Italien.
* Nach der Vertagung des neapolitanischen Parlaments erhoben sichdie
royalistischen Lazzaronis mit Triumphgeschrei für den absoluten
König. Diesen trat die konstitutionelle Partei der Lazzaronis entgegenund
ihnen schlossen sich eine Anzahl liberalgesinnter Bürger an. Der5
Streit wurde so heftig, daß das Militär einschritt. Das Resultat ist, daß
sich Neapel wiederum in einer Art von Belagerungszustand befindet.
Durch die Einnahme Messinas kennt der Hochmuth der reaktionären
Partei vollends keine Gränzen mehr. Auf Sizilien beschäftigt man sichmit
Erhebung des Volkes in Masse. Als in Palermo am 3. Septemberden
Kammern der Beginn der Feindseligkeiten mitgetheilt wurde, erhoben
sich Deputirte und Senatoren wie Ein Mann und schwuren, Alles für die
Freiheit aufzuopfern und die Herrschaft des Bourbonen auf der schönen
Insel nie wieder zu dulden. Auf den Vorschlag eines Deputirten, dem
Ministerium diktatoriale Vollmacht zu ertheilen: erklärte letzteres, solcher Macht nicht zu bedürfen. Es wolle sich vielmehr ganz auf den
Patriotismus und die Zustimmung der Kammern stützen. Ferner wird
eine Anleihe von 7 pro Cent
beschlossen und für dieselbe alles Silberund Goldgeräth wie alle übrigen Kostbarkeiten der Kirchen, Klösterund
sonstigen religiösen Körperschaften zum Unterpfand bestimmt. In
Palermo allein stehen 30 000 Mann wohlbewaffnete und disciplinirte Sizilianer; 100 000 Freiwillige sind ebenfalls mit Waffen versehen. König
Ferdinand mag thun, was er will: die Insel erobert er mit eigenen Kräften nie wieder.
Karl Albert traf endlich am 14. d. in Turin ein. Er dankt in einer Proklamation den Nationalgarden, in deren Schutz er seine Familie gelassen,
für ihr würdiges Verhalten und macht zum Schluß einige schöne Phrasenvon
seiner unendlichen Liebe zu Italiens Freiheit und Selbstständigkeit.