Italien.
Mailand, 17. Juli. Die provisorische Regierung thut endlich, was längst
hätte geschehen sollen: sie entfernt die wegen ihrer bureaukratischen Tendenzen und reaktionairen Gesinnungen bekannten Beamten aus ihren
Stellen und ersetzt sie durch zuverlässige Personen. Jene untauglichen
Beamten erhalten nach Hause ein Schreiben gesandt, welches ihnen anzeigt, daß sie bis auf weitere Ordre nicht mehr in den Bureaux zu erscheinen haben; wünschten sie die Gründe zu kennen, weshalb? so dürften sie dieselben nur verlangen; die provisorische Regierung stehe bereit,
sie ihnen zu geben. Allein bis jetzt hat man noch keiner der suspendirten
oder abgesetzten Beamten irgend eine Erklärung zu erhalten gewünscht.
* Rom, 13. Juli. In der gestrigen Sitzung der Deputirtenkammer erklärte der Minister Mamiani, daß ihre vor einiger Zeit eingereichte Entlassung weder angenommen noch zurückgewiesen worden. Er fügte hinzu: „So lange wir auf unserm Posten bleiben, werden wir, wie bisher, 15
unsere Pflicht thun und darauf sehen, daß kein Tag vorübergehe, an demwir
Ihnen nicht einen Gesetzentwurf vorlegen. Ob Minister oder Deputirte, ob öffentliche oder Privatpersonen, werden wir stets an der öffentlichen Sache festhalten und mit allen unsern Kräften zum Triumphe der
Freiheit beitragen. Treten wir aus dem Ministerium, so werden wir unsere 20
Ehre und Prinzipien unverletzt mit uns hinausnehmen.“ Donnernder Applaus von Seite der Deputirten wie der Gallerien folgt diesen Worten
gleichsam in Erwiderung dessen, was der Papst beim Empfange der Antwortsadresse ausgesprochen. – Es hieß dieser Tage, der Deputirte Fariniseimit
Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt worden, man weiß 25
indeß nicht, ob er diese schwierige Aufgabe übernommen. Schwieriger
noch, seitdem die vom Papst auf die Antwortsadresse der Deputirten
gegebene Erwiderung die Mißstimmung vermehrt hat. Die reaktionaire

Italien. 24. Juli 1848
Partei triumphirt, daß der Papst so bereitwillig auf ihre Pläne eingeht.
Wir erwarten hier von einem Augenblick zum andern einen Schlag oder
Staatsstreich. Die liberale Partei ist entschlossen, auf dem bisherigen
Wege zu beharren, es möge kosten, was es wolle.
= Rom, 12. Juli. Daß an der Aechtheit des vom Kardinal Soglia im5
Namen des Papstes erlassenen Schreibens nicht zu zweifeln, geht aus der
Antwort des Papstes auf die Adresse des Rathes der Abgeordneten sehr
klar hervor. Diese Antwort beweist, wie der Papst mit dem jetzigen Ministerium und der Majorität der Deputirten im entschiedensten Widerspruch steht und wie eng er bereits von der reaktionären Parthei umstrickt worden. Es wurde ihm am 10. d. die Adresse überreicht und er
erwiederte darauf Folgendes:
„Wir nehmen die Ausdrücke der Dankbarkeit, welche der Rath (Consiglio, die Deputirtenkammer; dieser Name ist aber dem geistlich-offiziellen Rom schon zu revolutionär) an uns richtet und die Antwort auf diein
unserem Namen von dem dazu ausdrücklich bevollmächtigten Kardinal verlesenen Eröffnungsrede mit der Erklärung an, daß wir sie nur inso
weit als sie sich nicht von den Bestimmungen des Fundamentalstatuts
entfernt, gelten lassen. Wenn der Pontifex betet, segnet und vergiebt, so
liegt ihm anderseits die Pflicht ob zu lösen und zu binden. Und wenn erals
Fürst, um die öffentliche Sache besser zu wahren und zu kräftigen, die
beiden Räthe (Senat und Deputirtenkammer) zur Mitwirkung beruft, so
braucht er als geistlicher Fürst jene Freiheit, die ihn bei allen Interessender
Religion und des Staats ungehindert läßt. Diese Freiheit bleibt ihm
unversehrt, so lange das Statut und das Gesetz über den Ministerrath,
das wir freiwillig gewährt, unangetastet bleiben.
Vervielfältigen sich die großen Wünsche nach der Größe der italienischen Nation, so ist es nothwendig, daß die ganze Welt neuerdings erfahre, wie das Mittel zur Erreichung derselben, von unserer Seite nichtder
Krieg sein kann. Unser Name wurde um der ersten Friedensworte30
willen, die von unsern Lippen kamen, auf der ganzen Erde gesegnet. Das
würde sicher nicht der Fall sein, wenn jene des Krieges von unsern Lippen kämen. Und groß war unsere Ueberraschung, als wir die Aufmerksamkeit des Rathes (der 2. Kammer) auf jenen Gegenstand gelenkt sahenim
Widerspruch mit unsern öffentlichen
Erklärungen und in einem Augenblick, wo wir Unterhandlungen über den Frieden veranstaltet haben.
Die Einigkeit zwischen den Fürsten und die gute Harmonie zwischen den
Völkern der Halbinsel können allein zu dem ersehnten Glücke führen.
Jene Eintracht fordert, daß wir die Fürsten Italiens auf gleiche Weise
umarmen müssen, weil aus dieser väterlichen Umarmung jene Harmonie
erwachsen kann, welche zur Erfüllung der öffentlichen Wünsche hinführt.