I Denunciation des Dr. Carl Marx zu London wider den Redacteur der Nationalzeitung, Dr. Zabel, hier, wegen öffentlicher, durch die Presse verübter, wiederholter Verleumdung.

An den königlichen Staatsanwalt beim Königlichen Stadtgericht, Herrn Grafen zur Lippe, Hochwohlgeboren, hier.

Nach Beendigung des bekannten Verleumdungsprozesses des ehemaligen Professors

Carl Vogt, jetzt zu Genf, wider die Augsburger Allgemeine Zeitung erschien eine

Schrift des Ersteren unter dem Titel „Mein Prozeß gegen die Allgemeine Zeitung". Im Anschluß an jenen Prozeß und an diese Schrift macht der Leitartikel der

ten

beiliegenden N» 37 der Nationalzeitung vom 22” Januar d. J. die politische Haltung

der „Allgemeinen Zeitung" zum Gegenstande der Besprechung, und ergeht sich hierbei vorzugsweise in einem Raisonnement gegen die Stellung und das Treiben einzelner Correspondenten jenes Blattes. In das Raisonnement sind einige, der erwähnten Vogtschen Schrift entnommene thatsächliche Behauptungen eingestreut. In diesem Leitartikel heißt es u. a. wörtlich:

„Unter dem Namen der Schwefelbande oder auch der Bürstenheimer war unter der Flüchtlingsschaft von 1849 eine Anzahl von Leuten bekannt, die Anfangs in der Schweiz, Frankreich und England zerstreut, sich allmälig in London sammelten und dort als ihr sichtbares Oberhaupt Herrn Marx verehrten. Politisches Prinzip dieser Gesellen war die .Diktatur des Proletariats' und mit diesem Blendwerk täuschte sie anfangs nicht nur manche der Besseren unter den Flüchtlingen, sondern auch die Arbeiter aus den Freischaaren des Willichschen Korps. Unter der Flüchtlingsschaft setzten sie das Werk der .Rheinischen Zeitung! fort, die 1849 von jeder Theilnahme an der Bewegung abmahnte, wie sie ja auch sämmtliche Parlaments-Mitglieder

beständig angriff, weü die Bewegung ja doch nur die Reichsverfassung und nicht die

prinzipielle Proletariats-Diktatur zum Inhalt habe. Eine furchtbare Zucht handhabte die Schwefelbande über ihre Anhänger. Wer von diesen auf irgend eine Weise sich ein bürgerliches Fortkommen zu sichern suchte, war schon dadurch, daß er sich unabhängig zu machen strebte, an und für sich ein Verräther an der Revolution, deren erneutes Ausbrechen jeden Augenblick erwartet werden und die dann ihre Soldaten bereit haben müsse, um sie in das Feld zu schicken. Zwietracht, Schlägereien, Duelle wurden unter dieser sorgfältig erhaltenen Klasse von Bummlern erzeugt durch

ausgestreute Gerüchte, Korrespondenzen u. s. w., einer verdächtigte den andern als Spion und Reaktionär, Mißtrauen bestand unter Allen wider Alle. Eine der Hauptbeschäftigungen der Schwefelbande war, Leute im Vaterlande so zu kompromittiren, daß sie Geld zahlen mußten damit die Bande das Geheimniß ohne Kompromittirung bewahre. Nicht einer, sondern Hunderte von Briefen wurden nach Deutschland geschrieben, daß man die Betheiligung an diesem oder jenem Akte der Revolution denunziren werde, wenn nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt eine gewisse Summe an eine bezeichnete Adresse gelange. Nach dem Grundsatz, ‚wer nicht unbedingt für uns ist, ist wider uns’, wurde jeder, der diesem Treiben entgegentrat, unter den Flüchtlingen nicht blos, sondern auch mittelst der Presse ,ruinirt'. Die .Proletarier' füllten die Spalten der reaktionären Presse in Deutschland mit ihren Angebereien gegen diejenigen Demokraten, welche ihnen nicht huldigten, sie wurden die Verbündeten der geheimen Polizei in Frankreich und Deutschland.” |

I Nachdem der Artikel als ein solches Mitglied der Schwefelbande, als ,,revolutionären Verführer der Arbeiter und zugleich als Verbündeter der geheimen Polizei, als Anstifter und Verräther des Geheimbundes" einen gewissen, im Pariser Kommunistenprozeß verurtheilten Cherval erwähnt, behauptet er weiter, ich hätte in einer 1853 erschienenen Schrift „alle Schuld an der Entdeckung des Geheimbundes auf die Dummheit der Partei Willich-Schapper geschoben, die meiner eigenen Partei in den Haaren gelegen habe". Demnächst bezeichnet der Artikel ein „notorisches Mitglied meiner Partei und einen meiner servilsten Anhänger", Liebknecht, als Correspondenten der Allgemeinen Zeitung und kommt dann endlich auf den Eingangs gedachten Prozeß Vogt's wider dieses Blatt zurück. Veranlassung zu dem Prozeß hatte nämlich, wie hier historisch bemerkt wird, der Abdruck einer anonymen Flugschrift „Zur Warnung" in der Allgemeinen Zeitung gegeben, in welcher Vogt beschuldigt wurde, bonapartistische Interessen zu begünstigen und für dieselben auf mancherlei Art, namentlich auch durch Bestechungsversuche, zu wirken. Nachdem nun Vogt — so erzählt der Artikel weiter — gegen die Allgemeine Zeitung Klage erhoben, habe „ein anderer Londoner Spießgeselle" (natürlich von mir, resp. meiner Partei), Namens Biscamp, an die Allgemeine || Zeitung geschrieben, daß er es, weil letztere von der inkriminirten Flugschrift zuerst durch das von ihm redigirte „Volk" unterrichtet worden sei, für seine Schuldigkeit halte, Alles aufzubieten, um der Redaktion Beweise für die Wahrheit der behaupteten Thatsachen zu verschaffen; und acht Tage später habe ich selbst der Allgemeinen Zeitung ein gerichtliches Dokument zum Beweise gegen Vogt angeboten.

Von diesem Dokument sollte, wie der Artikel ausdrücklich verspricht, „ein ander Mal die Rede sein".

Auf die Erfüllung dieses Versprechens ließ die Nationalzeitung ihre Leser nicht lange warten. Die hier angekündigte Besprechung findet sich in dem Leitartikel „Wie

man radikale Flugblätter macht", der ebenfalls beigefügten Ni 41 vom 25‘ Januar 40

d. J., welcher sich nach dem Gesagten als eine Erläuterung und Vervollständigung des Artikels in N°37 darstellt, und auch selbst wiederholt auf letzteren verweist. Dieser Artikel will, wie er sich ausdrückt „die Geschichte des Flugblattes ‚Zur Warnung’ an der Hand der von Vogt mitgetheilten Aktenstücke und Erläuterungen durchgehen", nachdem er bemerkt hat, daß der bekannte Carl Blind „mit Gewaltund

trotz seines nachdrücklichen und beharrlichen Widerspruchs zum Verfasser des genannten Flugblattes gestempelt werde", daß, warum und von wem dem Blind diese Autorschaft zu Unrecht aufgebürdet worden, wird dann folgendermaßen insinuirt: Es gebe unter den Flüchtlingen einzelne Persönlichkeiten, welche sich zur || Erhöhung ihres Anselms mit dem Namen eines Vereins, einer Gesellschaft, oder eines Bundes ausrüsteten. Dies gelte insbesondere von der Partei der ,,Proletarier" unter meiner Leitung. Hieran wird die Taktik und das Verfahren dieser Vereine, resp. Personen geknüpft, und dann heißt es wörtlich: „In dieser Art wurde 1852 eine Verschwörung der schändlichsten Art, mit massenhafter Verfertigung von falschem Papiergeld, (man sehe das Nähere bei Vogt) gegen die Schweizerischen Arbeitervereine eingefädelt, eine Verschwörung, welche den Schweizerischen Behörden die äußersten Unannehmlichkeiten bereitet haben würde, wenn sie nicht zur rechten Zeit entdeckt worden wäre. Diese Manöver begannen von Neuem mit dem Jahre 1859, und waren wirklich so weit gediehen, daß nach dem Friedensschluß von Villafranca auf Grund eines Artikels der Allgemeinen Zeitung beim Bundesrath eine vertrauliche Anfrage eines süddeutschen Gesandten erfolgte, worin dem vor kurzem gefeierten Centralfest des deutschen Arbeiter-Bildungsvereines ‚diejenige Bedeutung geliehen wurde, welche es nach den vereitelten Absichten der Schwefelbande hätte haben sollen'."

Weiter wird berichtet, daß im Mai vorigen Jahres von Biscamp in London die Zeitung „Das Volk" gegründet wurde, welche gleich mit den bekannten Verhöhnungen und Denunziationen der „Parlaments-Demokraten" in das Geschirr trat, und dazu bemerkt:

„Woher das Geld für das freigebig vertheilte Blatt kam, wissen die Götter; daß Marx und Biscamp kein überflüssiges Geld haben, wissen die Menschen." |

IIn diesem Blatte sei das anonyme Flugblatt „Zur Warnung" abgedruckt, und demnächst an die Allgemeine Zeitung abgesandt worden. Drei bis 4 Wochen nach dem Erscheinen des Flugblattes habe Blind seine Autorschaft an demselben in einem Schreiben an Julius Froebel in Abrede gestellt; als Autor werde er dreist und als ob es eine ausgemachte Sache wäre, zum ersten Male in Biscamp's Brief an die

Allg. Zeitung vom 20° October bezeichnet. Sodann heißt es wörtlich:

„Um für Blind's Autorschaft weiter zu plaidiren, schreibt am 29. Oktober Marx an die Allgemeine Zeitung: ‚Ich habe mir beifolgendes Dokument verschafft, weil Blind verweigerte für die Aeußerung einzustehen, die er mir und Anderen gegenüber gemacht.' Unter besagtem Dokument versteht Marx ein Zeugniß des Setzers Voegele, dessen Unterschrift wunderbarer Weise von Marx und Liebknecht beglaubigt' wird und wozu Liebknecht eben so wunderbar hinzufügt: ‚Wir wollten von dem Magistrat (?) unsere Unterschrift beglaubigen lassen, wurden aber beschieden, daß es vollständig überflüssig sei.’ Der Setzer Voegele sagt darin aus: er kenne Blind's Handschrift aus früheren Manuskripten; er habe selber den ersten Theil des Flugblatts in der Druckerei von Hollinger gesetzt und dieser selber den andern. Hollinger erklärt darauf am 2. November: daß das Flugblatt in seiner Druckerei gedruckt worden, oder daß Blind der Verfasser desselben heiße, sei eine böswillige Erdichtung, und sein Schriftsetzer Wiehe, der seit 11 Monaten bei ihm arbeitet, tritt dieser Erklärung bei. Marx, immer schlagfertig, antwortet in der Allgemeinen Zeitung am 15. November: ‚Hollingers Erklärung ist einfach lächerlich. Hollinger weiß, daß er das englische

Gesetz formell verletzte, als er das Flugblatt ohne Angabe des Druckorts herausgab.' Außerdem beruft sich Marx zu verschiedenen Malen darauf, daß Blind ihm mündlich vor dem Erscheinen des Flugblatts den Inhalt desselben mitgetheilt und daß Blind in einem Artikel der Free Press vom 27. Mai dasselbe geschrieben, was nachher im Flugblatt stand; Blind habe daher, wegen Uebereinstimmung in Inhalt und Form, de prime abord für den Verfasser gegolten.

Wo liegt nun die Wahrheit? Blind hat zwei Mal in der Allgemeinen Zeitung rund erklärt, daß er nicht der Verfasser sei; er sage dies nicht zur Entschuldigung Vogt's, mit dem er nicht übereinstimme, sondern nur nach der Marx-Liebknecht-Biscamp'schen Seite hin. Er erklärt zugleich, Biscamp in seinem Leben nicht gesehen zu haben, er ist offenbar kein Mitglied der engeren Partei Marx. Uns scheint, daß es für diese nicht allzu schwer war, ihn zum Sündenbock zu machen, und wenn die Anklagen gegen Vogt Gewicht haben sollten, so mußten sie nothwendig auf eine bestimmte Person zurückgeführt werden, welche dafür einzutreten hatte. Die Partei Marx konnte nun sehr leicht die Autorschaft des Flugblatts auf Blind wälzen, eben weil und nachdem dieser im Gespräch mit Marx und in dem Artikel der ‚Free Press’ sich in ähnlichem Sinne geäußert hatte; mit Benutzung dieser Blindschen Aussagen und Redewendungen konnte das Flugblatt geschmiedet werden, so daß es wie sein Fabrikat aussah."

Durch diese beiden Artikel hat sich die Nationalzeitung mehrfacher Verleumdüngen im Sinne des $ 156 St.G.B. gegen mich schuldig gemacht. Abgesehen von dem allgemeinen Charakter der Gehässigkeit, der sich in beiden Artikeln kund giebt, und dem deutlich hervortretenden Streben, meine Moralität, mein Thun und Lassen zu verdächtigen und so meine Ehre in der öffentlichen Meinung herabzusetzen, werden mir darin folgende bestimmte Thatsachen zum Vorwurf gemacht:

1, daß ich nicht nur auf unehrenhafte, sondern sogar auf verbrecherische Weise Geld erwerbe oder erworben habe.

Inhalts des Artikels in Ks 37 beschäftigte sich die angeblich unter meiner Direktion stehende Partei (Schwefelbande, Bürstenheimer, Proletarier, Partei Marx, MarxLiebknecht-Biscampsche Sekte, wie sie variierend in beiden Artikeln genannt wird) hauptsächlich damit || Leute im Vaterlande so zu kompromittiren, daß sie Geld zahlen mußten, damit die Leute das Geheimniß ohne Kompromittirung bewahren.

„Hunderte von Briefen — heißt es in dem Artikel — wurden nach Deutschland geschrieben, daß man die Betheiligung an diesem oder jenem Akte der Revolution denunziren würde, wenn nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkte eine gewisse Summe an eine bezeichnete Adresse gelangt." Während also hier den Mitgliedern dieser Partei Handlungen zur Last gelegt werden, welche, wenn sie nicht den Thatbestand der Erpressung bilden, so doch als im höchsten Grade verwerflich erscheinen müssen, geht der Artikel in Ni 41 noch weiter, insofern er von dieser meiner Partei — sie ist kurz vorher speciell als diejenige genannt, welche besonders die dort beschriebene „Taktik" beobachtet habe — ohne Weiteres behauptet, sie habe 1852 eine Verschwörung der schändlichsten Art unter massenhafter Verfertigung von falschem Papiergeld eingefädelt. Es wird ihr also direkt das Verbrechen der Münzfälschung zur Last gelegt. Diese Manöver — fährt der Artikel fort — begannen von Neuem mit dem Jahre 1859. Zu den früher erzählten „Manövern" gehörte auch die massenhafte

Verfertigung von falschem Papiergeld, es sollen also auch im Jahre 1859 Münzfälschungen begangen, und zwar — wie sich aus dem Schlüsse dieses Satzes ergiebt, welcher „von den vereitelten Absichten der Schwefelbande'' spricht — abermals von meiner Partei begangen worden sein. |

|Daß alles dasjenige, was der Schwefelbande, oder wie die Partei sonst genannt wird, vorgeworfen wird, auch in unmittelbarer Beziehung auf mich selbst, also von meiner Person behauptet wird, kann kein Unbefangener leugnen. Denn ich bin von vorn herein als das „sichtbare Oberhaupt" jener Bande hingestellt, der „in Napoleonischem Hochmuth auf seine geistige Ueberlegenheit die Fuchtel unter ihr

schwinge", und es versteht sich von selbst, daß alles, was von der Bande oder ihren

Mitgliedern ausgeht, unter der Aegide und der Sanction des Oberhaupts, zumal eines so gefürchteten und überlegenen, geschieht; ich bin überhaupt vollständig mit der Schwefelbande pp. identificirt, so daß sie hin und wieder ohne Weiteres als „Partei Marx" figurierte.

Der mir hiernach zur Last gelegte Gelderwerb mittels Erpressung und Münzfälschung wird dann endlich im Artikel MA dem Leser noch einmal in einer spitzen Redewendung in Erinnerung gebracht. Ich werde nämlich plötzlich mit dem von Biscamp redigirten „Volk" in Verbindung gebracht in den Worten:

Woher das Geld für das freigebig vertheilte Blatt kam, wissen die Götter ; daß Marx und Biscamp kein überflüssiges Geld hatten, wissen die Menschen.

Die Richtigkeit der letzteren Thatsache vorausgesetzt, bleibt dem Leser nichts übrig als die Meinung, daß das für das Blatt nothwendige Kapital von mir und Biscamp, dessen schon im ersten Artikel als meines Spießgesellen gedacht ist, auf eben die oder ähnliche Weise heran|(geschafft wurde, welche er schon früher kennen gelernt hat.

2, werde ich und die angeblich unter meiner Oberleitung stehenden „Proletarier" beschuldigt, die Demokraten, die uns nicht gehuldigt hätten, in der reaktionairen Presse denunzili zu haben, und die Verbündeten der geheimen Polizei in Frankreich und Deutschland geworden zu sein.

Es wird mir endlich in dem Artikel N»41 der Vorwurf gemacht: daß meine Partei oder, was dasselbe ist, ich das anonyme Flugblatt „Zur Warnung" geschmiedet, daß ich aber demnächst der Allgemeinen Zeitung gegenüber wider besseres Wissen nicht nur Blind als den Verfasser ausgegeben, sondern dies noch durch ein Dokument, von dessen unrichtigem Inhalt ich also überzeugt sein müßte, zu beweisen versucht habe.

Dies ist die ausgesprochene Ansicht des Artikels, welcher auch schon durch seine ironisirende Ueberschrift die Absicht verräth, mich in der angegebenen Weise zu verdächtigen. Es bedarf kaum der Bemerkung, daß alle diese Thatsachen, wenn sie wahr wären, mich in der öffentlichen Meinung dem Haß und der Verachtung aussetzen würden. Denn die zu 1. erwähnten sind, wenigstens zum Theil, strafbare, mit dem Verluste der bürgerlichen Ehrenrechte, bedrohte Handlungen. Ein geheimer Polizist, ein Verbündeter der geheimen Polizei, ist ohne Frage jedem, zu welcher politischen Partei er auch immer zähle, ein Gegenstand des Hasses und der Verachtung; zumal wenn, wie es im vorliegenden Falle von mir gelten soll, die zufällig erlangte Kenntniß demokratischer Gesinnungen und Handlungen Anderer durch ein

Bündniß mit der geheimen Polizei zu Gelderpressungen benutzt wird. Die Behauptungen zu 2. anlangend, so würde denjenigen, welcher mit grundlosen Beschuldigungen gegen einen Dritten (Vogt) auftritt, ebenso sehr der Haß seiner Mitbürger treffen, wie ihm ihre Verachtung gewiß wäre, wenn er nicht den Muth hätte, jene Beschuldigungen zu vertreten, sondern die Verantwortung dafür auf einen Andern 5 wälzen wollte.

Jene Thatsachen sind aber endlich, wie ich hiermit erkläre, unwahr. || Auf diese Erklärung dürfte ich mich beschränken und von dem Denunciaten den Beweis der Wahrheit der wider mich geschleuderten Behauptungen erwarten. So schwer nun aber auch der Beweis der Negative der Natur der Sache nach auch ist, so willich 10 dennoch versuchen, der Königlichen Staatsanwaltschaft und dem erkennenden Richter in Nachstehendem ein Material zu unterbreiten, welches nicht nur geeignet sein wird, denselben die Ueberzeugung zu verschaffen, daß alle mich betreffenden Anführungen in den incriminirten Artikeln wahrheitswidrig sind, sondern auch dazu dienen kann, den Charakter absichtlicher Entstellung, den sie verrathen, in das 15 gehörige Licht zu setzen.

I. Ich kam im Jahre 1849 nach London. London war der Sitz der Centraibehörde der damals unter dem Namen „Bund der Communisten" existirenden deutschen communistischen Gesellschaft. Schon im September 1850 trennte ich mich mit meinen Freunden von dieser durch Willich und Schapper geleiteten Centraibehörde, weil sich 20 dieselbe praktisch auf Revolutions- und Conspirationsmacherei einließ, während ich und meine Freunde nur diejenigen politischen und socialen Ideen verbreiten wollten, welche nach unserer Ueberzeugung die richtigen waren. Wir verlegten den Sitz der Centraibehörde nach Köln, und führten keine Correspondenz mehr mit irgend einem Theile des Continents außer Köln. Im Kölner Communistenprozeß ist nachgewiesen, 25 daß diese Correspondenz nichts Strafbares enthielt. Im Frühjahr 1851 begann || die Verhaftung einzelner Mitglieder der Kölner Gesellschaft, und sofort brachen wir alle

und jede Verbindung mit dem Continent ab. Ich correspondirte nur noch mit einem,

mir persönlich unbekannten, Freunde der Verhafteten, dem Deputirten zur Frankfurter Nationalversammlung, Bermbach, wegen der Vertheidigung. Mitte November 30 1852, nach Beendigung des Kölner Prozesses, erklärte ich mit Zustimmung meiner Freunde den „Bund der Communisten" für aufgelöst.

Zum Beweise überreiche ich einen von mir damals an meinen Freund Engels gerichteten Brief vom 19°" November 1852 mit den Poststempeln von London und Manchester, welchen Engels unter seinen alten Papieren wieder aufgefunden 35 hat.

Seit dieser Zeit habe ich weder einer geheimen, noch einer öffentlichen Gesellschaft angehört, und mich überhaupt von jeder Agitation fern gehalten.

Die Mittel für meine Existenz lieferte mir bis zur Stunde meine litterarische Thätigkeit, die theils wissenschaftlicher, theils publicistischer Natur ist. Was nament- 40 lieh letztere anlangt, so bin ich seit 1851 beständiger Mitarbeiter des ersten englischamerikanischen Blattes, der New-York-Tribune, welcher ich ebensowohl Correspondenzen wie Leitartikel liefere. Es zählt an 200000 Abonnenten, und honorirt demgemäß. Ich bin ferner seit mehreren Jahren Mitarbeiter an der von Herrn Dana,

einem der Redacteure der New-York-Tribune herausgegebenen „Cyclopaedia Americana". |

I Ich überreiche zum Beweise einen an mich gerichteten Brief des Redacteurs Dana d.d. New York den 8. März 1860 (nebst Uebersetzung), aus welchem sich zugleich der Ernst und die Wahrhaftigkeit meiner Thätigkeit auf diesem Gebiete ergiebt.

Das einzige deutsche Blatt, für welches ich während meines Exils geschrieben, war die „Neue Oderzeitung" ; die Correspondenz dauerte etwa vom Januar bis Juli 1855.

Aber weder ich, noch irgend eine Person, welche in näherer Verbindung mit mir gestanden, hat jemals eine Zeile, privatim oder in der Presse, nach Deutschland oder anderswohin geschrieben, welche eine Gelderpressung, eine Drohung, eine Angeberei enthielt; und obwohl die demokratische Emigration die deutsche Presse Jahre lang und systematisch mit albernen Klatschereien gegen mich füllte, hielt ich es nie der Mühe werth, darauf zu antworten. Daß insbesondere die „Neue Oderzeitung" keine Drohungen und Angebereien meinerseits enthielten, ja daß darin der ae -

i 5 mokratischen Emigration überhaupt nie erwähnt wurde, werden die Nummern der-

selben aus dem oben bezeichneten Zeitraum erweisen, und werden auch die damaligen Redacteure derselben, die Herren Dr. Eisner und Dr. Stein zu Breslau, bezeugen.

Denunciai wird daher die angeblich von mir und meiner ,,Partei" ausgegangenen Erpressungen ebenso wenig beweisen können, wie meine und meiner Partei Verbindungen II mit der geheimen Polizei.

Der noch jetzt in London bestehende deutsche Arbeiterbildungsverein hat bei Gelegenheit der Feier seines Stiftungsfestes vom 6°" Februar 1860 einstimmig erklärt, daß die mir von Vogt zur Last gelegte (und von der Nat. Zeit, reproducirte) Ausbeutung der deutschen Arbeiter und insbesondere dieses Vereins eine ungegründete Lüge sei.

Beweis: das beigefügte Affidavit (eidesstattliche Versicherung vor dem Friedensrichter) des Präsidenten des Vereins Georg Müller.

Ich bemerke hierzu, daß dieser Verein der einzige ist, welchem ich außer dem „Bunde der Communisten" seit meiner Ankunft in London angehörte, und daß ich Mitte September 1850 aus demselben schied, meinen Austritt auch in verschiedenen deutschen Blättern öffentlich anzeigte.

II. Noch viel weniger stand ich jemals oder stehe ich mit einem Verein, oder auch nur einer einzelnen Person in der Schweiz in Verbindung. Dessen ungeachtet macht mich die Nat. Zeit, zum „sichtbaren Oberhaupt" der Genfer Schwefelbande oder Bürstenheimer und identificirt mich vollständig mit ihren Mitgliedern und ihrem Treiben. Welche krasse Verleumdung hierin liegt, wird sich aus Nachstehendem ergeben: |

I „Schwefelbande" war der Name einer Gesellschaft junger deutscher Flüchtlinge, welche sich nach Beendigung der revolutionairen süddeutschen Bewegungen in den Jahren 1848 und 1849 zufällig in Genf zusammenfanden. Sie bestand ursprünglich aus folgenden Personen: Eduard Rosenblum, stud, med.; Max Cohnheim, Handlungsdiener; Korn, Chemiker und Apotheker; Becker, Ingenieur; Borkheim, Studiosus. Sie hatte weder politische, noch sociale, noch überhaupt ernste Zwecke; sie

war im eigentlichen Sinne des Wortes eine Gesellschaft lustiger Brüder, welche im Café de l'Europe in Genf hausten, ihre Zeit ausschließlich mit Kneipereien hinbrachten, und durch allerlei tolle und muthwülige Streiche die ungewohnten Beschwerden der Verbannung zu vergessen trachteten. Mitte 1850 wurden die Mitglieder dieser Gesellschaft, mit Ausnahme Korn's, aus Genf ausgewiesen, und zerstoben in alle vier Winde.

Ich bin niemals, weder Führer noch Mitglied dieser Bande gewesen; jaich kannte mit Ausnahme Becker's, den ich einmal auf dem Demokratenkongreß zu Köln 1848 gesehen hatte, nicht ein einziges ihrer Mitglieder, und ich hatte bis in die neueste Zeit überhaupt keine Kenntniß von der Existenz dieser Gesellschaft. Die vorstehenden Notizen verdanke ich allein dem oben genannten Borkheim, welcher gegenwärtig Vorsteher eines großen Geschäfts in der City von London (44, Mark-Lane) ist, und dessen Bekanntschaft ich erst vor Kurzem machte. |

|Mit den „Bürstenheimern" hat es folgende Bewandniß. Um dieselbe Zeit, zu welcher die „Schwefelbande" in Genf florirte, bestand dort ein Arbeiterbildungsverein, welchem auch verschiedene Flüchtlinge angehörten. Namentlich mit einem derselben, dem Dr. Dronke — jetzt Kaufmann zu Liverpool — gerieth ein gewisser Abt, welcher gegenwärtig Secretair des Bischofs von Freiburg ist, in Privathändel. Abt wurde in den Verein citirt, und dort namentlich von einem Bürsten macher Kamm und dessen Arbeiter SauernAeimer heftig angegriffen. Abt rächte sich dafür durch ein Pasquill, in welchem er dem Verein den Spottnamen „Bürstenheimer" beilegte, indem er die ersten Silben des Standes seines Feindes Kamm und die letzten Silben des Namens Sauernheimer zusammenstellte.

Weder mit mir noch mit der Londoner kommunistischen Gesellschaft hat dieser Verein jemals in irgend einer Verbindung gestanden, und von seinen früheren Mitgliedern ist der einzige Mensch, mit welchem ich seit meiner Ausweisung aus Preußen (1849) näher bekannt war, der schon oben genannte Dr. Dronke. |

I Hiernach ist es unwahr:

1, daß die „Schwefelbande" und die „Bürstenheimer" unter sich identisch sind;

2, daß diese Gesellschaften mit den zu London bestandenen kommunistischen Parteien identisch sind oder mit denselben auch nur in der entferntesten Verbindung gestanden haben;

3, daß diese Gesellschaften unter meiner Leitung gestanden oder daß ich überhaupt ihnen angehört, sowie daß ich als Oberhaupt derselben an den in der Nationalzeitung angegebenen verbrecherischen Zwecken — welche übrigens nach obigen Mittheihingen die genannten Genfer Vereine nicht verfolgten — betheiligt bin.

III. Der Artikel in M 37 der Nat. Zeit, erwähnt den im Communistenprozeß verurtheilten Cherval in einer Weise, welche deutlich durchblicken läßt, daß dieser Mensch mein und „meiner Partei" Verbündeter gewesen sei.

Denunciai konnte und mußte aber gerade aus meiner von ihm citirten Schrift „Enthüllungen über den Communistenprozeß zu Köln" sowie aus den ausführlichen Berichten, welche damals die bedeutendsten deutschen Blätter über diesen Prozeß enthielten, das direkte Gegentheil wissen, daß nämlich ich es war, welcher während des Prozesses durch Vermittlung der f ungjrenden Vertheidiger den Cherval als einen

Verbündeten der Polizei denunzirte, daß er als solcher auch im Prozesse entlarvt wurde, und daß nach der Aussage des Polizeidirektors Stieber Cherval schon 1851 einer mir feindlichen Gesellschaft an||gehörte. Der Sachverhalt ist folgender:

Der wahre Name Cherval's ist Kraemer. Er wurde im Jahre 1847 von einem Arbeiter in die deutsche Arbeitergesellschaft „Bund" zu London eingeführt. Daher rührte seine Bekanntschaft mit Carl Schapper. Demnächst ging er nach Deutschland, wo er, ohne daß Schapper oder der Verein dies wußten, als Agent der preußischen geheimen Polizei fungirte. 1851 findet er sich in Paris, korrespondirte nach wie vor mit dem „Bund" in London, stand aber zugleich im Dienste der französischen Geheimpolizei. Damals wurde er im Pariser Communistenprozeß verurtheilt. Er entkam indeß sehr bald aus dem Gef ängniß, ging im Herbst 1852 wieder nach London, besuchte den unter Willich und Schapper dort bestehenden „Arbeiterbildungsverein", wurde aber aus demselben öffentlich ausgestoßen. Von da begab er sich nach Genf, und spielte dort den Engländer unter dem abermals falschen Namen „Nugent". Dort suchte er einen geheimen Bund zu stiften mit dem erklärten Zwecke: Durch Reproduktion von Staatspapieren den Credit der Staaten zu vernichten und mit dem dabei zu gewinnenden Gelde eine europäische Revolution ins Werk zu setzen. Er wurde indeß entdeckt und verschwand, noch ehe die Genfer Polizei seiner habhaft werden konnte.

Ich habe mit diesem elenden Subjekte, wie ich wohl kaum zu versichern || brauche, niemals in Verbindung gestanden, auch hat er nie einer Partei angehört, zu welcher ich mich zählte. Wohl aber gebührt mir das Verdienst, ihn zuerst erkannt und entlarvt zu haben. Sein zwiefacher Charakter als preußischer und als bonapartistischer Polizeispion ist in den Verhandlungen des Kölner Communistenprozesses vollständig erwiesen worden. Es gelang dies namentlich durch diejenigen Mittheilungen, welche ich den dortigen Advokaten, besonders dem Advokaten Schneider II, zugehen ließ. Letzterer wird bezeugen können, daß ich in einem Briefe, welchen ich schon unter dem 28°“ October 1852 an Friedrich Engels zu Manchester schrieb, den Cherval als Polizeispion bezeichnete. Diese meine Ueberzeugung stützte sich auf seine wunderbare Flucht aus dem Pariser Gefängnisse gleich nach seiner Verurtheilung, auf seinen ungestörten Aufenthalt in London, obgleich er ein gemeiner Verbrecher war, und auf eine mir von dem ehemaligen Minister oder Deputirten unter Louis Philipp, Herrn von Remusat, mitgetheilten Notiz, daß Cherval sich ihm als Agenten für die Prinzen von Orl&ans angeboten habe.

In meinen „Enthüllungen über den Communistenprozeß" habe ich denn auch Cherval nach Verdienst gewürdigt. |

|Meine Angaben in Betreff seines Verhältnisses zum Arbeitervereine und meiner Bekanntschaft mit ihm finden ihre Bestätigung in dem beiliegenden Affidavit von Carl Schapper. Ueber sein Treiben in Genf als Engländer Nugent würde der Kaufmann

Johann Philipp Becker zu Paris, 22 rue Tessaint à la Chapelle, hinreichende Auskunft

geben können.

Sonach charakterisirt sich die Insinuation der Nationalzeitung rücksichtlich meiner Verbindung mit Cherval, mit der massenhaften Verfertigung von falschem Papiergeld in der Schweiz und mit der geheimen Polizei als bewußte, mindestens aber als höchst fahrlässige Verleumdung.

Das Gleiche gilt aber

Klageschnift gegen den Redakteur der ,,National-Zeitung"

IV. Von meinen angeblichen Beziehungen zu Biscamp und dem von ihm redigirten „Volk". Im Jahre 1859 nahmen unter den Flüchtlingen bonapartistische Umtriebe, insbesondere auch gegen Deutschland, überhand. Ich und viele Andere, die sonst mit meinen Ansichten nicht übereinstimmten, hielten es für angemessen, diesen Umtrieben entgegenzuwirken. Zu diesem Zwecke gründete Biscamp im FrüHing 1859 das „Volk" — ein Blatt, welchem ich übrigens ursprünglich eben so fern stand wie dem Unternehmer selbst. Vogt selbst citirt in seinem Buch (Seite 41 der Dokumente, die den Anhang bilden) folgende editorische Notiz aus „Das Volk" vom II**Juni 1859: I „Wir haben die Genugthuung, unseren Lesern mittheilen zu können, daß K.Marx, Fr.Engels, Ferd.Freiligrath, W.Wolff, H.Heise entschlossen sind, dem ‚Volk' ihre Unterstützung zu gewähren."

Bis Mitte Juni also hatte ich dem Blatte überhaupt noch keine Unterstützung gewährt, und seine Verhältnisse bis zu dieser Zeit gehen mich nichts an. Biscamp selbst hat in der Beilage zu Nb 46 der Allg.Zeit. vom 15" Februar 1860 erklärt:

„Mein ganzer politischer Zusammenhang mit Herrn Marx beschränkt sich auf wenige journalistische Beiträge, die er für das von mir gegründete ‚Volk' lieferte."

Was insbesondere die finanzielle Seite des Unternehmens anlangt, so ist darüber folgendes zu bemerken: Biscamp, der damals vom Unterrichtgeben in London lebte, redigirte das Blatt stets gratis. Ebenso gaben alle Mitarbeiter vom ersten Erscheinen

des Blattes bis zum Untergange desselben ihre Beiträge gratis. Die einzigen Unkosten 20

waren die Druck- und Expeditionskosten — welche allerdings immer bedeutend den Ertrag des Blattes überstiegen. Bevor ich daran mitwirkte, wurden die Ausfälle durch öffentliche Sammlungen unter den Deutschen in London gedeckt. Später verschaffte ich 25 Pfund Sterling, welche ausschließlich theils aus meinen eigenen Mitteln, theils aus Beiträgen der praktischen Aerzte, Dr. Borchardt, Dr. Gumpert, Dr. Heckscher, des Lehrers Wilhelm Wolff und des Kaufmanns Friedrich Engels, sämtlich zu Manchester, zusammengeschossen waren.

Ich habe die Richtigkeit dieser Angaben in meinem beiliegenden Affidavit d. d. Manchester, 29. Febr. 1860 erhärtet. |

I Beim Eingehen des Blattes war eine Schuld, wie ich glaube, von 8 £.St. vorhanden, 30

für welche Biscamp verantwortlich ist, und über welche er dem Drucker Hollinger einen Schuldschein ausgestellt hat.

So steht denn also das „Volk" außer aller Verbindung mit der geheimen Polizei und mit „meiner und meiner Partei" Erpressungen und Münzfälschungen, und es

wissen nicht nur die Götter, sondern auch die Menschen, woher das Geld für das Blatt 35

kam, nachdem sie erfahren haben, daß ich und andere Leute doch wohl einiges „überflüssiges" und sogar „redlich erworbenes" Geld hatten, welches sie dem antibonapartistischen Zwecke des Blattes gern opferten.

Was endlich

V. Das Flugblatt „Zur Warnung" und meine Correspondenz mit der Allg. Zeit, in dieser Angelegenheit betrifft, so mögen folgende Bemerkungen hier eine Stelle finden: |

I Am 9*" Mai 1859, bei Gelegenheit eines von David Urquhart abgehaltenen öffentlichen Meetings, erzählte mir Carl Blind sämmitliche, im Flugblatt „Zur Warnung"

später (— dasselbe erschien erst im folgenden Juni —) wiederholten Anklagen gegen Vogt, und versicherte mir, die Beweise dafür seien in seiner Hand.

Ich bemerke hierbei, daß ich und meine Freunde zwar von der Nothwendigkeit eines freien und selbstständigen Italien — wofür ich schon in der 1848 von mir redigirten „Neuen Rheinischen Zeitung" gekämpft hatte — durchdrungen waren. Dagegen hielten wir den damals von Napoleon, im geheimen Einverständnisse mit Rußland, begonnenen italienischen [Krieg] für einen Vorwand, um Deutschland zu ruiniren. Es ist schon oben gesagt, daß dies gerade der Hauptzweck war, welcher das von Biscamp gegründete „Volk" ins Leben rief.

Ich legte damals kein großes Gewicht auf Blind's Mittheilungen, weil ich ohnedies aus anderen Gründen längst die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß Vogt bonapartistischer Agent sei.

Einige Tage darauf wurde Biscamp, mit dem ich bis dahin in gar keiner persönlichen oder politischen Verbindung gestanden hatte, durch Liebknecht bei mir eingeführt. Er ersuchte mich um litterarische und pecuniäre Unterstützung für das „Volk". Ich lehnte dies vorläufig ab. Während des Gesprächs erzählte ich Liebknecht in Biscamp's Gegenwart die Mittheilungen Blind's über Vogt — übrigens ohne alle Absicht. Biscamp || benutzte diese Mittheilungen zu einem in der N»2 seines „Volk" vom 14“"Mai 1859 enthaltenen und mit ihm allein gehörigen Zusätzen versehenen Artikel unter der Ueberschrift „Der Reichsregent (Vogt) als Verräther".

Später, ungefähr Mitte Juni, zu einer Zeit, wo ich mich in Manchester befand, erhielt Liebknecht von Hollinger selbst in dessen Druckerei den Correcturbogen des Flugblattes „Zur Warnung", dessen Manuscript, wie er vom Setzer Voegele erfuhr, Blind dem Hollinger zum Druck übergeben hatte. Liebknecht erkannte es sofort als

Reproduction der mir von Blind über Vogt mündlich gemachten Mittheilungen. Unter

diesen Umständen war er, wie jeder andere Unbefangene, vollständig befugt, Blind für den Verfasser desselben zu halten. Liebknecht, der seit lange Correspondent der Allg.Zeit. war, schickte der Letzteren daher das Correcturblatt zu; die Aug. Zeit, druckte es ab, und zog sich dadurch die Vogtsche Verleumdungsklage zu.

Zu diesem Schritt (von dem ich übrigens, da er in meiner Abwesenheit von London

geschah, nichts wußte) war Liebknecht um so mehr berechtigt, als er wußte, daß Blind, Vogt's Ankläger, von Vogt selbst zur Theilnahme an der projektirten bonapartistischen Propaganda aufgefordert worden war, und es erschien als gebotene Pflicht, in öffentlichen Blättern und so viel verbreiteten, wie die Allg. Zeit., vor einem Menschen zu warnen, der es auf sich nahm, für alle, den bonapartistischen Plänen günstige Artikel in der deutschen Presse eine Prämie zu zahlen. Daß diese Vorwürfe gegen || Vogt begründet waren, dafür zeugt sein eigenes Geständniß in seinem Buch („Brief an Dr.Löning, Dokumente S.36"), sowie denn auch die Nat. Zeit, im incrirninirten Artikel der N°41 dies, freilich in sehr gewundener Weise, im Wesentlichen zugiebt. Ebenso zeigen die eigenen, in demselben Artikel reproducirten Erklärungen Blind's, so sehr dieselben auf Schrauben gestellt sind, sowie das von der Nat. Zeit selbst an das Verhalten Blind's geknüpfte Raisonnement deutlich, daß Blind wirklich nur solche Mittheilungen über Vogt gemacht hat, wie sie das Flugblatt „Zur Warnung" wiedergiebt.

Nachdem Vogt seine Klage gegen die Allg. Zeit, anhängig gemacht hatte, wandte

sich die Redaction derselben an Liebknecht und bat ihn um Beweise. Liebknecht wandte sich natürlich an mich, und ich verwies ihn an Blind, begleitete ihn auch auf seinen Wunsch nach dessen Wohnung. Wir fanden ihn dort nicht, und zwei von Liebknecht an ihn gerichtete Schreiben ließ er Wochen lang unbeantwortet. Endlich antwortete er in dem anliegenden Briefe vom 8°"Sept., daß er sich in diese „ihm gänzlich fremde Angelegenheit, an der er gar keinen Antheil habe" nicht zu mischen wünsche, und daß er über „im Privatgespräch vorgekommene Bemerkungen später einmal gelegentlich mündlich sprechen würde".

Liebknecht hatte auf Grund meiner Mittheilungen den Abdruck des Flugblattes „Zur Warnung" in der AUg. Zeit, veranlaßt; ich war deshalb moralisch verpflichtet, ihm auch die Beweise für die Richtigkeit seines Inhalts zu schaffen. || Der Beweis lag in Blinds Zeugniß; aber Blind wollte nicht sprechen. Ich erinnerte mich nun, in der Londoner „Free Press" vom 27 Mai einen anonymen Artikel „The Grand Duke Constantine to be King of Hungary" gelesen zu haben, welcher den wesentlichen Inhalt des Flugblatts „Zur Warnung" und der von Blind mündlich gegen mich gethanen Auesserungen enthielt, und welchen ich schon damals nach Stil und Inhalt als von Blind herrührend erkannt hatte. Ich ging deshalb mit Liebknecht zum verantwortlichen Herausgeber der „Free Press", Herrn Collet, welcher denn auch Blind als den Verfasser jenes Artikels bezeichnete.

Außerdem stellte mir der in Hollinger's Druckerei beschäftigte Setzer Voegele das, 20

später in der Allg. Zeit, veröffentlichte Zeugniß aus, dahin lautend: „Ich erkläre hiermit in Gegenwart von Dr. Carl Marx und Wilhelm Liebknecht, daß das unter dem Titel ‚Zur Warnung’ anonym und ohne Angabe des Druckorts herausgegebene Flugblatt, das in Xs7 des Volk’ abgedruckt wurde: 1, in der Druckerei des Fidelio Hollinger gesetzt und gedruckt ist, indem ich selbst einen Theil des Manuscripts, Hollinger den andern setzte; 2, daß es in der Handschrift von Carl Blind geschrieben war, die mir bekannt ist aus Manuscripten des Carl Blind für den ‚Hermann' und aus anonymen, von Carl Blind geschriebenen Flugschriften, die an dem angeblichen Druckort Frankfurt a/M., in der That aber bei F. Hollinger gesetzt und gedruckt sind; 3, daß F. Hollinger selbst den Carl Blind mir als Verfasser des gegen Prof. Vogt gerichteten Flugblatts ‚Zur Warnung’ bezeichnet hat. August Voegele, Setzer."

Liebknecht zeigte Blind nunmehr an, || daß er diese Beweise in Händen habe und forderte ihn auf, die zu seiner Verfügung stehenden Aufschlüsse zu geben. Aber weder vor noch während der Gerichtsverhandlungen in Augsburg brach Blind sein, offenbar systematisches Schweigen.

Unter diesen Umständen erklärte ich Liebknecht, ich sei bereit, wenn die Allg. Zeit, es schriftlich von mir verlange, ihr die in meinem Besitze befindliche Erklärung des Setzers Voegele zu überschicken. Das schriftliche Verlangen wurde in den beiden beiliegenden Schreiben des Redacteurs Orges an mich gesteht, und ich kam dem-

selben mittelst folgenden, von der Allg. Zeit. — mit der ich übrigens sonst nie 40

in die mindeste Verbindung getreten bin — ebenfalls veröffentlichten Schreibens

„Mein Herr! So lange ich eine Hand in der deutschen Presse hatte, habe ich die Allg. Zeit, angegriffen, und hat die Allg. Zeit, mich angegriffen. Dies hindert mich

natürlich keineswegs, der Allg. Zeit., so weit ich kann, behilflich zu sein in einem Fall, 45

worin sie meiner Ueberzeugung nach die erste Pflicht der Presse erfüllt hat, die der Denunciation von Humbugs. Das anliegende Dokument wire ein gerichtliches Dokument hier in London. Ich weiß nicht, ob es so in Augsburg ist. Ich habe mir besagtes Dokument verschafft, weil Blind verweigerte, für Auesserungen einzustehen, die er mir und andern gegenüber gemacht, die ich Liebknecht wieder erzählte, und die ihm kein Bedenken über die in dem anonymen Pamphlet enthaltene Denunciation erlaubte."

Die Gründe für mein Verhalten ergeben sich aus dem Gesagten, und ich darf erwarten, daß dasselbe Niemandem anders als ehrenhaft und pflichtmäßig erscheinen wird. Die Hauptsache für mich dabei war aber, Vogt und seine An||kliger einander auf einem Terrain gegenüberzustellen, wo die Angelegenheit zur Entscheidung kommen mußte, und dazu gehörte wesentlich den wirklichen Verfasser und den Veröffentlicher des Flugblattes aus ihrem Versteck herauszuziehen.

Dies gelang auch vollkommen, wie die weitere Geschichte dieses Streits beweist.

Denn in Antwort auf die vom Setzer Voegele abgegebene, oben citirte Erklärung erschien in N» 313 der Allg. Zeit, und in der Köln. Zeitung folgender Brief Blind's vom 3°" November 1859:

„Zur Abweisung der Angabe, als sei ich der Verfasser des Flugblatts ‚Zur Warnung’, veröffentliche ich folgende Dokumente. Dies nur zur Abwehr, nicht zur Rechtfertigung Vogt's, dessen Handlungsweise ich und meine Freunde von der republikanischen Partei, nach Allem, was uns seit einem halben Jahre bekannt wurde, unbedingt verurtheilen müssen. Bezeugen kann ich die Richtigkeit der von Herrn Julius Froebel gemachten Mittheüung, daß von Seiten Vogt's allerdings Geldanerbietungen hierher gelangten, um hiesige Deutsche zu bestimmen, in dem bekannten Sinne auf die vaterländische Presse einzuwirken."

Die diesem Schreiben beigefügten Dokumente lauteten:

a, „Ich erkläre hiermit die in N»300 der Allg. Zeit, enthaltene Behauptung des Setzers Voegele, als sei das dort erwähnte Flugblatt ‚Zur Warnung’ in meiner Druckerei gedruckt worden, oder als sei Herr Carl Blind der Urheber desselben, für eine böswillige Erdichtung. Fidelio Hollinger, 3 Litchfieldstreet, Soho, London, 2. Nov. 59."

b, „Der Unterzeichnete, der seit 11 Monaten in N»3 Litchfieldstreet wohnt und arbeitet, || giebt seinerseits Zeugniß für die Richtigkeit der Aussage des Herrn Hollinger. London, 2.Nov. 1859. J.F.Wiehe, Schriftsetzer."

Hiergegen veröffentlichte ich die in der Anlage (Ausschnitt aus der Beilage zur Allg. Zeit, vom 21" Nov. 59) abgedruckte Erklärung in der Allg. Zeit.

Gegen diese meine Erklärung gab Blind eine Entgegnung in der Allg. Zeit, vom 11. Dec. 1859, welche die Redaction im Wesentlichen dahin wiedergab: „Indem ich mich wiederholt auf die von dem Druckereibesitzer Herrn Hollinger und dem Schriftsetzer Wiehe gezeichneten Dokumente berufe, erkläre ich zum letzten Male die jetzt nur noch als Insinuation auftretende Unterstellung, als sei ich der Verfasser des oft erwähnten Flugblattes, für eine platte Unwahrheit. In den neueren Angaben über mich finden sich die gröbsten Entstellungen. Noch einmal: Dies nur als Abwehr gegen die Marx-Biscamp-Liebknechtsche Seite hin, nicht zur Rechtfertigung Vogt's, gegen den ich mich schon früher ausgesprochen."

Zugleich erklärte die Redaction den Schluß dieser Angelegenheit in ihren Spalten.

Demnächst erschien das Vogtsche Buch und die ihm nachbetende Nationalzeitung, in welchen mir, resp. meiner Partei die Autorschaft des Flugblatts beigemessen wurde. 5

In Folge dessen veröffentlichte ich das mit Uebersetzung beigefügte englische Circular an den Redacteur der „Free Press". Mein Zweck dabei war, Blind zu einer Injurienklage gegen mich zu veranlassen, und mir so die Gelegenheit zu verschaffen, in London die gerichtlichen Beweise über Druck und Urheberschaft des Flugblatts beizubringen, und den wirklichen Verfasser desselben zu zwingen, seine Ueberfüh- 10 rungsstücke gegen Vogt einem englischen Gerichts||hof vorzulegen.

Dies geschah nun zwar nicht; vielmehr wiederholte Blind in einer Erklärung in der Beilage zu N°44 der Allg. Zeit, vom 13'”Febr. 1860, daß er nicht der Verfasser des Flugblatts sei. Er rückte aber in dieser Erklärung zugleich mit einigen Argumenten dafür heraus, daß Vogt Agent der bonapartistischen Propaganda in London sei. 15

Inzwischen hatte ich mir die beiden, originaliter (mit Uebersetzung) beigefügten Affidavits von Voegele und von Wiehe verschafft. Durch diese eidesstattliche Erklärungen ist nachgewiesen:

1, daß meine Behauptung, das Flugblatt sei in der Setzerei Hollinger's gedruckt und von Bünd's Handschrift gewesen, wahr war. 20

2, daß die von Blind beigebrachten Zeugnisse von Hollinger und Wiehe falsch waren.

3, daß Blind und Hollinger eine, nach englischem Rechte kriminell strafbare conspiracy (Verschwörung) eingegangen waren, um falsche Zeugnisse gegen mich zu erhalten und mich in der öffentlichen Meinung als Lügner und Verleumder zu ver- 25 unglimpfen.

Ich schonte Beide aus Rücksicht für Blind's Familie. Indeß schickte ich diese beiden Affidavits in Abschrift an einige mit Blind verkehrende Flüchtlinge. Die unmittelbare Folge war die in der anliegenden Ks des „Daily Telegraph" vom 15°" Februar 1860 unter dem Titel „The Vogt Pamphlet" veröffentlichte Erklärung 30 eines Dr. med. Charles Schaible zu London, worin sich derselbe als Verfasser des Flugblatts bekennt, und für die darin enthaltenen Beschuldigungen gegen Vogt die Verantwortlichkeit auf sich nimmt.

Aus der vorstehenden, wahrheits||jgemäßen Sachdarstellung und den dafür beigebrachten Beweisen ergiebt sich: 35

1, daß ich oder meine Partei oder sonst jemand, der mit mir in Verbindung stand, nicht der Verfasser des Flugblatts war.

2, daß ich also nicht dasselbe nach Blind's Angaben „geschmiedet" und es nicht wider besseres Wissen als sein Fabrikat ausgegeben habe.

3, daß der Inhalt des von mir der Allg. Zeit, übersandten Dokuments — wonach es 40 in Hollinger's Druckerei auf Veranlassung Blind's gedruckt worden und wonach das Manuscript Blind's Handschrift war — durchaus wahr, während die entgegengesetzten Dokumente Blind's durchaus falsch waren.

An der Wahrheit dieser Thatsachen kann natürlich der Umstand, daß eine dritte Person der eigentliche Autor ist, nichts ändern. 45

Es ist daher bei diesem Punkt objektiv der Thatbestand der Verleumdung gegen die Nationalzeitung vollständig erwiesen.

Wie sehr sie aber auch die direkteste Absicht hatte, mich zu verleumden, geht daraus hervor, daß sie aus meiner Erwiderung auf Blind's erste Erklärung in der Allg. Zeit, nur aufnimmt: „Hollinger's Erklärung ist einfach lächerlich, Hollinger weiß, daß er das englische Gesetz formell verletzte, als er das Flugblatt ohne Angabe des Druckorts herausgab."

Dagegen den gleich folgenden Passus, der eine schlagende Thatsache enthält, ganz wegläßt, nämlich:

„Zufällig ist der Abdruck im ,Volk' abgezogen von dem Satz des Flugblatts, || der noch in Hollinger's Druckerei stand. So wäre selbst ohne Zeugenaussage, durch einfache Vergleichung zwischen dem Flugblatt und seinem Abdruck im ‚Volk' der Beweis gerichtlich zu liefern, daß ersteres aus der Druckerei des F. Hollinger hervorgegangen."

Nachdem ich im Vorstehenden die Voraussetzungen der von der Nat. Zeit, gegen mich verübten Verleumdungen nachgewiesen zu haben glaube, kann ich nicht umhin, noch auf die besondere Veranlassung aufmerksam zu machen, welche ich habe, gegen dieses Blatt Strafantrag zu formiren.

In dem Londoner Tageblatt „Daily Telegraph" vom 6°“ Februar 1860 erschien ein 2 Spalten langer Artikel unter der Aufschrift: „The Journalistic Auxiüaries of Austria” („Die journalistischen Helfershelfer Oesterreichs"). Ich lege die betreffende Nummer bei.

Dieser Artikel datirt formell von Frankfurt a/M, ist aber, wie die oberflächlichste Vergleichung zeigt, zum Theil bloße Paraphrase, zum Theü wörtliche Uebersetzung

der beiden mcriminirten Artikel der Nat. Zeit. Er macht mich und meine Freunde ganz

wie die Nat. Zeit, zum „Verbündeten der geheimen Polizei"; und der ganze Passus über die Schwefelbande, die Droh- und Erpressungsbriefe, meinen Zusammenhang mit Cherval's Falschmünzerei in der Schweiz u. s. w. ist wörtlich aus der Nat. Zeit, übersetzt.

Ich schrieb sofort an den Redacteur des „Daily Telegraph" und verlangte unter Androhung einer action for libel (Verleumdungsklage) Widerruf und Ehrenerklärung. Er antwortete: er habe meinen Brief an seinen Correspondenten in Deutschland || geschickt, und werde dessen Antwort abwarten. Diese Antwort erschien in der beiliegenden Nummer des „Daily Telegraph" vom 13‘ Februar 1860 (unter der Rubrik Germany), und lautet in der wörtlichen Uebersetzung wie folgt:

„Frankfurt a/M., d. 8°" Febr.

Ich werde kurz sein in meiner Abfertigung der Bemerkungen, die Dr. Marx in Antwort auf eins meiner Referate an Sie gerichtet hat. Er hat seinen Brief einfach falsch adressirt. Hätte der gelehrte Herr seine Bemerkungen an Dr. Vogt selbst gerichtet, oder an einen der hundert deutschen Redacteure, die das Buch des Dr. Vogt citirten, so würde sein Benehmen dem, was die Sache zu erheischen scheint, entsprochen haben. So aber läßt Dr. Marx die zahlreichen in seinem eigenen Vaterland gegen ihn erhobenen Anklagen unwiderlegt, und zieht es vor, seinen Aerger zu kühlen durch einen Angriff auf das einzige englische Blatt, das eine Angabe in seine Spalten aufnahm, die fast in jeder deutschen Stadt von irgend einiger Größe gedruckt und

wieder abgedruckt worden ist. Der gelehrte Herr scheint die Thatsache ganz zu vergessen, daß er nicht das geringste Recht hat sich zu beklagen über die Veröffentlichung eines Stücks unangenehmer Nachricht in einem englischen Blatt, so lange er es nicht für passend hält, die Urheber und Verbreiter des Unheils in seinem Vaterland zur Rechenschaft zu ziehen. Ich schließe diese Zeilen mit der Erklärung meiner Bereitwilligkeit, die Unwahrheit der in der bewußten Mittheilung enthaltenen Angaben zuzugestehen, sobald Dr. Marx die Welt von deren Falschheit überzeugt haben wird. Wenn er im Besitze der zu einem solchen Zwecke erforderlichen Beweise ist, kann nichts || leichter für ihn sein, als ein so wünschenswerthes Ding zu erreichen. Es sind mindestens 50 Städte zu seiner Verfügung, wo er Prozesse einzuleiten und die Redacteure zur gebührenden Strafe zu bringen haben wird. Wenn er diesen Weg nicht einzuschlagen beliebt, ist es nicht die Pflicht eines englischen Correspondenten, das zu widerrufen, was nicht er versichert hat, sondern nur wiederholt auf die unwidersprochene Autorität der respectabelsten Quellen."

Dieser Brief bedarf keines Commentars. Er ist die entschiedene Antwort des „Daily Telegraph", der mir jede Genugthuung versagt, bis ich die Quellen seines Correspondenten, dessen ,,respectable", dessen — wie nach obigen Angaben nicht bezweifelt werden kann — einzige Quelle, die Nat. Zeitung, zur Verantwortung gezogen habe.

Der Artikel des „Daily Telegraph" hat in London ungeheuren Skandal gemacht; ich verdanke ihn der Nat. Zeit. Ich bin es meiner Ehre, meiner bürgerlichen Existenz, meiner Familie schuldig, die auf mich wahrheitswidrig und böswillig gewälzte Last und Schande der Immoralität durch die richterliche Bestrafung meiner Verleumder von mir abzuthun, und ich trage deshalb auf Grund der §§ 156.163 St. G. B. und 537 des Pressgesetzes vom 22°“ 1851 an:

Den Denunciaten Dr. Zabel als verantwortlichen Redacteur der Nat. Zeit, wegen der gegen mich in den beiden Leitartikeln der N»37 vom 22°“ und der N»41 vom 25‘ Januar 1860 wiederholt verübten Verleumdungen zur Untersuchung und Bestrafung zu ziehen, mir auch das Recht zusprechen zu lassen, das ergehende Urteil durch die Nat. Zeit, und den in London erscheinenden „Daily Telegraph" auf Kosten des Denunciaten zu veröffentlichen. Den mitunterzeichneten Sachwalter habe ich durch die beiliegende Vollmacht zur Anbringung der Denunciation und Formirung des Straf antrages legitimirt, und wird derselbe auch bereit sein, jede etwa noch erforderliche Auskunft auf Grund der ihm von mir gegebenen Information zu ertheilen.

Blerlin], 15.4.1860 Dr. Carl Marx