Italien.
* Mailand, 11. August. Gestern erst ist Como von den Oestreichern
besetzt worden. Sie haben den Ticino überschritten und Gravellona besetzt. Sie sollen dabei erklärt haben, daß sie nur kämen, um den Sardinerkönig vor jeglichem Attentat, „böswilliger und stürmischer Neuerer“
zu beschützen. Natürlich ist ein Dienst des andern werth. Für den Verrath an den Lombarden, Venetianern, Modenesen etc.: erhält jetzt Karl
Albert Schutz gegen die, welche ihn etwa zur Rechenschaft zuziehen gesonnen sein sollten. Man hört, daß er jetzt die Krone zu Gunsten seines
Sohnes, des Herzogs von Savoyen niederlegen will. Der Befehl der Ablieferung von Waffen soll den Erfolg gehabt haben, daß schon 50 000
Flinten eingeliefert wurden. Es werden keine Zeitungen nach Mailand
gelassen, und man weiß daher in der Stadt nicht, was außerhalb vorgeht.
Das reguläre Militär der Lombardei, gegen 20 000 Nationalgarden und
sehr viele Familien, sind mit der sardinischen Armee nach Piemont ge-15
zogen.
* Verona, 11. August. Das Hauptquartier der Armeeabtheilung, von
welcher Peschiera belagert wird, befand sich bisher in Cavalcasello. Die
Belagerung ist nun zu Ende. Ein Kourier aus Mailand hat einen Befehl
Karl Alberts an den Kommandanten von Peschiera überbracht, demzu-20
folge die Festung Sonntags den 13. d. geräumt und den Oestreichern
ohne Weiteres überliefert wird. Das geschieht in Folge des abgeschlossenen 6 wöchentlichen Waffenstillstands, worin festgesetzt worden, daßdie
piemontesischen Truppen alle Plätze, die sie noch innehatten, binnen
3 Tagen verlassen müssen.25
* Genua, 10. August. Der hiesige „Corriere Mercantile“ meldet, daß
Karl Albert an die Venezianer Depeschen gesandt, worin er sie, trotz der
Kapitulation von Mailand zum ferneren Widerstande auffordert.