Manchester 4. Febr 1869 Lieber Emil So eben erhalte ich von der Mutter die traurige Nachricht, daß unsre liebe Marie Bartels am Montag Abend am Scharlachfieber gestorben ist. Die Nachricht hat mich tief bestürzt und ergriffen. Ich hatte sie, wie überhaupt Deine Kinder , mehr von klein auf heranwachsen sehn als die Kinder meiner übrigen Brüder & Schwestern , und dem entsprechend war auch meine Anhänglichkeit für sie lebhafter & wärmer; ich sah sie noch zuletzt auf ihrer Hochzeit wo sie so außerordentlich glücklich war & eine lange Reihe glücklicher Jahre vor sich sehen durfte, und jetzt ist dem Allen ein Ende gemacht! Wie muß Dir & Marien , wie dem armen Robert mit seinen zwei kleinen Kindern zu Muthe sein! Du & Marie, Ihr habt seit mehr als zwanzig Jahren eine solche Begünstigung des Glücks genossen, habt so wenig Gelegenheit gehabt, das Leben nach seiner tragischen Seite hin zu erproben, daß Euch ein solcher Schlag wie aus heiterm Himmel doppelt schwer treffen muß. In solchen Fällen helfen alle Trostreden nichts, man muß sich ausweinen wie ein Kind, bis die Zeit die Wunden vernarbt. Ich schreibe Dir auch nicht, um zu trösten, sondern nur weil ich weiß daß es wohlthut Beweise der Theilnahme von Denen zu empfangen von denen man sie erwarten darf. Und diese Theilnahme & dies Mitgefühl widme ich Euch, das könnt Ihr mir glauben, von ganzem Herzen. Grüße Marie , den armen Robert & alle Deine Kinder herzlich von mir. Von ganzem Herzen Dein Friedrich.