Comite´ Sitzung vom 16. Oktober 1848.
Nr. 40, 22. Oktober 1848
Der provisorischePräsidentBürgerRöser erklärte, daß Dr. Marx auf die Bitte
der vom Vereine an Ihn abgesandten Deputation, sich an die Spitze unseres Vereines zu stellen, eingegangen, er ersuche Ihn daher seinen Platz einzunehmen.
Dr. Marx. Seine Stellung zu Köln sei prekär. Die Antwort, die er von dem5
Exminister Kühlwetter erhalten auf sein Renaturalisationsgesuch gleiche einem
versteckten Ausweisungsbefehl. Er würde dagegen allerdings Protest bei der Nationalversammlung einlegen. Andererseits sei er eines angeblichen Preßvergehens
wegen vor die Assisen verwiesen. Ueberdem sei er durch die einstweilige Zersprengung des Redaktionskomites der „Neuen Rheinischen Zeitung“ mit Arbeiten überhäuft. Nichtsdestoweniger sei er bereit provisorisch bis zur Freilassung
Dr. Gottschalks dem Wunsche der Arbeiter nachzukommen. Regierung und
Bourgeoisie müßten sich überzeugen, daß ihren Verfolgungen zum Trotz sich
immer Leute fänden, bereit sich den Arbeitern zur Verfügung zu stellen.
Dr. Marx spricht dann ausführlicher über die revolutionäre Wirksamkeit der
deutschen Arbeiter im Auslande und hebt schließlich die ausgezeichnete Rolle
hervor, die sie in der neuesten Wiener Revolution spielen. Er schlägt daher eine
Adresse an den Wiener Arbeiterverein vor. (Mit Acclamation angenommen.)
BürgerRöser stattete der Versammlung über die am 15. Oktober abgehaltene
Volksversammlung Bericht ab. (Vergl. darüber die vorige Nummer dieses Blat-20
tes.) Er stellte den Antrag, gegen das Gesetz, welches das Recht der Versammlung
im Freien der Polizeiwillkür preis giebt, zu protestiren.
Hierauf theilte er die Antwort auf die an den Generalprokurator gestellten
Fragen mit, bezüglich Dr. Gottschalks, Annekes und Essers: ob, wann und wo
dieselben vor die Assisen gestellt würden; warum Dr. Gottschalk und Anneke
noch immer verweigert würde zu conferiren, da doch höheren Orts die Erlaubniß
dazu ertheilt sei; ferner ob es der Frau Schapper nicht gestattet werden könne,
ihren Mann zweimal wöchentlich zu besuchen.
In Bezug auf Dr. Gottschalk, Anneke und Esser antwortete der Herr Generalprokurator, daß dieselben vom Anklagesenat hier vor die Assisen verwiesen

seien, und in Folge dessen eine außerordentliche Assisensitzung anberaumt sei,
welche am 27. Nov. d. J. stattfinden solle; jedoch stände es dem öffentlichenMinisterium frei, wenn es bei Verhandlung des Prozesses Unruhen befürchte, für
diesen Fall an den Cassationshof in Berlin zu berichten, um die Verhandlungen
vor einem anderweitigen Assisenhofe zu erwirken. Die Sache sei aber noch schwebend und wir sollen uns deshalb an den Oberprokurator verwenden, und beantragen, daß der Prozeß hier zu Köln verhandelt würde, indem wir uns für die
Ruhe und Ordnung verbürgten. (Welches am 18. d. geschehen ist.)
Daß Dr. Gottschalk und Anneke die Erlaubniß erhalten hätten zu conferiren,
sei ihm nicht bekannt.
Schließlich bemerkte B. Röser: da der Verein bereits das Comite beauftragt
hat, alle nöthigen Schritte für die Gefangenen zu thuen, so beantrage er, daß man
es dem Comite überlasse. (Angenommen.) Ferner beantragte er den Cassirer zu
beauftragen, daß noch fehlende Geld um Esser einen Freitisch im Arresthause zu
verschaffen vorzuschießen, welches durch freiwillige Beiträge ersetzt werden solle.
(Angenommen.)
Für den Kreisausschuß wurde B. Röser und Ross prov. gewählt.
B. Blum stellte den Antrag, daß der Verein aus seiner Mitte einen Deputirten
wählen soll, den demokraten Congreß in Berlin zu beschicken, und daß der Verein die deßfallsigen Kosten durch eine besondere Steuer decken soll. (Angenommen.)
Der Antrag des Präs. (die Geschäftsordnung betreffend) ging dahin, daß die
erste Stunde im Interesse der Gesellschaft, (d.h. über ihre inneren und auswärtigen Angelegenheiten) die zweite über soziale und politische Fragen diskutirt,
und die Sitzung um halb 9 Uhr eröffnet würde. Angenommen.
B. Heinzer erzählte der Gesellschaft, daß der Pfarrer aus Mauritius den Soldaten während dem Belagerungszustande 50 Thlr. geschenkt habe, wahrscheinlich um sie in der Unterdrückung der Freiheit zu ermuthigen; glaubte jedoch, daß
es in der Mauritius Pfarre nicht an armen Familien fehle, welche hülfsbedürftiger
seien als die Soldaten.
B. Nothjung stattete Bericht ab von der Deputation, welche nach Düsseldorf
abgeschickt worden.
Hierauf wurde die Versammlung geschlossen.
MonatlicheBeiträge 1 Thlr. 19 Sgr. freiwillige Beiträge 23 Sgr.
Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit. 35
Nr. 2, 29. Oktober 1848
General-Versammlung des Arbeiter-Vereines vom
22. October 1848.
Der Präsident Dr. Marx eröffnet die Sitzung mit einigen Bemerkungen über das
System der indirekten Wahl. 40
BürgerRöser. Wir haben eine Aufforderung erhalten, den am 26. dieses[ Monats] in Berlin stattfindenden demokratischen Congreß zu beschicken. Es entsteht

jedoch hierbei die Frage, ob der Arbeiter-Verein für sich allein oder in Verbindung mit dem demokratischen Vereine Jemand hinsenden solle. In der letzten
Comitesitzung ihres Vereines entschied man sich für das Erstere, nämlich selbständig zu handeln, jedoch bleibt dies der Genehmigung der Versammlung vorbehalten und ist bei Annahme desselben auch wesentlich der Kostenpunkt zu
berücksichtigen. Deßwegen stelle ich den Antrag:
Daß wir für uns allein einen Deputirten wählen und zur Deckung der Kosten
uns eine freiwillige Steuer auferlegen.
Der Antrag wird angenommen und als Minimum der Steuer einen 1 Sgr. festgesetzt.10
B. Keil. Es habe in Berlin schon einmal eine Versammlung stattgefunden, wo
der Arbeiter-Verein nicht vertreten war.
Der Verein, den man 7000 Mann stark angäbe, müsse jedoch selbständig vertreten sein, umsomehr als Cöln zum Bezirksort vom Central Comite ernannt sei.
B. Roß glaubt der Abgeordnete, der im Berliner Congresse zur Förderung der15
allgemeinen Grundsätze der Demokratie beizutragen habe, müsse beauftragt werden, sich an den Sitzungen der dortigen Arbeiter Vereine zu betheiligen, um speziel für unsere Sache handeln zu können.
B. Nothjung und Müller glauben, daß wenn ein Mann aus unserer Mitte nach
Berlin geschickt würde, um die Grundsätze der Demokratie zu vertreten, brauche
man ihm keine besonderen Instruktionen zu geben, er würde aus eigenem Antriebe alles Mögliche thun.
B. Beust schlägt im Auftrage von F. Anneke, gegenwärtig politischer Gefangener, den Abgeordneten Dr. D’Ester und den ehemaligen Lieutenant Valtin, die
sich beide in Berlin befinden, als Deputirte für den Congreß vor.
B. Müller spricht dagegen, daß Jemand anders als aus dem Arbeiter-Vereine
und der sich an dessen Sitzungen auch bis in die letzte Zeit betheiligt habe gewählt werde.
Es entspinnt sich eine Debatte darüber, ob alle Gegenwärtigen oder nur die
sich durch ihre Karte als Mitglieder des Arbeiter-Vereines ausweisen, mit abzu-30
stimmen hätten, welche auf den Antrag von B. Nothjung damit endet, daß alle
mitstimmen, da es von Seiten des Comite’s verabsäumt worden, auf der Einladung zur Versammlung ausdrücklich zu bemerken, daß die Karten mitzubringen
seien und deswegen wohl die meisten Anwesenden ihre Karten zu Hause gelassen
hätten.
Freiligrath erscheint in der Versammlung und wird mit einem allgemeinen anhaltenden Jubel empfangen. Er spricht seine Freude über den herzlichen Empfang aus, die nur durch das Vermissen so manches tüchtigen Gesinnungsgenossen
getrübt werde, die er jedoch bald wieder in unserer Mitte zu sehen die zuversichtliche Hoffnung hege.
Er bringt den politischen Gefangenen und von hier Geflüchteten ein dreimaliges Hoch, in welches die Versammlung einstimmt.
B. Beust wird als Deputirter zum Congreß in Berlin vorgeschlagen und gewählt.

Der Präsident Dr. Marx und Vice Präsident B. Röser werden als solche von
der Versammlung bestätigt.
Die Bürger Beust und Moll werden zur Ergänzung ins Comite und die B. Ross
und Röser in den Kreisausschuß gewählt.
Die Versammlung erklärte durch Acclamation, sich beim Vorkommen der Ge- 5
fangenen Dr. Gottschalk und Anneke, am hiesigen Assisenhofe für die Ruhe der
Stadt verbürgen zu wollen.
Die Sitzung wird geschlossen.
An Eintrittsgelder und freiwilligen Beiträgen gingen ein 32 Thlr. 18 Sgr. 6 Pfg.
Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit. 10
Nr. 6, 12. November 1848
Comite´ Sitzung des Arbeiter-Vereines vom
6. November 1848.
Nach Verlesung und Annahme des Protokolls der vorigen Sitzung stattet BürgerVogt im Namen der Commission Bericht ab, über die Revision und den Stand der 15
Casse.
B. Beust stattet einen kurzen Bericht ab, über das Wirken des demokratischen
Congresses in Berlin und bedauert, daß derselbe die auf ihn gestellten Erwartungen nicht ganz erfüllt habe, was durch die vielen Constitutionellen, die sich dort
eingefunden, herbeigeführt worden sei.
PräsidentDr. Marx macht eine kurze Mittheilung über die Ereignisse in Wien
und hebt namentlich hervor, wie es nur durch den vielfachen Verrath der dortigen
Bourgeoisie dem Windischgrätz möglich werden konnte, die Stadt zu nehmen.
B. Keil wünscht die Meinung der Versammlung darüber zu vernehmen, ob
man das für die nach Wien bestimmten Freischärler eingegangene Geld, jetzt den
Verwundeten und Hinterbliebenen daselbst übermachen solle.
Nach einer längeren Debatte hierüber, worin namentlich hervorgehoben wurde, daß die Uebersendung nach Wien, bei den jetzigen Zuständen daselbst nicht
auszuführen sei, ohne es vielleicht den Croaten in die Hände zu liefern, und man
das Geld auch hier gut anzuwenden vielleicht bald Gelegenheit finden dürfte, –
entschied sich die Gesellschaft dagegen.
B. Blum spricht von einer nach Niederkassel zu unternehmenden Reise, um
einem dortigen jungen Vereine beizuwohnen.
B. Röser sagt, daß die Geistlichkeit sich an verschiedenen Orten auf eine anmaßende, jedoch wahrhaft lächerliche Weise den Fortschrittsbestrebungen der 35
arbeitenden Klasse entgegensetze, und regt dadurch eine Debatte an, wodurch
deutlich gezeigt wird, wie wenig der gesunde kräftige Sinn unserer Arbeiter, auch
selbst von der Kanzel herab und einer früher so allmächtigen Geistlichkeit irre zu
leiten ist. Es wird von vielen Rednern hervorgehoben, daß es uns nicht eingefallen
wäre von der Geistlichkeit zu sprechen, wenn uns diese in Ruhe gelassen; daß
aber jetzt Stillschweigen nicht mehr geboten sei, nachdem sie uns von der Kanzel
her angegriffen habe. Man wolle von der Religion nichts sagen aber vor einem
Uebergreifen der Geistlichkeit müsse man sich verwahren.