Karl Marx an Friedrich Engels
in Manchester

[London] 1. August 1870

In aller Eile.

Dear Fred,

Deine beiden letzten Artikel famos. Ich galoppirte gleich zur „Pall Mall". Da aber Greenwood nicht da, war nichts zu entscheiden. Doch kommt er vor 12 Uhr.

Ich schreibe ihm heute, daß Du die Artikel (I shall now name you) direkt schicken wirst.

Was die „Russen" betrifft, so werden sie finden, daß ich à Corsaire Corsaire et demi.

Die hiesige arist oligarchy wünscht englischen Krieg für Preussen. Nachdem sie 18 Jahre vor Bonaparte gekrochen u. ihn als saviour of rents u. profits gehörig vernutzt haben, denken sie nun in dem soliden Gottesfürchtigen monarchischen Preussen a more respectable and safer policeman of the Continent zu finden. Doch sollen sich die Kerls in Acht nehmen. Hier unter dem Volk schon die Parole allgemein: That damned German dynasty of ours wants for its family purposes to involve us in the continental war!

„Figaro" hier, von dem ich Dupont eine charakteristische Nummer gegeben, ist englisches Blatt der fzs. Gesandtschaft, gestiftet durch die fzs. Gesandtschaft.

Bismarck seinerseits hat gehörig aufgekauft unter der Londoner Presse, u. a. Lloyd's u. Reynolds'. Letztrer, in gestriger Nummer, verlangt dismemberment of France. Dieß Schwein ne ménage pas les transitions. Der Kerl, der von je auf die Germans geschimpft u. die Franzosen belobwedelt, plötzlich in Sorte Blind verwandelt.

Was diesen Burschen betrifft, so hofft er, durch patriotisches Geschrei u. die geräuschvolle „Suspendirung" seines Republikanismus auf dem Altar des Vaterlands als Deputirter für den nächsten Reichstag gewählt zu werden.

Oswald ließ mir keine Ruhe, bis ich gestern zum dritten anberaumten meeting kam. Ich war so vorsichtig, ¼ vor 11 (der festgesetzten Stunde) hinzugehn. Ich erklärte ihm, ich könne nicht unterzeichnen, 1) d'abord, weil ich schon die Adresse der International gezeichnet, 2) weil ich eine Privatadresse (i. e. nicht internationale) nicht ohne Dich zeichnen könne u. die Transaktion mit Dir allein sie die opportunity durch Zeitconsum verlieren lassen würde. In Zukunft, wenn die Gelegenheit sich biete, würden wir ihn u. Freunde einladen zur Internationale zu gemeinsamem Handeln.

Dann sagte ich ihm, sei noch ein zweites persönliches Moment. Wo Louis Blanc, sei sicher auch sein footman Karl Blind.

Er unterbrach mich: „Blind hat hier auf dem letzten meeting einen ganz chauvinistischen Wuthkrampf gespielt. Wir brauchen Sie gegen ihn."

„Ich kann mit diesem Subjekt nicht in einem Zimmer zusammenkommen u. erkläre Ihnen, daß wenn er kömmt, ich sofort Ihr Haus verlasse."

Ich war unten in dem nach der Strasse zuliegenden Studierzimmer Oswalds. Richtig! Mein eye glass späht von ferne den wichtigen Ex-studiosus, obgleich er seinen Kopf all over schwarz gefärbt, in Begleitung von zwei Mitbummlern. Oswald sagt, er werde sie einstweilen oben in das Drawing Room – das Conferenzzimmer – schicken.

Er schlägt mir dann vor: Er wolle oben erklären, ich sei da, u. habe erklärt, ich könne nicht mit Blind auch zusammentreffen. In other words, er wollte turn him out.

Ich sagte ihm, das gehe nicht. Er habe Blind eingeladen, nutzloser Skandal etc.

Nahm meinen Hut u. trennte mich freundschaftlichst von Oswald, der ein ganz anständiger Junge ist, obgleich er nicht das Pulver entdeckt hat.

Serraillier hatte auf meinen Antrieb dem Dupont derb über Mothet geschrieben, so derb, daß D[upont] beleidigt u. während 14 Tagen nicht an S[erraillier] briefstellerte.

Es ist mir lieb, wenn Du mir das Geld für die Seaside schickst. Ich wünschte schon diese Woche nach Brighton zu gehn. Weiter kann ich mich unter gegebnen Umständen nicht von London entfernen.

Salut.
Dein
K.M.

Du schickst also jetzt Deine Briefe direkt: Frederick Greenwood, Esq., Editor of the Pall Mall Gazette, 2 Northumberland Street, Strand, London.