Köln, 22. September. Mit einschmeichelndster Silberstimme ruft Hr. Wrangel den Soldaten zu, sich doch ja nicht von den Reden und Lehren der Freiheitsfreunde, der schrecklichen Demokraten, bethören zu lassen, sondern nur auf ihre geliebten Offiziere zu lauschen, die Alles wohl machen würden, von denen sie stets die beste Hülfe zu erwarten hätten. Was aber die Volksversammlungen und demokratischen Vereine anlangt: räth er den Soldaten, „lieber gar nicht hinzugehen.“ Er wagt es aber nicht, ihnen dieses Hingehen, die Theilnahme an Volksversammlungen etc. zu untersagen. Er spricht einen Rath oder einen Wunsch, aber kein Verbot aus. Er konnte letzteres auch nicht erlassen, da dem Soldaten das Recht, Volksversammlungen beizuwohnen und Vorträge über politische Gegenstände anzuhören, eben so garantirt ist, als jedem andern Staatsbürger. Wie verhält es sich aber mit diesem Recht in der Praxis, in der Wirklichkeit? Wie namentlich in Köln? Am hiesigen demokratischen Verein haben sich stets eine Menge Artilleristen betheiligt Konsignirung und Bestrafung derselben durch Mittelarrest hat sich fruchtlos erwiesen. Jetzt wird den Artilleristen für den Fall ihrer weiteren Betheiligung in solcher Weise gedroht, daß endlich doch die Mehrzahl sich einschüchtern läßt, weil der Soldat sehr gut weiß, welch drangsalvolles Leben im entgegengesetzten Falle für ihn in Aussicht steht.
Wenn Hr. Wrangel ferner davon redet, daß der Soldat sich mit seinen gerechten Wünschen nur an die Offiziere zu wenden braucht und daß ihm dann sicher geholfen wird, so heben wir unter den tausend Beispielen nur ein einziges, kleines, hervor.
Der Unteroffizier Schmiga, der den Sitzungen des demokratischen Vereins fleißig beigewohnt, wird vom Premier-Lieutenant S. (5. Fußkompagnie) wegen einer unbedeutenden Schuld zu 3 Tagen Mittelarrest verurtheilt.
Obgleich der Unteroffizier die Schuld zu bezahlen verspricht und nur um einen Tag Aufschub bittet, da er jedenfalls von Hause (150 M. weit) Geld erhalten werde, so nützt ihm das Alles nicht. Er verlangt statt Arrest Untersuchung; wird nicht gewährt. Er muß das Einsperren über sich ergehen lassen. In dieser Weise werden die gerechten Wünsche der Soldaten erfüllt.
Köln, 22. Septbr. Gestern Abend war der Ausbruch eines Konfliktes zwischen 34ern und hiesigen Bürgern sehr nahe. Ein Bewohner Köln's (Walburg) besuchte in der Kaserne am Neumarkte einen Bekannten vom 28sten Regiment. Als er durch den Hof zurückging, hörte er eine Anzahl vom 34sten sagen: laßt uns raus und die 28er durchbläuen; wir wollen ihnen zeigen, daß wir andre Kerls sind. W. theilte dies sogleich mehrern vor der Kaserne stehenden Bürgern mit, hatte aber kaum ausgeredet, so erhielt er von einem 34er einen Steinwurf; der Werfende wußte sich alsbald in Sicherheit zu bringen. Diesem ersten Falle reihte sich gleich darauf ein zweiter an. Ein Mann (Schmitz) fand sich gleich darauf von einigen 20 Mann des 84sten Regiments auf dem Neumarkt umringt, die ihn ohne allen Anlaß mit Fäusten bearbeiteten. Einem dritten Bürger (Rübsaat) geschah dasselbe. Weiter gab es auch noch Schlägerei zwischen Soldaten des 28. und 34. Regiments. Die drei mißhandelten Civilisten begaben sich nach der Rathhaus-Wache und wollten sich zu Protokoll erklären. Man ging darauf nicht ein und zwar wie wir später hörten, weil diese Sache vor eine andere Bannerwache gehöre. Sollten die 34er in dieser Weise fortfahren, so wären wir aus dem Regen in die Traufe gekommen.
Handels-Nachrichten. _ Verhandlungen des Gemeinderaths zu Köln. Sitzung vom 18. September 1848. Abends 6 Uhr.
Ein Baugesuch in der Weyerstraße ward erledigt. ‒ Der Antrag der, in der Sitzung vom 7. Juli c. ernannten Kommission zur Prüfung des Vorschlags über die Wiederbelebung der Bauthätigkeit durch Bewilligung einer zehn-resp. sechsjährigen Steuerfreiheit, dahin gehend: „daß, obwohl unter den obwaltenden Umständen von dem vorgeschlagenen Mittel kein oder nur ein geringer Erfolg zu erwarten stehe, es der königl. Regierung dennoch anheim gegeben werden soll, ein solches Gesetz zu extrahiren, um zu beweisen, daß man auch in dieser Hinsicht Alles aufbieten wolle, um die Bauthätigkeit zu wecken und zu erleichtern“ ‒ ward angenommen. ‒ Ein von der Einquartierungs-Kommission schon früher gefaßter Beschluß, wonach bei bevorstehender Einquartierung die Bezirke, welche damit belegt werden, so viel wie thunlich vorher durch die Zeitung davon Kenntniß erhalten sollen, ward derselben zur Ausführung empfohlen. ‒ Es wurde eine, aus fünf Mitgliedern bestehende Kommission zur Prüfung der hiesigen Theaterverhältnisse erwählt. ‒ Der Gemeinderath trat dem Antrage seiner, in der Sitzung vom 11. Juli c. ernannten Kommission, dahin gehend: „daß der, der Industrieschule im Waisenhause zugehörige Frohnhofs-Busch zu Esch nochmals parzellenweise einer offentlichen Verpachtung auszusetzen und der provisorische Ankauf desselben nicht zu genehmigen sei,“ ‒ bei.
Schließlich wurde nachträglich zu Protokoll genommen, daß der Gemeinderath in seiner Sitzung vom 7. d. M. eine Deputation erwählt habe, um seinem Kollegen, dem Hrn. Domkapitular Dr. Broix zu seinem 25jährigen Priesterjubiläum zu gratuliren.
Civilstand der Stadt Köln. Geburten.
Den 18. Math., S. v. Math. Weingarten, Bäcker, Weberstr. ‒ Maria, T. v. Ludw. Blumenthal, Buchsenmacher, alte Wallg. ‒ Joh., S. v. Bern. Palm, Maurer, Apernstr. ‒ Carl Joh. Jos., S. v. Adam Wahlen, Kfm., Apernstr. ‒ Anna Ther., T. v. Ferd. Froitzheim, Tagl., Thieboldsgasse. ‒ Christ., S. v. Math. Meurer, Gastwirth, Landsbergerstr. ‒ Elis, T. v. Herm. Neuburg, Schuster, Kämmerg. ‒ Heinr. Carl Otto, S. v. Heinr. Balth. Doll, ohne Gesch., Maximinstr. ‒ Herm. Jos., S. v. Simon Etzbach, Kleiderm., unter Goldschmid. ‒ Franz, S. v. Heinr. Zinsheim, Schmied, Löwengasse.
Sterbefälle.
Den 18. Joh. Pet. Fuchs, Polizei-Kommissair, 55 J. alt, verh. Landsbergerstr. ‒ Pet. Röttgen, 10 M alt, Wilhelmstr. ‒ Conr. Joh Hub. Menne, 3 T. alt, Kammergasse. ‒ Anna Maria Kütgen, 9 J. alt, Kammachergasse. ‒ Sabina Heymann, geb. Weill, 70 J. alt, Hahnenstraße. ‒ Sib. Linz, Wwe. Feith, 31 J. alt, Weidengasse. ‒ Christina Edler, 1 T. alt, Ortmannsgasse. ‒ Pet. Bernickel, Bäcker, 41 J. alt, Wwr. Marsilstein.
Geburten.
Den 19. Wilh., S. v. Wilh. Blesgen, Steinhauer, Mühlenbach. ‒ Friedr., T. v. Salomon Geldern, Kleidermacher, Martinstr. ‒ Wilh. Aug., S. v. Carl Jos. Nolte, Privatsekret., Streitzeuggasse. ‒ Cath., T. v. Franz Baumann, Tagl., Löhrg. ‒ Anna Christ, T. v. Herm. Jos. Kriell, Hautboist, im 28. Rgt., Poststraße. ‒ Ein unehel. Knabe.
Sterbefälle.
Den 19. Eleon. Christ. Hubert. Claasen, 9 M. 14 T. alt, Breitstr. ‒ Heinr. Schiefenbusch, Gärtner, 57 J. alt, verh. alte Wallg. ‒ Veron. Nagelschmied, 13 J. alt, Lohrgasse. ‒ Herm. Jos. Dübyen, königl Notar, 51 J. alt, verh. Brückenstr. ‒ Eva Joseph Oster, geb. Bisdorff, 37 J. alt, gr. Griechenmarkt. ‒ Nicolaus Müller, Zimmermann, 73 J. alt, verh. Friesenstraße. ‒ Ein unehelicher Knabe.
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