wenn die Revolution, heißt es in der neuesten
Nr. der „Alba“, zu Wien, Berlin, zu Frankfurt und Pesth erloschen ist;
wenn die Slaven, Ungarn und Deutschen das Banner ihrer Freiheit dadurch zu erobern geglaubt haben, daß sie sich von einander trennten,
oder mit den zusammenbrechenden Thronen all’ ihre Macht gegen Italien wandten: soll da vielleicht die italienische Revolution ausgelöscht
werden? Täusche sich Europa nicht über das Geschick und die Bestimmung Italiens! Die Täuschung wäre groß, die Enttäuschung würde
schrecklich sein. Denn die Selbstständigkeit Italiens ist für die Civilisation von Westeuropa eine Nothwendigkeit. Wie jede politische Frage ist
auch die italienische mit dem Sieg oder der Gefährdung der Civilisation
aufs Innigste verknüpft. Die stets vom brandenburgischen und östreichischen Hause behinderte und bedrohte Civilisation kann von ihnen
jetzt unmöglich mit Aufrichtigkeit vertheidigt werden. Vielleicht werden15
die Ungarn, Deutschen und Slaven sehr bald sehen, welches Loos ihrer
wartet, wenn Italien neuerdings unter das östreichische Joch zurückgebeugt wird.
Die Einheit Deutschlands ist dann vielleicht nur ein Traum, den Zwietracht und Ehrgeiz der deutschen Einzelstaaten sehr bald verscheuchen20
werden. Oestreich und Preußen werden sich abermals um die Beute eines
Volkes streiten, das eine glänzende Revolution nicht zu Ende zu führen
verstand. Die deutsche Revolution wurde gleich bei ihren ersten Schritten
verrathen. Wie es unmöglich ist, eine Revolution, wenn sie ihren Lauf
konsequent verfolgt, festzubannen, eben so leicht wird es sie zu bezwin-25
gen, wenn sie von ihrem Wege abweicht und an Berathungen, die sich andie
alte Ordnung der Dinge und die wankenden Institutionen anknüpfen,
verhindert wird.