Budget des Schweizer Kanton Bern
** Bern, 9. Januar. Das Budget des Kantons ist jetzt im Regierungsrath
Nr. 195, 14. Januar 1849
Neue Rheinische Zeitung.
soweit berathen, daß es dem nächstens zusammentretenden großen Rath
vorgelegt werden kann. Es schließt sich in sofern den übrigen europäischen Büdgets an, als es auch ein Defizit von 43000 Frankenhat, auf eine
Totalsumme von circa 5 Millionen Franken. Von diesen 5 Millionen sind 5
circa 800000 durch den Ertrag der Staatsgüter, 1800000 Frankendurch
indirekte Steuern, der Rest durch Zölle etc. gedeckt. Es kommen danach
fast genau 4 Schweizer Franken (1 Thlr. 18 Sgr.) direkte, und etwa 3 1/2
Franken indirekte Steuern auf den Kopf der Bevölkerung. Wenn sämmtliche, vom Finanzdirektor Stämpfli (Chef der hiesigen Radikalen) vorge- 10
schlagene Reduktionen durchgegangen wären, so würde statt eines Defizits, ein Ueberschuß von 80000 Franken herausgekommen sein. Aber
das convenirte der liberalen Majorität des Regierungsraths nicht, die den
Aristokraten den ewigen Vorwurf des „zerrütteten Finanzzustandes“ ruhig überläßt, um diesen Vorwurf dem radikalen Stämpfli zur Last zu
legen. In der Wirklichkeit waren die Finanzen des Kantons durch die
famose Neuhausische Regierung vollständig in Unordnung gebracht und
verschleudert worden, und wenn jetzt wieder Ordnung hineingekommen,
so verdanken wir dies nur Herrn Stämpfli.