** Köln, 30. Juni. Man lese folgende Stellen aus dem „London TeleNr. 31, 1. Juli 1848
Neue Rheinische Zeitung.
graph“ und vergleiche damit, was die deutschen Liberalen, insonderheit
Hr. Brüggemann-Dumont et Wolfers über die Pariser Junirevolution zusammenschwatzen und man wird eingestehen müssen, daß die englischen
Bourgeois, von vielen andern Vorzügen abgesehen, wenigstens das vor
den deutschen Spießbürgern voraus haben, daß sie große Ereignisse zwar
vom Bourgeois-Standpunkte aus, übrigens aber als Männer beurtheilen
und nicht als Gassenbuben.
Der „Telegraph“ sagt in seiner Nro. 122: „... Und hier wird man von
uns erwarten, daß wir uns über Ursprung und Folgen dieses fürchterlichen Blutvergießens erklären. Von Anfang an stellt es sich als eine vollständige Schlacht zwischen zwei Klassen heraus – (Ein Kaiserreich für
einen solchen Gedanken, ruft innerlich die hehre „Kölnische“ und ihr
„Wolfers“.) Es ist ein Aufstand der Arbeiter gegen die Regierung, die sie
selber geschaffen haben und gegen die Klasse, von welcher die Regierung
jetzt unterstützt wird. Wie der Streit unmittelbar entstand, ist weniger
leicht auseinanderzusetzen, als die dauernden und immer gegenwärtigen
Ursachen desselben anzugeben. Die Februarrevolution wurde hauptsächlich von den arbeitenden Klassen gemacht und man sprach es laut aus,
daß sie zu ihrem Vortheil gemacht worden. Es ist nicht sowohl eine politische, als eine sociale Revolution. Die Massen von mißvergnügten Arbeitern sind nicht mit einem Sprunge und mit allen Eigenschaften des
Soldaten auf einmal begabt in die Welt getreten. Eben so wenig ist ihre
Noth und ihre Unzufriedenheit blos die Frucht der Ereignisse der letzten
vier Monate. Erst am Montag citirten wir die, vielleicht übertriebenen
Angaben Hrn. Leroux’s, der, ohne Widerspruch zu erfahren, in der Nationalversammlung anführte, daß es in Frankreich 8 Millionen Bettler
und 4 Millionen Arbeiter gibt, die keinen sichern Verdienst haben. Er
bezeichnete ausdrücklich die Zeit vor der Revolution und klagte eben,
daß seit der Revolution gegen diese gewaltige Krankheit gar nichts geschehen sei. Die Theorien des Socialismus und Kommunismus, die in
Frankreich herangereift waren und jetzt eine so große Gewalt auf die
öffentliche Meinung ausüben, erwuchsen aus der furchtbar gedrückten
Lage, in welcher sich unter Louis Philippe’s Regierung die große Masse
des Volkes befand. Die Hauptsache, die nicht aus dem Auge verloren
werden darf, ist die unglückliche Lage der Masse; diese Lage ist die wirkliche lebendige Ursache der Revolution. In der Nationalversammlung wurde nun bald beschlossen, die Arbeiter derjenigen Vortheile zu berauben, 10
welche ihnen von den Politikern der Revolution so voreilig und unüberlegt zugesprochen worden. In socialer und selbst in politischer Beziehung
lag eine gewaltige Reaktion klar am Tage. Die Gewalt, von einem großen
Theile Frankreichs unterstützt, wurde aufgefordert, jene Menschen bei
Seite zu schaffen, von welchen besagte Gewalt ihr Dasein erhalten. Erst 15
geschmeichelt und ernährt, dann getheilt und mit dem Hungertode bedroht, weggeschleppt in die Provinzen, wo alle ihre Arbeitsverbindungen
vernichtet waren und endlich der zur Vernichtung ihrer Gewalt beschlossene Plan; kann sich da Jemand über die Gereiztheit der Arbeiter wundern? Daß sie glaubten, eine zweite erfolgreichere Revolution zu Stande 20
zu bringen, kann wahrlich Niemanden überraschen. Und ihre Aussichten
auf Erfolg gegenüber der bewaffneten Macht der Regierung erschienen,
nach der Dauer des bisherigen Widerstandes, größer als die meisten Leute sich einbildeten. Daraus, und daß keine politischen Leiter unter dem
Volke entdeckt worden, so wie aus der Thatsache, daß die aus Paris 25
fortgeschickten Arbeiter gleich hinter den Barrieren wieder umkehrten:
geht hervor, daß der Aufstand die Folge eines allgemeinen Unwillens unter
der arbeitenden Klasse und nicht das Werk politischer Agenten war. Sie
halten dafür, daß ihr Interesse wieder von ihrer eigenen Regierung verrathen worden. Sie haben jetzt, wie im Februar, die Waffen ergriffen, um 30
gegen das schreckliche Elend anzukämpfen, dessen Opfer sie bereits so
lange gewesen.
Der jetzige Kampf ist nur eine Fortsetzung der Februar-Revolution. Er
ist eine Fortsetzung des durch ganz Europa gehenden Kampfes wegen gerechterer Vertheilung der jährlichen Arbeitserzeugnisse. In Paris wird er 35
jetzt wahrscheinlich bewältigt werden; denn die Gewalt, welche die neue
Autorität von der alten ererbt, hat augenscheinlich das Uebergewicht.
Doch mag er auch noch so erfolgreich bewältigt werden, er wird sich immer
und immer wieder erneuern, bis die Regierung entweder eine gerechtere
Vertheilung der jährlichen Arbeitsprodukte zu Stande bringt, oder in der 40
Unmöglichkeit, dies zu thun, von allen derartigen Versuchen absteht und
die Entscheidung der freien Konkurrenz des Marktes überläßt ... Die
wirkliche Schlacht wird wegen ausreichender Subsistenzmittel geschlagen.
Die Mittelklasse selbst ist ihrer Existenzmittel von jenen Politikern beraubt worden, welche die Leitung der Revolution übernahmen. Die Mittelklasse ist barbarischer geworden, als die Arbeiter. Die gewaltigsten Leidenschaften
sind
auf
beiden
Seiten
zu
verderblicher
Thätigkeit
entflammt. Sie setzen alle Brüderlichkeit bei Seite und liefern sich gegenseitig mörderische Schlachten. Die unwissende, wenn nicht böswillige Regierung, welche in dieser ausserordentlichen Krisis keinen Begriff von
ihrer Pflicht zu haben scheint, hat zuerst die Arbeiter gegen die Mittelklasse gehetzt und ist jetzt der letzteren behilflich, die getäuschten, betrogenen und nun wüthend gewordenen Arbeiter von der Erde zu tilgen. Der
Tadel wegen dieses großen Unheils darf nicht das Prinzip der Revolution
treffen, nicht den Entschluß, gegen Elend und Unterdrückung loszuschlagen. Er muß vielmehr gegen die gerichtet werden, welche in ihrer politischen Unwissenheit die von Louis Philippe überkommenen Nothzustände noch verschlimmerten.“
So schreibt ein Londoner Bourgeoisblatt über die Junirevolution, ein
Blatt, das die Grundsätze eines Cobden, Bright etc. vertritt, das nach der
Times und dem Northern-Star, den zwei Despoten der englischen Presse,
wie der Manchester Guardian sagt, das gelesenste Blatt in England ist.
Man vergleiche Nr. 181 der Kölnischen Zeitung! Dieses merkwürdige
Blatt verwandelt den Kampf zwischen zwei Klassen in den Kampf zwischen
den Honetten und den Spitzbuben! Braves Blatt! Als wenn diese Epitheta
von den zwei Klassen nicht wechselseitig zurückgeschleudert würden. Es
ist dasselbe Blatt, das zuerst bei dem Gerücht des Juniaufstandes seine
gänzliche Unwissenheit über den Charakter des Aufstandes gestand, dann
sich von Paris aus schreiben lassen mußte, es handle sich um eine wichtige
sociale Revolution, deren Umkreis nicht mit einer Niederlage erschöpft sei
und schließlich, durch eine Niederlage der Arbeiter wieder gekräftigt, in
dem Aufstand nichts sieht als den Kampf „der unermeßlichen Majorität“
gegen eine „wilde Rotte“ von „Kannibalen, Räubern und Mördern.“
Der römische Sklavenkrieg, was war er? Ein Krieg zwischen den Honetten und den Kannibalen! Hr. Wolfers wird römische Geschichte schreiben und Hr. Dumont-Brüggemann wird die Arbeiter, die „Unglücklichen“,
über ihre wahren Rechte und Pflichten aufklären, „sie in die Wissenschaft
einweihen, welche zur Ordnung führt, welche den wahren Bürger bildet!“
Es lebe die Wissenschaft Dumont-Brüggemann-Wolfers, die Geheimwissenschaft! – Ein Beispiel dieser Geheimwissenschaft: Das wohllöbliche
Triumvirat erzählt seinen gläubigen Lesern zwei Nummern hindurch, daß
General Cavaignac das Viertel St. Antoine unterminiren wolle. Das Viertel
St. Antoine ist zufällig etwas größer als die gute Stadt Köln. Aber das
wissenschaftliche Triumvirat, das wir der deutschen Nationalversammlung zur Beherrschung von Deutschland anempfehlen, das Triumvirat
Dumont-Brüggemann-Wolfers, siegt über diese Schwierigkeit, es versteht,
die Stadt Köln durch Eine Mine in die Luft zu sprengen! Seinen Vorstellungen über die Mine, welche das Faubourg St. Antoine in die Luft
sprengt, entspricht die Vorstellung über die unterirdischen Gewalten, welche die moderne Gesellschaft unterminiren und das Paris vom Juni erbeben machten und Blutlava aus seinem Revolutionskrater heraufspien.
Aber bestes Triumvirat! Großer Dumont-Brüggemann-Wolfers, von der 10
Welt der Annoncen proklamirte Größen! Annoncen-Cavaignac’s! Wir
haben bescheiden unser Haupt geneigt, geneigt vor der größten geschichtlichen Krise, die je eklatirt hat: vor dem Klassen-Kampf der Bourgeoisie und des Proletariats. Wir haben die Thatsache nicht gemacht, wir
haben sie konstatirt. Wir haben konstatirt, daß eine der Klassen die Be- 15
siegte ist, wie Cavaignac selbst sagt. Wir haben auf dem Grabe der Besiegten den Siegern Weh! zugerufen und Cavaignac selbst schaudert zurück
vor
seiner
geschichtlichen
Verantwortlichkeit!
Und
die
Nationalversammlung beschuldet jedes ihrer Mitglieder der Feigheit, das
die fürchterliche geschichtliche Verantwortlichkeit nicht offen auf sich 20
nimmt. Haben wir den Deutschen das Buch der Sybille aufgeschlagen,
damit sie es verbrennen? Wenn wir den Kampf der Chartisten und der
englischen Bourgeois schildern, fordern wir die Deutschen auf Engländer
zu werden?
Aber Deutschland, undankbares Deutschland, du kennst zwar die 25
„Kölnische Zeitung“ und ihre Annoncen; aber du kennst die größten deiner Männer nicht, deinen Wolfers nicht, deinen Brüggemann, deinen Dumont! Wie viel Schweiß des Gehirns, Schweiß des Angesichtes, Blutschweiß ist vergossen im Kampf der Klassen, im Kampf von Freien und
Sklaven, Patriziern und Plebejern, Grundherren und Leibeignen, Kapi- 30
talisten und Arbeitern! Aber nur, weil es keine Kölnische Zeitung gab.
Aber, allertapferstes Triumvirat, wenn die moderne Gesellschaft „Missethäter“, „Kannibalen“, „Mörder“, „Plünderer“, in solcher Masse mit solcher Energie erzeugt, daß ihre Erhebung die Grundvesten der offiziellen
Gesellschaft erzittern macht, welche Gesellschaft! Welche alphabetisch 35
geordnete Anarchie! Und du glaubst den Zwiespalt aufzuheben, du
glaubst die Mitspieler, die Zuschauer des schrecklichen Drama’s erhoben
zu haben, indem du sie in die Kotzebue’sche Bedienten-Tragödie hinabziehst!
Unter den Nationalgarden des Faubourg St. Antoine, St. Jacques, St. 40
Marceau befanden sich nur 50, die dem Ruf der Bürgertrompete folgten –
so meldet der Pariser Moniteur, das Staatsblatt, das Blatt Ludwig XVI.,
Robespierre’s, Louis Philipp’s und Marrast-Cavaignac’s! Nichts einfacher
für die Wissenschaft, die den Menschen zum wahren Bürger „bildet“! Die
drei größten Faubourgs von Paris, die drei industrielsten Faubourgs, deren Muster die Mousseline von Dacca und den Sammet von Spitalfields
erbleichen und verkohlen machten, sollen bewohnt sein von „Kannibalen“, „Plünderern“, „Räubern“, „Missethätern“. So sagt Wolfers!
Und Wolfers ist ein ehrenwerther Mann! Er hat die Spitzbuben zu
Ehren gebracht, indem er sie größere Schlachten und Kunstwerke liefern
ließ, heldenmäßigere Thaten vollbringen, als die Karl’s X., Louis Philipp’s, Napoleon’s und der Spinner von Dacca und Spitalfields. Wir sprachen eben vom Londoner Telegraph. Gestern haben unsere Leser Emil
Girardin gehört. Die Arbeiterklasse, sagt er, nachdem sie ihrem Schuldner, der Februarrevolution, einen Monat über Verfall Ausstand gegeben,
sie, die Gläubigerin, sie klopfte an mit der Muskete, mit der Barrikade,
mit dem eigenen Leib an das Haus des Schuldners! Aber Emil Girardin!
Was ist er? Kein Anarchist! Bewahre Gott! Aber er ist ein Republikaner
des folgenden Tages, ein Republikaner des Morgens (républicain du lendemain) und die „Kölnische Zeitung“ ein Wolfers, ein Dumont, ein Brüggemann, sie alle sind Republikaner von vorgestern, Republikaner vor der
Republik, Republikaner des Abends (républicains de la veille)! Emil Girardin kann er zeugen neben Dumont? Wenn die Kölnerin dem Deportiren,
dem Hängen die Schadenfreude des Deportirens, des Hängens hinzufügt,
bewundert ihren Patriotismus! Sie will der Welt nur beweisen, der ungläubigen, stockblinden, deutschen Welt, daß die Republik mächtiger ist
als die Monarchie, daß die republikanische Nationalversammlung vermochte mit Cavaignac und Marrast, was die konstitutionelle Deputirtenkammer nicht vermochte mit Thiers und Bugeaud! Vive la république! Es
lebe die Republik! ruft die Spartanerin, die Kölnerin aus über dem verblutenden, verächzenden, verbrennenden Paris. Die Cryptorepublikanerin! Darum wird sie als feig, als charakterlos verdächtigt von einem Gervinus, von einer Augsburgerin! Die Makellose! Die Kölnische Charlotte
Corday!
Bemerkt wohl, kein Pariser Blatt, nicht der Moniteur, nicht die Débats,
nicht der National sprechen von „Kannibalen“, von „Plünderern“, von
„Räubern“, von „Mördern“. Es ist nur ein Blatt – das Blatt von Thiers,
des Mannes, dessen Immoralität Jacobus Venedey in der „Kölner Zeitung“
geißelte, des Mannes, gegen den die Kölnerin aus vollstem Hals schrie:
„Sie sollen ihn nicht haben
Den freien deutschen Rhein,“
es ist das Blatt von Thiers, der Constitutionnel, aus dem die belgische
„Indépendance“ schöpft und die rheinische Wissenschaft, verkörpert in
Dumont-Brüggemann-Wolfers!
Und nun prüft mit einiger Kritik diese skandalösen Anekdoten, womit
die „Kölnische Zeitung“ die Erdrückten brandmarkt, dieselbe Zeitung,
die beim Ausbruch des Kampfes erklärte, sie sei völlig unwissend über
seinen Charakter, die während des Kampfes erklärte, es sei eine „wichtige
sociale Revolution“, was nach dem Kampf ein Boxen von Gensdarmen und
Spitzbuben ist.
Sie haben geplündert! Aber was? Waffen, Munition, Verband und die
nöthigsten Lebensmittel. An die Fensterläden schrieben die Spitzbuben: 10
„Mort aux Voleurs!“ Tod den Spitzbuben!
Sie haben „wie Kannibalen gemordet!“ Die Kannibalen, sie ließen nicht
gutwillig von den Nationalgarden, die hinter den Linientruppen auf die
Barrikaden drangen, ihren Verwundeten die Schädel einstoßen, ihre Uebermannten erschießen, ihre Weiber erdolchen. Die Kannibalen, die in 15
einem Vernichtungskrieg, wie ein französisches Bourgeoisblatt sagt, vernichteten! Sie haben gebrannt? Und doch ist die einzige Brandfackel, die
sie den legitimen Brandraketen Cavaignacs entgegengeschleudert im 8.
Arrondissement, nur eine poetische, eine erdichtete Fackel, wie der Moniteur bezeugt. „Die Einen“, sagt Wolfers, „hielten das Programm des 20
Barbès, Blanqui und Sobrier hoch empor, die andern ließen Napoleon
oder Heinrich V. leben.“
Und die keusche „Kölnerin“, die weder von Napoleoniden noch von
Blanquis schwanger geht, sie erklärte schon am zweiten Tage der Insurrektion, daß „im Namen der rothen Republik gekämpft“ werde. Was 25
plaudert sie also von Prätendenten! Aber sie ist, wie schon angedeutet,
eine verstockte Cryptorepublikanerin und ein weiblicher Robespierre, wittert sie überall Prätendenten und erzittert ihre Moral vor den Prätendenten!
„Fast Alle waren mit Geld versehen und mehre mit beträchtlichen 30
Summen.“
Es waren ihrer 30 bis 40 000 Arbeiter und „fast Alle waren mit Geld
versehn“ in dieser Zeit der Noth und der Geschäftsstockung! Das Geld
war wahrscheinlich deshalb so rar, weil es die Arbeiter versteckt hatten!
Mit der größten Gewissenhaftigkeit hat der Pariser Moniteur alle Fälle 35
veröffentlicht, in denen Geld bei den Insurgenten constatirt wurde. Diese
Fälle beschränkten sich auf höchstens zwanzig. Die verschiedenen Blätter
und Correspondenzen wiederholen diese Fälle und geben die Summe verschieden an. Die „Kölnische Zeitung“, von bewährtem kritischem Takt,
die diese verschiedenen Erzählungen von den zwanzig Fällen als eben so 40
viel verschiedenen Fälle nimmt und noch die gerüchtweise circulirenden
hinzufügt, sie bekommt für den besten Fall vielleicht 200 heraus. Und
das berechtigt sie zu sagen, daß fast alle, 30–40 000 mit Geld versehn
waren! Konstatirt ist bis jetzt blos, daß legitimistische, bonapartistische
und vielleicht philippistische Emissäre, mit Geld versehn, sich unter die
Barrikadenkämpfer gemischt hatten und zu mischen beabsichtigten. Herr
Payer, das höchst conservative Mitglied der Nationalversammlung, der
12 Stunden als Gefangener unter den Insurgenten verweilte, erklärt: Die
Meisten seien durch viermonatliches Elend zur Verzweiflung getriebene Arbeiter gewesen und hätten gesagt: Besser an einer Kugel sterben, als am
Hunger!
„Viele, sehr viele Todte“, versichert Wolfers, „trugen das verhängnisvolle Zeichen, mit welchem die Gesellschaft das Verbrechen brandmarkt.“
Es ist dies eine der niederträchtigen Lügen, der schandbaren Verläumdungen, der Infamien, die Lamennais, der Gegner der Insurgenten,
der Mann des National in seinem „Peuple constituant“, die der stets ritterliche
Legitimist,
LaRochejaquelein
in
der
Nationalversammlung
brandmarkt. Die ganze Lüge beruht auf der höchst unverbürgten, vom
Moniteur nicht bestätigten Behauptung Eines Korrespondenzbüraus, man
habe 11 Leichen gefunden, die mit T. F. gezeichnet gewesen seien. Und in
welcher Revolution fand man nicht diese 11 Leichen? Und welche Revolution wird nicht 11 mal 100 mit diesem Zeichen brandmarken?
Bemerken wir wohl, die Journale, die Proklamationen, die Illuminationen der Sieger bezeugen, daß sie ausgehungert, zur Verzweiflung gejagt,
gespießt, füsillirt, lebendig vermauert, deportirt, Leichen geschändet haben. Und gegen die Besiegten nur Anekdoten und nur vom Constitutionnel erzählte, von der „Indépendance“ abgedruckte, von der „Kölnischen“ in’s Deutsche übertragene Anekdoten! Es giebt keine größere
Beleidigung gegen die Wahrheit, als sie durch eine Anekdote beweisen
wollen, sagt – Hegel.
Vor den Häusern von Paris sitzen die Weiber und rupfen Charpie den
Verwundeten, selbst den verwundeten Insurgenten. Die Redakteure der
Kölnischen Zeitung gießen in ihre Wunden Schwefelsäure.
Uns haben sie der bürgerlichen Polizei denunzirt. Wir dagegen empfehlen den Arbeitern, den „Unglücklichen“ über „ihre wahren Rechte und
Pflichten sich aufklären, in die Wissenschaft sich einweihen zu lassen,
welche zur Ordnung führt, welche den wahren Bürger bildet“ bei dem
unsterblichen Triumvirat – bei Dumont-Brüggemann-Wolfers.