3 August, 1870 Dear Fred, Eben — 7 Uhr Abends — hat mich der unglückliche Oswald verlassen u., obgleich zu spät für Post, schreibe ich das Zeug nieder, da ich nicht weiß, welche Abhaltung morgen dazwischen kommen kann. Xxx (?) Der Kerl, der mit Blind war, war Prof. Goldstücker , von jeher Nationalliberaler. Die Scene ward sehr heftig. Stud iosus Blind log so xx sogar , daß Dr. Jacobi auf seiner Seite (dieß für die gegenwärtigen Franzosen.) Als die Burschen abzogen, gaben sie zu verstehn, daß Oswald von Bonaparte „ gekauft “ sei, nicht literally, aber durch Insinuation. Dieß warf den poor Oswald in Krämpfe. Deßwegen kam er zu mir. Ich solle unterschreiben, to back him. Otherwise, his position in London would be dangerously damaged. Er brachte d ie Adresse im Druck (blosse Korrekturprobe) mit. Ich wiederholte ihm d’abord alles was ich vorher gesagt. Ich las dann das Zeug — schwach, phrasenhaft und — aus Courtoisie gegen die F ran zosen, die mit ihm handeln, nicht einmal der defensive character d es war auf Seiten der Germans (ich sage nicht Prussia’s ) angedeutet. Ich schlug ihm dann vor, das ganze Ding zu unterlassen, da seine Wirkung doch „nicht groß“ sein könne, indem, wie ich ihm vorher, in Antwort auf seinen ersten Brief , bereits geschrieben, die Arbeiterkl a sse allein eine aktive Widerstandskraft gegen d en nationalen Schwindel bilde. Er erwiderte: D’abord hätten eine gewisse Anzahl F ran zosen bereits unterschrieben u. Louis Blanc erklärt, er wolle adheriren (wodurch er sich als nicht bei Verfassung d er Adresse betheiligt constituirt.) Zweitens: Veröffentliche er jezt nicht , so werde Blind Morgen in den deutschen Zeitungen herumschreiben, er habe d en Druck dieser hoch u. landesväterlichen landesverräterischen Adresse hintertrieben . Besser sei’s, die Sache zu drucken. Letzeres richtig. Ich muß sagen, daß mir der Junge dauerte. Ich sch gab also folgendes Ultimatum : Ich wolle adheriren (wie Louis Blanc nicht eigentlich subscribiren) auf folgende 2 Bedingungen: 1) daß als Note zu meinem Namen gedruckt wird: “I agree with the above address so far as its general sentiments coincide with the manifesto issued by the General Council of the ‘International Workingmen’s Association’ .” 2) daß eine Phrase, welche die den defensive character des war auf Seiten der Germans, wenn auch in d er bescheidensten u. diplomatischsten Weise andeutet, hineingesetzt wird. Dieß nahm er an. Morgen um 5 Uhr Abend wieder meeting bei ihm, wo ich hingehn werde. Darauf er: Ob Engels nicht unterzeichnen würde mit demselben Vorbehalt als ich? Ich sagte, es sei eine Londoner Adresse. Ich unterzeichne conditionell nur aus Höflichkeit gegen ihn u. ganz wider mein kritisches Bewußtsein. Ich sähe absolut nicht, warum ausser mir auch Du Dich noch compromittiren solltest, weil Oswald den Fehler begangen, Exstudiosum Blind überhaupt zu dieser Affaire zuzuziehn. Dabei blieb’s. Ich hatte übrigens seit Sonntag brieflich Oswald auf ein andres Blind sches Manœuvre aufmerksam gemacht . Ich las nämlich im Rappel Artikel Correspondenz (ausnahmsweis rationell) v on F ran kfurt, worin d er Verfasser , für einen F ran zosen sehr antichauvinistisch. Doch bemerkt er gegen die D eu tschen: Die Frankfurter Zeitung habe eine Londoner Correspondenz gedruckt, wonach d ie „fzs. Republik. zu London d xx (?) alle bekannten deutschen Republikaner zu sa (?) einluden zu einem gemeinsamen Xxx (?) Protest contre cette guerre napoléonienne . Die deutschen Republikaner hätten versagt, weil der Krieg auf preussischer Seite defensiv sei.” Dieß Machwerk des Exstudiosus, der stets von, zu, für, u. über K. Blind u. dessen Heldenthaten schreibt. Die Pall Mall Administration schickte mir gestern check für 2½ Guineas für den 1. Article on war (during July) mit dem Bemerken, daß die alle Correspondenten stets Ende d es Monats bezahlt werden Die jüngere branche d er family Marx, consisting of the ferocious girl and the illustrious W illiams have declared “they should seize upon these first spoils of war as due to them for brokerage”. Wenn Du Protest einlegst, muß es bei der energischen Natur dieser „Neutralen“ bald geschehn. Ich lege Dir Ausschnitt aus der gestrigen Pall Mall bei, worin sie gegen d en Plagiarismus der Times protestiren protestirt . Dauert der Krieg a certain time, so wirst Du bald als erste militairische Autorität in London anerkannt sein. Trotz aller Drawbacks hat die Pall Mall zwei drei Vortheile: 1) Sie ist unter d en respektablen Blättern das einzige, was eine gewisse Opposition wider Rußland macht. Dieß kann im Fortgang des Kriegs wichtig werden. 2) Als gentlemen’s paper par excellence ist sie tonangebend in allen, namentlich aber auch den militairischen Clubs . 3) Sie ist das einzige nicht venale Blatt in London. A Propos. Kaufe Dir d ie letzte London Illustrated News wegen des Porträts des Hallunken Brunnow . In s einem Gesicht wirst Du die russische Diplomatie inkarnirt finden. By the by. Disraeli kam aus mit d er lächerlichen Garantie pr eussisch Sachsens für Preussen durch d ie Wiener Verträge u. stüzt darauf Allianz zwischen Engld u. Rußld. (Vergaß rechtzeitig, daß die Selbstständigkeit Polens als Bedingung dieser Garantie [von] Seiten Englands.) Dieß war nur feeler thrown out. Es ist aber in d er That der wirkliche Plan auch Gladstone ’s — engl. russ. Allianz . Hier müssen d ie English members d er International energisch einschreiten. Ich werde darüber an d en Council for next Tuesday Brief schicken. Die Belgier haben vorgeschlagen, den Cong re ß 5 Sept. in Amsterdam abzuhalten. Dieß d er Plan d es Herrn Bakunin . Der Kongreß würde hauptsächlich aus seinen tools bestehn. Ich habe dagegen vorgeschlagen: Appeal to all the sections whether they think not that, under present circumstances where the French and German delegates would be excluded from the Congress, power should be given to the General Congress Council 1) to postpone the Congess; 2) to enable the Council to convoke C. at the moment he it shall consider opportune. Dieß passirte. Sache um so nöthiger, da wir aus d er offnen Attaque auf uns in last Solidarité (auf Vorwand unsrer Schweitzer Entscheidung in d er Schweitzer Angelegenheit) sehn, daß Bakunin seine Vorsichtsmaßregeln für d en Amsterdamer Kong re ß fertig hat. Er hätte uns auf dem letzten Basler Cong re ß ohne das deutsche Element in d er Schweiz geschlagen. Lopatine hat Brighton, wo er fast vor Langweile starb, für London verlassen. Er ist d er einzig „solide“ Russ, den ich bis jezt kennen gelernt, u. das nationale Vorurtheil werde ich ihm bald aus d en Knochen schlagen. Von ihm erfuhr ich denn auch, daß Bakunin d as Gerücht verbreitet, ich sei ein Agent Bismarck ’s — mirabile dictu! Und, c’est vraiment drôle, denselben Abend (letzten Dienstag, gestern) theilte mir Ser r aillier mit, Châtelain , member of the French branch u. Spezialfreund Pyat ’s, habe sogar der French Branch in full sitting mitgetheilt, wie viel Bismarck mir gezahlt hat — nämlich 250,000 fcs. Dieß ist wenigstens, wenn man einerseits in d er fzs. Franken vorstellung steckt u. andrerseits d ie pr. Knickerei betrachtet, ein anständiger Anschlag ! Salut D KM