London 22 Juni 1871. Lieber Liebknecht, Hierbei die Übersetzung von N o I der Adresse . Der Rest folgt so rasch daß Du N o I in zwei Nummern bringen kannst, & doch keine Unterbrechung eintritt, d. h. in 8 Tagen hast Du wieder Manuscript. Bedingung ist 1) daß Du rasch & in jeder Nummer viel druckst, 2) daß keine Randglossen dabei folgen, ich habe so übersetzt, daß, abgesehen von Anspielungen & Einzelnheiten die ohnehin nicht in ein paar Worten zu erklären, solche nicht nöthig sind; 3) daß der Satz für den Separatabdruck als Brochüre der diesmal sehr nöthig ist, stehn bleibt. Habt Ihr das Geld oder den Credit dafür nicht, so laßt’s uns wissen. Was Du nicht drucken kannst , ersetze durch Punkte & schicke das betreffende Manuscript an Becker in Genf daß er’s im Vorboten bringt (so eingerichtet daß er sieht, wohin die Stellen gehören). Das Exemplar der Original Adresse das ich Dir als Brief mit ein paar Zeilen schickte, wirst Du erhalten haben. Mehr stehn zur Verfügung. Die Adresse hat einen heillosen Lärm hier in London geschlagen. Erst Versuch des Todtschweigens, aber es ging nicht. Mittwoch den 14. hatte Evening Standard eine Denunziation, den 15. Daily News einen Auszug der durch die meisten Blätter ging. Dann Echo , am Samstag Spectator , Graphic , Pall Mall Gazette , Telegraph Leitartikel & damit war die Sache fertig, die Times kam Montag mit einem sehr beschissenen Leader nach, Standard abermals, gestern Times nochmals, & ganz London sprach nur von uns. Natürlich alles Heulerei. Tant mieux. Deine Bedenken wegen Ausweisung begreife ich nicht. Sx (?) An Deiner Stelle würde ich das hessische Bürgerrecht nicht ohne ein andres sicher in der Tasche zu haben aufgeben. Ihr seid in dieser Beziehung zu schüchtern. Ein einziger großer öffentlicher Skandal der der Welt klarlegte daß alle diese Reichsgesetze wirklich humbug sind, würde all dem Kram ein Ende machen. Aber wenn Ihr den Skandal, der doch nur den Nationalservilen schaden kann, vermeidet statt ihn zu provoziren, dann kann die Polizei sich freilich Alles erlauben. Nota bene, dies bezieht sich nur auf die betr. Stelle Deines Briefs , nicht auf die Haltung des Blatts die sehr couragirt ist & die wir durchaus anerkennen. Aber glaube doch nicht daß die Polizeihunde das gegen Dich wagen werden was sie gegen einzelne Arbeiter wagen; erst wenn sie eine Zeitlang durch Arbeiterausweisungen d ie (?) s Präcedenzfälle genug geschaffen haben, könnte das geschehn. Daß Deine Ausweisung aus Preußen noch gültig ist ist mir ganz unbekannt. Daß die Polizei es behauptet , mag sein. Daß Du es aber, als Du noch Abgeordneter warst, nicht zum Austrag gebracht hast, blieb mir immer unbegreiflich. Correspondiren für den Volksst. kann ich nicht, Du siehst aber ich helfe wo ich kann. Mit der P. M. G. ist nichts anzufangen. Ich habe selbst gelegentlich der ausschließlich militärischen Artikel mit dem Blatt allerlei Tuck gehabt & politische Sachen können weder Du noch ich hineinschreiben. Ich halte die Verbindung nur noch offen um hier & da etwas Gelegentliches hineinzubringen, to keep a footing there. Nähme sie Dich als Korrespondenten, was sie aber nicht thäte, so würde keine Deiner Correspondenzen gedruckt. Ich kam schon um Neujahr soweit, dem Redacteur zu sagen daß ich sehr wohl wisse daß ich ihm keine politischen sondern nur militärische Artikel liefern könne & das thäte ich nur in der Erwartung daß er unsre thatsächlichen Berichtigungen in Parteisachen, wenn wir es für nöthig hielten, aufnehme. Das ist auch geschehn. Von Reynolds scheinst Du auch eine gute Idee zu haben. Der größte Lauskerl der hiesigen Presse, Hosenscheißer wo er des Erfolgs nicht sicher ist, hat die ganze Adresse bis auf den Auszug der Daily News unterdrückt Die deutschen Arbeiter haben sich in dieser letzten großen Krise ganz famos benommen, besser als irgend welche andre. Bebel hat sie auch ganz ausgezeichnet vertreten, seine Rede über die Commune ist durch die ganze englische Presse gegangen & hat großen Eindruck hier gemacht. Den Volksstaat solltet Ihr von Zeit an die Pall Mall schicken, sie bringt von Zeit zu Zeit Auszüge daraus weil der Mann eine Angst vor M arx & mir hat, & weil noch ein andrer Mann dabei ist, der Deutsch kann & solche Sachen hineinbringt. Dabei bringt das Blatt gern allerlei Curiosa, die die andern nicht haben. Du verpflichtest mich wenn Du meinen Volksst. nicht mehr nach Manchester, sondern hieher schickst. Von den Nummern mit der Adresse schick mir 3–4 Exemplare, einen zur Correktur, den Rest zur Vertheilung. Beste Grüße an Dich & die Deinigen Dein F. E.