Ungarn.
Nr. 233, 28. Februar 1849
* Neue Nachrichten vom Kriegsschauplatze fehlen gänzlich. Dagegen
treffen von allen Seiten Berichte ein, welche unsere gestrige Schilderung
der schlimmen Lage bestätigen, in welcher sich die Kaiserlichen überall
befinden, ausgenommen in dem durch russische Hülfe degagirten Siebenbürgen. Wir geben als Beweis unten eine Presburger Korrespondenz der
Breslauer Zeitung und den Schluß der „Mittheilungen eines Ungarn“ aus
der AllgemeinenOder-Zeitung.
Die Oestreicher haben sich ohne Zweifel nur schwer zu dem Appell an
die Russen entschlossen. Es ist sonnenklar, daß die russische Invasion
den panslavistischen Bewegungen der Czechen und Südslaven einen ganz
neuen Aufschwung geben muß. Diese Völkerstämme, seit lange gewohnt
zu dem Czaren als ihrem natürlichen Schutzherren und endlichen Befreier emporzublicken, erhalten jetzt einen schlagenden Beweis davon,
daß Oestreich weder die Kraft noch den Willen hat, ihnen nationale15
Entwicklung zu sichern; und jetzt zum ersten Male tritt der russische
Czar im entscheidenden Moment für sie handelnd auf und bewährt durch
die That die Hoffnungen, die sie auf ihn setzten. Wie früher den deutschen Serben, so beweist sich der Czar jetzt auch den östreichischen Serben, Kroaten, Czechen etc. gegenüber als Oberschirmherr der slavischen20
Nationalität. Und daß gerade die slavischen Nationalitätsgelüste der
östreichischen „Gesammtmonarchie“ ebenso gefährlich werden wie der
bewaffnete Widerstand der Magyaren, haben wir wiederholt gesehen.
Durch die russische Invasion nach Siebenbürgen hat der Czar einen
neuen Schritt zur Realisirung des Panslavismus gethan; er hat die Allianz25
der Russen und der östreichischen Slaven proklamirt und sich zum faktischen Souverain auch der östreichischen Slaven gemacht. Die andern
hat er ohnehin schon alle unter seiner Botmäßigkeit; die Polen sind seine

Knechte, die türkischen Slaven seine Vasallen; jetzt tritt er auch als
Schirmherr der östreichischen Slaven auf. Noch ein Schritt und Oestreich
verfällt vollends seiner Oberherrschaft, gerade wie die Türkei. Um diesen
Preis rettet die „Gesammtmonarchie“ sich auf einige Monate vor dem
Untergang durch die Revolution! 5
Die Serben haben in Mitrowitz im Banat auf einer Volksversammlung
den Patriarchen zum Oberhaupt ihrer Nation und Stratimirovich für einen Rebellen erklärt, und das Standrecht gegen alle Feinde des Kaisers
proklamirt. Der Patriarch, der in Temesvar mit Todorovich und den serbischen Abgeordneten die Angelegenheiten der Vojvodovina ordnet, soll
diese Beschlüsse bestätigen. Bei dem Gefecht von Arad ist der sehr populäre serbische Major Jovanovich in die Hände der Magyaren gefallen.
Daß die Magyaren in diesem Gefecht keineswegs so entschieden geschlagen wurden, wie die Bülletins behaupten, beweist Folgendes: Der
Patriarch bot dem magyarischen General Damjanich (der also, wie wir
zufällig erfahren, glücklich über Donau und Theiß bei der Banater Armee angekommen ist) die Auswechselung Jovanovichs gegen 200 Magyaren an. Damjanich antwortete: seines Wissens seien gar keine 200
magyarische Gefangene in den Händen der Serben! Die Serben rüsten
übrigens bedeutend in Serbien wie im Banat, und im Fürstenthum Serbien ist ein Nationalkonvent berufen, der die Aushebung von 1000 Mann
Hülfstruppen in jedem der 18 Kreise des Landes beräth.
Damit man übrigens sehe, was die neue serbische Vojvodovina für ein
kleines und in der Bevölkerung gemischtes Ländchen ist, und wie albern
die Prätentionen der Panslavisten sind, an allen Ecken und Enden Ungarns kleine slavische Staaten zu verfertigen, geben wir folgende statistische Notizen nach dem Belgrader Serbske Novine:
„Die Voivodovina begreift ihrem Flächeninhalte nach: 1) das sirmische
Comitat; 2) das Peterwardeiner Regiment; 3) das Bacser Comitat; 4) das
Esaikisten Bataillon; 5) das Torontaler Comitat; 6) das bisherige deutschbanater Regiment (jetzt Pancsowaer genannt); 7) das bisherige illirischbanater Regiment; (jetzt Weiskirchner genannt) und das Temeswarer Comitat. Das Flächenausmaß beträgt 719 ˆ Meilen, mit 75 Städten undMarktflecken, 706 Dörfern, 221 182 Häusern, und 1 605 808 Einwohnern. Die Einwohner scheiden sich nach der volksstämmlichen Herkunft
in 917 916 Serben, 26 200 Slowaken, 13 000 Bulgaren, 283 000 Walachen,
278 400 Deutsche, 6160 Franzosen, und 81 132 Magyaren. Von diesen
bekennen sich 877 620 zum griechischen, 627 994 zum römisch-katholi-
schenCultus; 12 494 sind unirte Katholiken, 46 311 Lutheraner, 30 642
Calviner, 17 Arianer und 10 730 Juden. Unter die Zahl der 917 916 Serben sind auch die katholischenSüdslaven aufgenommen. Das bisherige

walachisch-banater Grenzregiment bleibt außerhalb dem Gebiete der
Voivodovina, und wird den Siebenbürger-Rumänen (Walachen) einverleibt.“
Dies s. g. national-serbische Ländchen zählt also 700 000 Deutsche,
Walachen, Magyaren etc. auf 900 000 Serben. Und die 900 000 Serben5
sind nicht einmal lauter Serben, sondern schließen noch die „katholischen
Südslaven“, d.h. Schokazen Syrmiens und des Bacser Comitats ein, die
gar keine Serben sind! Und das soll nun eine Nation mit nationalen
Bedürfnissen, und vor allem mit dem Bedürfniß der Trennung von Ungarn sein!
Wir lassen nun den Bericht der Breslauer Zeitung folgen:
Preßburg, 18. Februar. Die nasse und stürmische Witterung hat die
berüchtigten Straßen unsers Landes so grundlos gemacht, daß große Armeekorps sich nur mit unsäglichen Schwierigkeiten vorwärts bewegen,
und das schwere Geschütz und anderes schweres Fuhrwerk geradezu
stecken bleibt. Unter diesen Umständen erringen die vielen ungarischen
Streifkorps einen Vortheil nach dem andern und die österreichische Armee wird auf mancherlei Art düpirt. Der Generalissimus derselben
scheint nachgerade ungeduldig zu werden und möchte gern einen Hauptschlag führen, zu welchem Ende er große Streitkräfte gegen Szolnok hin
entsandt hat. In Folge dessen läuft das Gerücht, es sei dort zu einem
ernsten Treffen gekommen, und es seien die Magyaren hinter die Theiß
zurückgeworfen worden. – Man kann aber gegen diese Nachricht einen
bescheidenen Zweifel hegen; denn es werden die Ungarn gegenwärtig viel
zu gut angeführt, als daß sie nicht den großen Vortheil benutzen sollten,
den Feind in die Sümpfe an der Theiß zu verlocken und nicht mit gar
großer Mühe aufzureiben. Die vielen Streifkorps, die in Niederungarn
wie aus der Erde wachsen, werden nicht verfehlen, ihn, wenn er sich zu
weit vorwagen sollte, auf allen Seiten zu belästigen, die Zufuhren abzuschneiden und jede Truppe, die sich von der Hauptarmee entfernt, aufzuheben und zu vernichten. Der Krieg in Niederungarn läßt sich in gewisser Art mit Napole´ons Feldzuge nach Rußland vergleichen, und es
könnte die österreichische Armee, wenn sie zu weit vorginge, ein ähnliches Schicksal erfahren, wie damals die französische. – Windischgrätz
wird unter diesen Umständen einen harten Stand haben. Rasch zu verfahren und mit einem Hauptschlage seiner Sache eine günstige Wendung
zu geben, ist geradezu unmöglich; zaudert er aber, so wächst die Macht
der Magyaren immer mehr an. Man soll Kapitulation angeboten haben,
die aber die Magyaren stolz zurückgewiesen hätten. – Wenn wir einen
Blick auf die Landkarte werfen, so sehen wir, daß die österreichische40
Armee, trotz ihrer Fortschritte und trotz ihrer Siegesberichte, von den

magyarischen großen und kleinen Heerhaufen wie mit einem Netze umgeben ist. Von der steyermärkischen Grenze an über den Plattensee herab
bis nach Esseg in Kroatien, ist das Land zwar scheinbar unterworfen,
aber überall stehen Streifkorps, welche die Oesterreicher stark belästigen.
Auf der andern Seite, d.h. von der Donau bis in die Karpathen, ist es 5
nicht besser, wovon man sich überzeugen kann, wenn man die Berichte
liest, wie dort die Oestreicher unter beständigen Gefechten hin und her
gehetzt werden. Und hier haben die ungarischen Streifkorps ein für sich
ganz besonders günstiges Terrain, auch halten in der Stille die meisten
Einwohner, selbst die Mehrheit der Slovaken, zu ihnen. Nur daraus ist zu
erklären, daß die Magyaren immerfort bis weit hinauf gegen Galizien hin
ihre Streifzüge fast ungestraft machen können. Im Osten ist die Theiß die
große Schanze, welche die Magyaren schützt und wo bis jetzt auch die
Oestreicher versuchten, hinüber zu dringen, da wurden sie stets mit Verlust zurückgeworfen.
Sollte es nun zu einer Hauptschlacht kommen, und sollten sie die
Oestreicher verlieren, was ja nicht unmöglich wäre, dann würde ihr
Rückzug ein sehr gefährlicher sein, weil zu fürchten, daß dann allenthalben das Volk aufstehen würde. Der Generalissimus scheint sich das Bedenkliche seiner Lage nicht zu verhehlen.
Folgendes ist der Schluß der „Mittheilungen eines Ungarn“ aus der
„AllgemeinenOder-Ztg.“ Er könnte auch als Beleg dienen, wie wenig die
magyarischen Berichte „Aufschneiden“.
Dank den klugen Maßregeln Kossuths ist die gesammte Jugend Pesth’s
nach Debreczin gezogen. Personen, welche genaue Kunde von den Vor- 25
gängen jenseits der Theiß haben, behaupten, daß die ungarische Armee
120 bis 150 000 Mann stark ist, von drei tüchtigen polnischen Generalen
commandirt, unterstützt durch einen beträchtlichen Artillerie-Park und
sich nöthigen Falls durch 100 000 Mann ungarischen Landsturms verstärken kann. Der bekannte Rosa hält mit seinen Banden den BakonyWald besetzt.
Die Oestreicher hatten drei Brücken geschlagen; eine bei Szolnok, eine
bei Tissa-Füred und eine andere bei Zibok; deren sich die Ungarn bedienten, um über die Theiß zu setzen und am 11. hujusden Feind zu
schlagen. 35
Ordnung und die strengste Disciplin herrschen durchgängig in der ungarischen Armee, besonders seit die polnischen Generäle den Oberbefehl
übernommen haben. Die Comitate jenseits der Theiß sind entschlossen,
sich bis zum letzten Mann zu wehren und die Mehrzahl der jungen Leute,
die sich beim Einmarsch der Oestreicher in Pesth von da nach Debreczin 40
geflüchtet haben, sind in die ungarische Armee getreten, deren Soldaten

von 17 bis 40, ja einige 60 Jahre zählen, insgesammt von Liebe zum
Vaterlande begeistert.
Kossuth, so erfuhr ich aus glaubwürdiger Quelle, hielt kürzlich eine
Rede in Debreczin, wie noch nie Gleiches gehört worden.
Der Saal war mit Deputirten und andern Personen, die Gallerie mit5
Damen angefüllt; er ließ die Deputirten und alle Anwesenden schwören,
ihm in dem Kampfe gegen Oestreich beizustehen; alle Hände hoben sich
zum Schwure. Eine lange Stille folgte dieser Eidesleistung, dann sagte er
mit kräftiger Stimme blos die Worte: „Nun ist das Vaterland gerettet.“
Die Mehrzahl der k. k. Truppen, die in Pesth und Buda standen, wurden in der Richtung von Erlau und Szegled zurückgezogen und nur etwa
4000 Mann blieben da; man sprach sogar davon, daß das Hauptquartier
des Fürsten Windischgrätz nach Erlau verlegt werden würde. Trotz der
großen Siege, welche die Oestreicher errungen haben wollen, welche aber
die Ungarn errungen haben, verfehlten sie dennoch nicht die Kanonen
der Festung Buda auf die Stadt Pesth zu richten; ein Befehl an die Einwohner der Festung forderte diese sogar auf, sich für drei Monate zu
verproviantiren. Die, welche dies zu thun außer Stande wären, sollten
ihre Wohnungen verlassen.
Wozu alle diese Furcht verrathenden Vorbereitungen, im vollständigsten Widerspruche mit den absurden Nachrichten, wonach die östreichische Armee bald bei Debreczin, bald in Transylvanien operirt! Die
Soldaten selbst sind demoralisirt. Offiziere und Soldaten beklagen sich
laut, daß man sie gezwungen die Waffen zu führen gegen die Ungarn, die
ihnen nichts gethan. Die dümmsten und zugleich die grausamsten sind die
Böhmen.
Der ehemalige Minister-Präsident, Graf Louis Bathiany, vierzehnmal
vorgefordert, verweigerte vierzehnmal mit den Worten: „Ich war Minister
und werde nur dann antworten, wenn ich vor ein Tribunal ungarischer
Magnaten geladen werde“, seinen improvisirten Richtern jede Antwort.
General Moga und Hrabowsky, zwei Greise deren Leben ohne Fehler
war, wurden zu 20 Jahre Festung verurtheilt; der Schwiegersohn des Generals Moga, Graf Lazar, Obrist der Honved, sollte den Tod erleiden, da
begnadigte ihn der großmüthige Fürst Windischgrätz zu 10 Jahre Kerkerhaft in Ketten, Verlust seines Adels und infamer Degradation!!

Karl Marx’ und Friedrich Engels’ Reden in
Komiteesitzungen und Generalversammlungen des
Kölner Arbeitervereins.
Berichte
Comite´ Sitzung vom 16. Oktober 1848.
Nr. 40, 22. Oktober 1848
Zeitung des Arbeiter-V ereines zu Köln.
Der provisorischePräsidentBürgerRöser erklärte, daß Dr. Marx auf die Bitte
der vom Vereine an Ihn abgesandten Deputation, sich an die Spitze unseres Vereines zu stellen, eingegangen, er ersuche Ihn daher seinen Platz einzunehmen.
Dr. Marx. Seine Stellung zu Köln sei prekär. Die Antwort, die er von dem5
Exminister Kühlwetter erhalten auf sein Renaturalisationsgesuch gleiche einem
versteckten Ausweisungsbefehl. Er würde dagegen allerdings Protest bei der Nationalversammlung einlegen. Andererseits sei er eines angeblichen Preßvergehens
wegen vor die Assisen verwiesen. Ueberdem sei er durch die einstweilige Zersprengung des Redaktionskomites der „Neuen Rheinischen Zeitung“ mit Arbeiten überhäuft. Nichtsdestoweniger sei er bereit provisorisch bis zur Freilassung
Dr. Gottschalks dem Wunsche der Arbeiter nachzukommen. Regierung und
Bourgeoisie müßten sich überzeugen, daß ihren Verfolgungen zum Trotz sich
immer Leute fänden, bereit sich den Arbeitern zur Verfügung zu stellen.
Dr. Marx spricht dann ausführlicher über die revolutionäre Wirksamkeit der
deutschen Arbeiter im Auslande und hebt schließlich die ausgezeichnete Rolle
hervor, die sie in der neuesten Wiener Revolution spielen. Er schlägt daher eine
Adresse an den Wiener Arbeiterverein vor. (Mit Acclamation angenommen.)
BürgerRöser stattete der Versammlung über die am 15. Oktober abgehaltene
Volksversammlung Bericht ab. (Vergl. darüber die vorige Nummer dieses Blat-20
tes.) Er stellte den Antrag, gegen das Gesetz, welches das Recht der Versammlung
im Freien der Polizeiwillkür preis giebt, zu protestiren.
Hierauf theilte er die Antwort auf die an den Generalprokurator gestellten
Fragen mit, bezüglich Dr. Gottschalks, Annekes und Essers: ob, wann und wo
dieselben vor die Assisen gestellt würden; warum Dr. Gottschalk und Anneke
noch immer verweigert würde zu conferiren, da doch höheren Orts die Erlaubniß
dazu ertheilt sei; ferner ob es der Frau Schapper nicht gestattet werden könne,
ihren Mann zweimal wöchentlich zu besuchen.
In Bezug auf Dr. Gottschalk, Anneke und Esser antwortete der Herr Generalprokurator, daß dieselben vom Anklagesenat hier vor die Assisen verwiesen

seien, und in Folge dessen eine außerordentliche Assisensitzung anberaumt sei,
welche am 27. Nov. d. J. stattfinden solle; jedoch stände es dem öffentlichenMinisterium frei, wenn es bei Verhandlung des Prozesses Unruhen befürchte, für
diesen Fall an den Cassationshof in Berlin zu berichten, um die Verhandlungen
vor einem anderweitigen Assisenhofe zu erwirken. Die Sache sei aber noch schwebend und wir sollen uns deshalb an den Oberprokurator verwenden, und beantragen, daß der Prozeß hier zu Köln verhandelt würde, indem wir uns für die
Ruhe und Ordnung verbürgten. (Welches am 18. d. geschehen ist.)
Daß Dr. Gottschalk und Anneke die Erlaubniß erhalten hätten zu conferiren,
sei ihm nicht bekannt.
Schließlich bemerkte B. Röser: da der Verein bereits das Comite beauftragt
hat, alle nöthigen Schritte für die Gefangenen zu thuen, so beantrage er, daß man
es dem Comite überlasse. (Angenommen.) Ferner beantragte er den Cassirer zu
beauftragen, daß noch fehlende Geld um Esser einen Freitisch im Arresthause zu
verschaffen vorzuschießen, welches durch freiwillige Beiträge ersetzt werden solle.
(Angenommen.)
Für den Kreisausschuß wurde B. Röser und Ross prov. gewählt.
B. Blum stellte den Antrag, daß der Verein aus seiner Mitte einen Deputirten
wählen soll, den demokraten Congreß in Berlin zu beschicken, und daß der Verein die deßfallsigen Kosten durch eine besondere Steuer decken soll. (Angenommen.)
Der Antrag des Präs. (die Geschäftsordnung betreffend) ging dahin, daß die
erste Stunde im Interesse der Gesellschaft, (d.h. über ihre inneren und auswärtigen Angelegenheiten) die zweite über soziale und politische Fragen diskutirt,
und die Sitzung um halb 9 Uhr eröffnet würde. Angenommen.
B. Heinzer erzählte der Gesellschaft, daß der Pfarrer aus Mauritius den Soldaten während dem Belagerungszustande 50 Thlr. geschenkt habe, wahrscheinlich um sie in der Unterdrückung der Freiheit zu ermuthigen; glaubte jedoch, daß
es in der Mauritius Pfarre nicht an armen Familien fehle, welche hülfsbedürftiger
seien als die Soldaten.
B. Nothjung stattete Bericht ab von der Deputation, welche nach Düsseldorf
abgeschickt worden.
Hierauf wurde die Versammlung geschlossen.
MonatlicheBeiträge 1 Thlr. 19 Sgr. freiwillige Beiträge 23 Sgr.
Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit. 35
Nr. 2, 29. Oktober 1848
General-Versammlung des Arbeiter-Vereines vom
22. October 1848.
Der Präsident Dr. Marx eröffnet die Sitzung mit einigen Bemerkungen über das
System der indirekten Wahl. 40
BürgerRöser. Wir haben eine Aufforderung erhalten, den am 26. dieses[ Monats] in Berlin stattfindenden demokratischen Congreß zu beschicken. Es entsteht

jedoch hierbei die Frage, ob der Arbeiter-Verein für sich allein oder in Verbindung mit dem demokratischen Vereine Jemand hinsenden solle. In der letzten
Comitesitzung ihres Vereines entschied man sich für das Erstere, nämlich selbständig zu handeln, jedoch bleibt dies der Genehmigung der Versammlung vorbehalten und ist bei Annahme desselben auch wesentlich der Kostenpunkt zu
berücksichtigen. Deßwegen stelle ich den Antrag:
Daß wir für uns allein einen Deputirten wählen und zur Deckung der Kosten
uns eine freiwillige Steuer auferlegen.
Der Antrag wird angenommen und als Minimum der Steuer einen 1 Sgr. festgesetzt.10
B. Keil. Es habe in Berlin schon einmal eine Versammlung stattgefunden, wo
der Arbeiter-Verein nicht vertreten war.
Der Verein, den man 7000 Mann stark angäbe, müsse jedoch selbständig vertreten sein, umsomehr als Cöln zum Bezirksort vom Central Comite ernannt sei.
B. Roß glaubt der Abgeordnete, der im Berliner Congresse zur Förderung der15
allgemeinen Grundsätze der Demokratie beizutragen habe, müsse beauftragt werden, sich an den Sitzungen der dortigen Arbeiter Vereine zu betheiligen, um speziel für unsere Sache handeln zu können.
B. Nothjung und Müller glauben, daß wenn ein Mann aus unserer Mitte nach
Berlin geschickt würde, um die Grundsätze der Demokratie zu vertreten, brauche
man ihm keine besonderen Instruktionen zu geben, er würde aus eigenem Antriebe alles Mögliche thun.
B. Beust schlägt im Auftrage von F. Anneke, gegenwärtig politischer Gefangener, den Abgeordneten Dr. D’Ester und den ehemaligen Lieutenant Valtin, die
sich beide in Berlin befinden, als Deputirte für den Congreß vor.
B. Müller spricht dagegen, daß Jemand anders als aus dem Arbeiter-Vereine
und der sich an dessen Sitzungen auch bis in die letzte Zeit betheiligt habe gewählt werde.
Es entspinnt sich eine Debatte darüber, ob alle Gegenwärtigen oder nur die
sich durch ihre Karte als Mitglieder des Arbeiter-Vereines ausweisen, mit abzu-30
stimmen hätten, welche auf den Antrag von B. Nothjung damit endet, daß alle
mitstimmen, da es von Seiten des Comite’s verabsäumt worden, auf der Einladung zur Versammlung ausdrücklich zu bemerken, daß die Karten mitzubringen
seien und deswegen wohl die meisten Anwesenden ihre Karten zu Hause gelassen
hätten.
Freiligrath erscheint in der Versammlung und wird mit einem allgemeinen anhaltenden Jubel empfangen. Er spricht seine Freude über den herzlichen Empfang aus, die nur durch das Vermissen so manches tüchtigen Gesinnungsgenossen
getrübt werde, die er jedoch bald wieder in unserer Mitte zu sehen die zuversichtliche Hoffnung hege.
Er bringt den politischen Gefangenen und von hier Geflüchteten ein dreimaliges Hoch, in welches die Versammlung einstimmt.
B. Beust wird als Deputirter zum Congreß in Berlin vorgeschlagen und gewählt.

Der Präsident Dr. Marx und Vice Präsident B. Röser werden als solche von
der Versammlung bestätigt.
Die Bürger Beust und Moll werden zur Ergänzung ins Comite und die B. Ross
und Röser in den Kreisausschuß gewählt.
Die Versammlung erklärte durch Acclamation, sich beim Vorkommen der Ge- 5
fangenen Dr. Gottschalk und Anneke, am hiesigen Assisenhofe für die Ruhe der
Stadt verbürgen zu wollen.
Die Sitzung wird geschlossen.
An Eintrittsgelder und freiwilligen Beiträgen gingen ein 32 Thlr. 18 Sgr. 6 Pfg.
Freiheit, Brüderlichkeit, Arbeit. 10
Nr. 6, 12. November 1848
Comite´ Sitzung des Arbeiter-Vereines vom
6. November 1848.
Nach Verlesung und Annahme des Protokolls der vorigen Sitzung stattet BürgerVogt im Namen der Commission Bericht ab, über die Revision und den Stand der 15
Casse.
B. Beust stattet einen kurzen Bericht ab, über das Wirken des demokratischen
Congresses in Berlin und bedauert, daß derselbe die auf ihn gestellten Erwartungen nicht ganz erfüllt habe, was durch die vielen Constitutionellen, die sich dort
eingefunden, herbeigeführt worden sei.
PräsidentDr. Marx macht eine kurze Mittheilung über die Ereignisse in Wien
und hebt namentlich hervor, wie es nur durch den vielfachen Verrath der dortigen
Bourgeoisie dem Windischgrätz möglich werden konnte, die Stadt zu nehmen.
B. Keil wünscht die Meinung der Versammlung darüber zu vernehmen, ob
man das für die nach Wien bestimmten Freischärler eingegangene Geld, jetzt den
Verwundeten und Hinterbliebenen daselbst übermachen solle.
Nach einer längeren Debatte hierüber, worin namentlich hervorgehoben wurde, daß die Uebersendung nach Wien, bei den jetzigen Zuständen daselbst nicht
auszuführen sei, ohne es vielleicht den Croaten in die Hände zu liefern, und man
das Geld auch hier gut anzuwenden vielleicht bald Gelegenheit finden dürfte, –
entschied sich die Gesellschaft dagegen.
B. Blum spricht von einer nach Niederkassel zu unternehmenden Reise, um
einem dortigen jungen Vereine beizuwohnen.
B. Röser sagt, daß die Geistlichkeit sich an verschiedenen Orten auf eine anmaßende, jedoch wahrhaft lächerliche Weise den Fortschrittsbestrebungen der 35
arbeitenden Klasse entgegensetze, und regt dadurch eine Debatte an, wodurch
deutlich gezeigt wird, wie wenig der gesunde kräftige Sinn unserer Arbeiter, auch
selbst von der Kanzel herab und einer früher so allmächtigen Geistlichkeit irre zu
leiten ist. Es wird von vielen Rednern hervorgehoben, daß es uns nicht eingefallen
wäre von der Geistlichkeit zu sprechen, wenn uns diese in Ruhe gelassen; daß
aber jetzt Stillschweigen nicht mehr geboten sei, nachdem sie uns von der Kanzel
her angegriffen habe. Man wolle von der Religion nichts sagen aber vor einem
Uebergreifen der Geistlichkeit müsse man sich verwahren.