London, 10. Oktober 1868.
Dear Fred,

Thanks for the £ 5. Ich habe dem Leßner 8 £ gegeben. Es ist
übrigens ein ziemlich bedeutender Irrtum in seiner Rechnung, den
er jedoch schon vor Intervention meiner Frau berichtigt hatte.

Einliegend Brief von Schweitzer, nebst Nummer des SocialDemokraten, den er mir zusandte in dem Brief. Du mußt mir den
Brief bis Dienstag zurückschicken, zugleich mit deinem advice.
io Das Temporisieren geht nun nicht länger. Damit Du genau weißt,

wie die Sachen stehn, folgendes:

Dem Liebknecht habe ich einstweilen geschrieben, daß I could
take no action; daß Schweitzer] bisher keinen offiziellen Anlaß
dazu gegeben; daß eine Intervention meinerseits den Lassal-

-5 leanism nur befestigen könne usw.

As to Schweitzer, so habe ich ihm noch nicht geantwortet auf
seinen vorigen Brief, dessen Absendung er jetzt wahrscheinlich
verwünscht. Da sein Trades-Unions-Congress so nah bevorstand,
hielt ich es für besser, „den Verlauf der Dinge" abzuwarten und

2« to watch his operations. Jetzt natürlich muß ich das Schweigen
brechen.

Was den Brief des Schweitzer] angeht, so ist es klar, daß er
sich nicht ganz wohl in seiner Haut fühlt. Seine Drohung mit
„offnem Krieg" ist albern, obgleich die Phrase „ostensibly" nur

25 gegen Liebknecht et Co. gerichtet ist. Seine Behauptung, daß
Karnickel angefangen, ist keineswegs korrekt. Seine angebliche
Identifikation mit der Internationalen Arbeiterassoziation ist in
gewissem Widerspruch mit seinen hints im Social-Demokrat nach
der Nürnberger Affäre, daß sein Verein sich ,nicht" der Inter-

3o nationalen Arbeiterassoziation angeschlossen. Vor allem aber geht
aus dem ganzen Brief hervor, daß Schweitzer] sich noch nicht
von der fixen Idee, „seine eigne Arbeiterbewegung" zu haben, lossagen kann. Andrerseits ist er unbedingt von allen jetzigen Arbeiterführern in Deutschland der intelligenteste und energischste,

3s während Liebknecht, in point of fact, nur durch Schweitzer] gezwungen wurde, sich zu erinnern, daß eine von der kleinbürgerlich-demokratischen Bewegung unabhängige Arbeiterbewegung
existiert.

Mein Plan ist der, keine Diplomatie anzuwenden, sondern

*o Schweitzer] reinen Wein über meine Ansicht seines Treibens einzuschenken und ihm klar zu machen, daß er zwischen der „Sekte"
und der ,Klasse" wählen muß. Will er mit der „Nürnberger
Majorität" zu einem rationellen Einverständnis kommen, so
bin ich als „Sekretär für Deutschland" bereit, auf mir vernünftig

scheinenden terms dazu behülflich zu sein. Will er das nicht, so
kann ich nur versprechen, die nötige objektive Unparteiischkeit
vis-à-vis seiner Agitation zu behaupten. Was ich aber nicht versprechen kann, ist, sobald ich es für nützlich achte, in meiner
Privatqualität nicht öffentlich über den Lassalleschen Aberglauben sg
herzufallen.

Schöne und echt Lassallesche Vorstellung des Schweitzer],
daß „zwei Organisationen nur schaden können", und daß deshalb,
weil er den andern zuvorgekommen ist, sie, wenn auch nicht rechtlich, doch gewissermaßen moralisch verpflichtet sind, in ihn „auf- io
zugehen".

Herr Odger steht, wie Du weißt, für Chelsea, ich glaube nicht
mit Aussicht auf Erfolg. O[dger] hat uns das ganze letzte Jahr die
cold shoulder gezeigt, seitdem, auf meinen Vorschlag, „der Präsident der Internationalen Arbeiterassoziation" und damit auch i>
„Präsident" Odger ein für allemal abgeschafft wurde. Jetzt dankt
er für seine Wiederwahl durch den Brüssler Kongreß und wünscht,
daß wir seine Wahl durch ein Schreiben an sein electioneering
committee unterstützen. Wir gehn nur auf sein Verlangen ein, weil
es ein Schritt ist, der der Internationalen nützlich und sie in den so
Augen der London workmen empfiehlt.

Du sahst, als Du zuletzt hier warst, das Blaubuch über die
irischen Landverhältnisse 1844—1845. By accident fand ich in
einem kleinen Antiquarshop den Report und Evidence über Irish
tenantright 1867. (HouseofLords.) DieswareinwahrerFund.Wäh- ss
rend die Herrn Ökonomen es als reinen Dogmenstreit behandeln,
ob die Grundrente Zahlung für natürliche Bodendifferenzen oder
aber bloßer Zins für das im Boden angelegte Kapital sei, haben
wir hier einen praktischen Kampf auf Leben und Tod zwischen
farmer und landlord, wie weit die Rente außer der Zahlung 30
für Bodendifferenz auch die Zinsen des nicht vom Landlord, sondern vom Pächter im Boden angelegten Kapitals einschließen
solle. Nur dadurch, daß man an die Stelle der conflicting dogmas die conflicting facts und die realen Gegensätze stellt, die ihren
verborgnen Hintergrund bilden, kann man die politische Ökono- 31
mie in eine positive Wissenschaft verwandeln.

Salut. Dein K. M.