Die Schweizer Nationalratssitzung
vom 22. November 1848
** Bern, 22. November. In der heutigen Sitzung des Nationalraths wurNr. 153, 26. November 1848.
Zweite Ausgabe
Neue Rheinische Zeitung.
de nach langer Debatte, worin General Dufour eine ausgezeichnete Rede
zu Gunsten Tessins hielt, während alle andern Militärs in der Versammlung (Ziegler, Michel, Benz etc.) mit großer Animosität gegen Tessin auftraten, und nach einer vortrefflichen Erwiederung Pioda’s auf alle An-5
griffe, der Vorschlag der Minorität der Kommission,
„die italienischen Flüchtlinge, welche an der letzten Erhebung Theil
genommen, zu interniren und der Tessiner Regierung die Ausführung
dieses Beschlusses zu überlassen“,
mit 62 gegen 31 Stimmen durch Namensaufruf verworfen, dagegen die
Majoritätsanträge:
1) alle italienischenFlüchtlinge, nur mit den durch die Humanität gebotenen Rücksichten, worüber die eidgenössischenRepräsentanten entscheiden sollen, aus dem Kanton Tessin ins Innere der Schweiz zu verweisen,
mit 62 gegen 31 Stimmen, und
2) dem Kanton Tessin bis auf Weiteres zu verbieten italienischenFlüchtlingen den Aufenthalt zu gestatten,
mit 50 gegen 46 Stimmen angenommen. Die beiden Züricher Escher und
Furrer, der gegen Dufours noble Ritterlichkeit sein ganzes Gewicht als
Bundesraths-Präsident in die Wagschale legte und fast eine Kabinetsfrage
stellte, haben durch geschickte Einwirkung auf die deutschen Schweizer
die Sache entschieden. Die 31 Stimmen für Tessin waren, mit 5–6 Ausnahmen, lauter französischeSchweizer. Man hörte nur „oui“ und „Nein“
beim Namensaufruf, kein einziges „non“, und nur fünf bis sechs „Ja“.
Die romanische Schweiz ist von den Deutschen erdrückt worden.

Die übrigen Punkte des Majoritätsantrags, denen auch die Minorität
(Hr. Pioda) sich angeschlossen, werden eben angenommen. Die Sitzung
und die Post schließen gleichzeitig. Morgen Näheres über diese interessante Debatte.