12 Nov. 1869. Dear Fred, Diese Woche hat sich Einiges Bedenkliche in d er Achselhöhle d es linken Arms ( wie in Manchester ) u. auf d em Bein gezeigt. Sofort wieder Arsenik. Und ausserdem zwingt mich Tussy jezt jeden Tag nach 1 od. 2 Uhr spazieren // mit ihr längeren Spaziergang zu machen . Schließlich heute Flaneljacken unter d er Hand zum erstenmal eingeführt, da Verkältungen in diesem Zustand nicht angenehm. Du wunderst Dich über die Kühnheit der Franzosen u. sprichst somewhat sneeringly von uns braven Deutschen . Was wir riskiren, wirst Du aus der einliegenden Extravaganza ersehn. Freiligrath hat sich, seiner Gewohnheit gemäß, in Stuttgart wieder in ein paar Dutzend Formen photographiren, als Statue etc einrichten lassen. Das gelungenste Heiligenbild dieses Klassen-Kappelmann Heroen ist – verbotenus – eine Skizze, worin er als Löwe auf einem Kameel reitet. Dieß ist wohl ein Wischer für Heine ’s Kameel, das den Löwen besiegt . Liebknecht spaziert nächste Woche auf 3 Monate ins Gefängniß u. hat an Borkheim einen verzweifelten Geldtritt geschickt. Was mir bei den Franzosen bange macht, ist die verfluchte Confusion in den Köpfen. Ledru ’s Sendschreiben ist ganz das eines Prätendenten. Er scheint wirklich die ihm von Heinzen angetragne Dictatur über Frankreich au sérieux zu nehmen. Andrerseits ist die Zukunft so gütig, Herrn Acollas , den kein Mensch in Paris kennt, eine Stelle in der provisorischen Regierung anzutragen, weil er nämlich die Franzosen aufgefordert hat, statt der antiquirten Menschenu. citoyen-Rechte v. 1793 Herrn Dr. J. Jacoby ’s Programm zu acceptiren. Eine Hand wäscht die andre. Ich finde aber, daß old Jacoby selbst die ihm von sich selbst zudiktirte Rolle nicht ordentlich aufführt. Müßte er nicht, bei Gelegenheit des Hannoverschen Vorfalls die preussische Feldwebelregierung auffordern – da Preussen doch nun einmal ein „Militairstaat“ ist – auch die nutzlosen u. zugleich kostspieligen Decorationen, wie Kammern, Civilgerichte u nd d er g leichen in dxx Sx (?) // bei Seite zu legen? Das blos stumme Einhüllen in die Tiefe der eignen sittlichen Entrüstung lockt keinen Hund vom Ofen. Die Herrn Russen haben vor einiger Zeit – wie Borkheim in einer Moskauer Zeitung fand – eine Insel bei Korea zum Zeitvertreiben verschossen. Kein Wort davon in d en englischen Blättern. Wenn das so fortgeht, werden diese Herrn bald im Besitz von Japan sein. Sehr schön waren die lezten Meetings in Irland, wo die Pfaffen beim Kragen gepackt u. von der Rednerbühne entfernt wurden. Statt des Programms über Irland, wozu kein rechter Anlaß, habe ich (um Resolutionen zu nehmen) für nächsten Dienstag auf die Tagesordnung setzen lassen: 1) Verfahren d es engl. Ministeriums in der irischen Amnestiefrage! 2) Die Stellung d er englisch. Arbeiterklasse zur irischen Frage. Salut D KM.