An den Präsidenten der Vereinigten Staaten
Hrn. Andrew Johnson.

Herr Präsident!

Der Dämon der Sclaverei, welcher dem Süden die Waffen in die Hand gedrückt hatte, damit der „eigenthümlichen Einrichtung" (,,peculiar institution") die Oberherrschaft erkämpft werde, hat seinen Anbetern nicht die
ehrliche Niederlage in offenem Feld gegönnt. Was er mit Verrath begonnen, mußte er mit Infamie enden.

Wie Philipps II. Krieg für die Inquisition einen Gerard, so erzeugte des
Jefferson Davis Krieg für die Sclaverei einen Booth.
Wir verschmähen es, Worte der Trauer und des Abscheus zu drechseln,

während das Herz zweier Welten im Schmerz zusammenzuckt. Selbst die
Sykophanten, denen Jahr für Jahr und Tag für Tag die Sysiphusarbeit
oblag, Abraham Lincoln und die große Republik, der er vorstand, moralisch zu meucheln, sie blicken jetzt mit staunendem Grauen aufdiesen allgemeinen, gewaltigen Ausbruch des Volksgefühls und wetteifern mit einander, Rednerblumen auf sein offenes Grab zu streuen. Jetzt haben sie
endlich entdeckt, daß er ein Mann war, weder zu beugen vom Unglück,
noch zu blenden vom Glück; unaufhaltsam vorwärts drängend auf dem
Weg zum großen Ziel; niemals durch blinde Hast den Erfolg gefährdend;
langsam überlegend vor jedem Schritt, aber nie einen Schritt rückwärts
machend; durch keine Brandung der Volksgunst vorangerissen; durch
keine Ebbe des Staatsschatzes entmuthigt; Handlungen der Strenge durch
Milde des Herzens sänftigend; düstre Scenen der Leidenschaft durch ein
launiges Lächeln erleuchtend; sein Titanenwerk so bescheiden und einfach
verrichtend wie Herrscher von Gottesgnaden kleinliche Geschäfte mit dem

anspruchsvollen Pomp des Staatsceremoniels betreiben - mit Einem Wort,
Einer jener seltenen Männer, denen es gelingt groß zu werden, ohne daß
sie aufhören, gut zu sein. Ja, so bescheiden war dieser Mann, daß die Welt
ihn erst als Helden erkannte, nachdem er als Märtyrer gefallen war.

Neben einem solchen Führer zum zweiten Opfer für die höllischen Götter der Sclaverei auserlesen zu werden, war eine Ehre, die Hrn. Seward gebührte. Hatte er nicht zu einer Zeit allgemeiner Unklarheit und Unentschlossenheit die Scharfsicht, den „unabwendbaren Kampf vorherzusehen, und die Mannhaftigkeit, ihn vorherzusagen? Erwies er sich nicht in

den schwärzesten Stunden jenes Kampfes treu der Römerpflicht, niemals
zu verzweifeln an der Republik und ihren Sternen? Wir hoffen von ganzer
Seele, daß Er und sein Sohn binnen weniger als „neunzig Tagen" der Gesundheit, dem öffentlichen Leben und der wohlverdienten Ehre zurückgegeben werden.

Nach einem furchtbaren Bürgerkrieg, der aber, wenn wir seine ungeheure Ausdehnung und seine mächtigen Ziele ins Auge fassen, und ihn
mit den hundertjährigen, den dreißigjährigen, den dreiundzwanzigjährigen
Kriegen der alten Welt vergleichen, kaum „neunzig Tage" gedauert zu haben scheint - ist es, Hr. Präsident, Ihre Aufgabe geworden, durch das Gesetz zu entwurzeln, was das Schwert gefallt hat, dem schweren Werk des
staatlichen Umbaus und der gesellschaftlichen Neugeburt vorzustehen.
Das Bewußtsein Ihrer großen Mission wird Sie vor jedem Compromiß mit
der strengen Pflicht bewahren.

Sie werden niemals vergessen, daß das amerikanische Volk, um die neue
Aera der Emancipation der Arbeit einzuweisen, zwei Söhnen der Arbeit
die Verantwortlichkeit der Leitung übertragen hat: erst Abraham Lincoln
und dann Andrew Johnson.

Im Namen und Auftrag der „internationalen Arbeiter-Association". Folgen die Unterschriften.