[Offensive der Kontrerevolution und Sieg der Revolution]

["Neue Rheinische Zeitung" Nr. 294 vom 10. Mai 1849, Außerordentliche Beilage]

*
Köln
, 9. Mai. Die Kontrerevolution schreitet rasch, aber die Revolution schreitet noch rascher.

Hat die Kontrerevolution in
Dresden
Vorteile errungen, die ihren Sieg voraussehen lassen, hat sie in
Breslau
durch einen glücklich provozierten Putsch
Belagerungszustand
,
Zensur
und
Kriegsrecht
zustande gebracht, so hat die Revolution ganz andere Siege aufzuweisen.

Wir wollen nicht sprechen von der rasch wachsenden
offnen Landwehrrebellion
in Rheinpreußen, die gerade die schwarz-weißesten Bezirke ergriffen hat; wir wollen nicht sprechen von der süddeutschen Bewegung, die von den Regierungen, von der Bourgeoisie, von der Frankfurter Versammlung selbst an allen Ecken verraten wird; wir wollen bloß sprechen von jenen großen Tatsachen, die, von außen hereinbrechend, den kleinen, vereinzelten, verratenen und verkauften deutschen Bewegungen eine Einheit, einen kräftigen Halt gewähren können: von der magyarischen und der französischen Revolution.

Während die
magyarische Revolution
Siege über Siege erringt und nach der nächsten entscheidenden Schlacht (die am 5. oder 6. vor Preßburg stattgefunden haben muß) unmittelbar nach Wien rücken und Wien befreien wird - tritt plötzlich
Frankreich
wieder in die offene, am hellen Tageslicht sich entwickelnde Bewegung ein. Die unterirdische Entwicklung der letzten Monate hört auf; die Niederlage der französischen Armee vor Rom enthüllt und kompromittiert die ganze bisherige Regierung; das Volk erscheint wieder auf der Bühne - das Volk, der letzte, souveräne Richter; und sei es in den Wahlen,

sei es in der offenen Revolution, das französische Volk wird binnen kurzem der Bewegung einen Stoß geben, den ganz Europa spüren wird.

Die europäischen Dynasten werden es nur zu bald merken, daß das auserwählte Volk der Revolution noch das alte ist - die französische Revolution von 1849 wird sie statt mit Lamartineschen Phrasen mit Kanonen interpellieren.