Engels an Marx

in London

[Manchester] 4. Juli 66

Lieber Mohr,

Inl. die andre Hälfte der Note. Leider kam mir Dein Telegramm nach 12 Uhr zu, so daß ich die erste Post nicht benutzen konnte.

Was sagst Du zu den Preußen? Die Ausbeutung der ersten Erfolge ist mit enormer Energie geschehen, & ohne diese Heftigkeit würde Benedek sich wahrscheinlich in aller Stille nach Olmütz abgezogen haben, aber er ist offenbar gestern zur Schlacht gezwungen worden & das Resultat konnte nach dem Vorgefallenen nicht zweifelhaft sein. Solch eine Entscheidungsschlacht in 8 Stunden abgemacht, ist noch nicht dagewesen; unter andern Umständen hätte sie 2 Tage gedauert. Aber das Zündnadelgewehr ist eine heillose Waffe & dann schlagen sich die Kerle wirklich mit einer Bravour die ich an solchen Friedenstruppen nie gesehen habe. Das Erstürmen von Positionen gleicht für den Vertheidiger die Überlegenheit des Angreifers in den Waffen wieder aus, & darin scheinen die Preußen auch sehr viel geleistet zu haben. Benedek mit seinem tiefen „Plan" stellt sich nicht nur als Esel sondern auch als Schlafmütze heraus. Wie schön hätte er die Kerls, mit hinreichenden Kräften, im Gebirg abfassen können!

Jedenfalls wird Bismarck nun versuchen sein deutsches Kaiserthum zu Stande zu bringen wozu Böhmen mit gehört das er den Oestreichern abnehmen & dadurch die Verbindung zwischen Schlesien & Baiern herstellen will. Er hat sich nämlich im Vertrage mit Italien „un territoire autrichien équivalant à la Vénétie" ausbedungen.

Berlin benimmt sich wieder mit bekannter Gemeinheit & hat am Ende gar gestern lauter Minister gewählt. Was werden unsre Fortschrittskamele jetzt sagen!

Hübsch ist die Komik im Nordwesten & wird jetzt wohl auch bald im Süden hübsch werden.

Die einzige Deckung gegen den Verrath den Bismarck mit Bonaparte eingefädelt hat ist die ganz unerwartete Größe der Erfolge. Es wird ihm da schwer werden viel abzutreten, & die Belgier werden wohl etwas herhalten müssen.

Beste Grüße an die ladies.

Dein
F. E.