Italien.
Nr. 12 u. 13, 13. Juni 1848
Neue Rheinische Zeitung.
* Das Mailänder Bülletin vom 3. Juni schätzt den Verlust der Oesterreicher im Gefecht vom 30. auf 1500 Mann, den der Italiener auf 600 Mann.
Bülletin von Bergamo, 2. Juni, 9 Uhr Vormittags. In diesem Augenblick
langt vom Lager her die Nachricht an, daß es nach einem offiziellen
Briefe des Prinzen Eugen von Savoyen und des Ministers der auswärtigen
Angelegenheiten Pareto gewiß ist, daß der Bourbon von Neapel und sein
erstgeborener Sohn feierlich enthauptet sind. Die Piemontesen scheint es,
haben bei Villa Capella entschieden den linken Flügel des österreichischen Heeres gesprengt; man spricht von einer entsetzlichen Menge Todter. Das Gefecht soll vorgestern von Mittag bis Abend vorgefallen seyn.
Es läuft in Brescia das Gerücht, daß gestern Morgen die Oesterreicher bei
einem neuen Versuch auf Goito eine neue Niederlage erlitten, und daß
General Schwarzenberg mit seinem Adjutanten durch eine Kanonenkugel entzweigerissen worden. Die Luccheser Riforma meldet, daß am
2. Juni in Livorno die Nachricht eintraf, es sey ein neuer Aufstand in
Neapel, der König solle in den Händen des Volkes seyn.
Am 1. Juni ist Karl Albert selbst in Peschiera angekommen, wo im
Ganzen 127 Stück Geschütz vorgefunden wurden (das in der Festung
befindliche Kriegsmaterial wurde laut Kapitulation den Piemontesen
überliefert). In Mailand dauern die Verhaftungen fort, genannt wird unter den Verhafteten ein Herr von Philippsberg, der eben erst von Wien
gekommen war, und den man bezüchtigt: er habe, wenn der Aufstand in
Mailand am 29. Mai (den man mailändischerseits offiziell dem Golde der
Oesterreicher beimißt) gelang, als österreichischer Befehlshaber für Mailand auftreten sollen. Die italienische National-Association, deren Präsident Giuseppe Mazzini ist, protestirt laut dagegen, daß sie an den
Unruhen des 29. Antheil genommen habe. Ihr sey es Gesetz, ihre Grundsätze auf dem Wege der freien Ueberzeugung und nicht der Gewalt geltend zu machen. Von den 46 000 stimmfähigen Bürgern in Mailand sollen
sich 36 612 für den unmittelbaren Anschluß an Sardinien, 290 für den
Aufschub erklärt haben. Die Republikaner hatten sich alles Stimmens
enthalten. In Modena ist am 29. der Anschluß an Piemont zur Bildung
des oberitalischen Reichs erklärt, und zwei Tage darauf gingen von dort
Deputirte an Karl Albert ab, um dem Fürsten die auf den Anschluß
bezüglichen Dokumente zu übergeben. Ein noch größeres Geschenk freilich würde diesem bereitet seyn, wenn sich das Gerücht bestätigte, daß
Sicilien sich an das oberitalische Reich anschließen wolle.