Italien.
Rom, 5. Juni. Die Kammern in Rom sind nunmehr eröffnet. Diesen
Morgen um 8 Uhr versammelten sich die sämmtlichen Mitglieder beider
Kammern in dem Ausstellungssaale an der Piazza del Popolo; gegen 10
Uhr setzte sich der Festzug mit vielen Bannern in Bewegung. Die Theilnehmer zogen nach der Kirche S. Lorenzo in Damaso, wo sie der Messe
beiwohnten, und nach der Heiligengeistmesse zogen sie in den zur Eröffnung bestimmten Saal im Pallast der alten Kanzlei. Nach 12 Uhr langte der
Kardinal Altieri daselbst an und eröffnete im Auftrag des heilig
enVaters die Kammern mit einer Rede. – Sämmtliche Kirchen-, Klosterund Kammergüter sind mit Angabe ihres Taxwerthes als Unterpfand fürdas
neue, 2
1/2 Mill. Scudi betragende Anleihen bestellt worden.
(Schwäbischer
Merkur
)
Ä Turin, 8. Juni. In der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer begründete Advokat Bixio seinen Vorschlag, durch ein Gesetz die Gesell-15
schaft Jesu für immer aus den Gränzen des Staates auszuschließen und
ihre Güter zum öffentlichen Besten zu verkaufen oder zu verwenden.
Seine Rede wurde wiederholt vom lebhaftesten Beifall unterbrochen. Die
Kammer beschloß, den Antrag in Betracht zu ziehen.
– Die Schneidergesellen in Turin haben sämmtlich ihre Werkstätten
verlassen und wollen nicht eher dahin zurückkehren, bis ihnen eine beträchtliche Erhöhung des Arbeitslohnes zugestanden worden.
– Einem Briefe, den „La Concordia“ aus Neapel vom 6. Juni mittheilt,
entnehmen wir Folgendes:
„... Die beiden Calabrien sind im Aufstande; sie denken nicht daran,
hieher zu marschiren, sondern haben die Verwaltung in ihre eigene Hand
genommen; sie ziehen die Steuern ein, bewaffnen sich, schaffen Kanonen an
etc. Inzwischen sind die Truppen der Hauptstadt durch die während