** Bern, 28. November. In der heutigen Sitzung des Nationalraths wurNr. 158, 2. Dezember 1848
Neue Rheinische Zeitung.
de mit 58 gegen 42 Stimmen Bern zur Bundesstadt erklärt . Es fehlt nun
noch die Genehmigung des Ständeraths, auf die das Berner Publikum mit
Sicherheit hofft. Der Ständerath wird heute Nachmittag um 4 Uhr Sitzung halten und seinen Beschluß in dieser Sache fassen; da die Post um5
halb 5 abgeht, wird es unmöglich sein, daß ich das Resultat dieser Sitzung noch heut berichte.
In seiner gestrigen Sitzung hat der Ständerath den Beschluß des Nationalraths in der Tessiner Sache unverändert angenommen, und dieser
hat also Gesetzeskraft. In der Diskussion, die sich ziemlich in die Länge
zog, zeichnete sich besonders der Tags zuvor angekommene Bundesrath
Franscini durch eine Rede zu Gunsten der Tessiner aus. Carteret von
Genf sprach ebenfalls mit viel Energie zu Gunsten der italienischenFlüchtlinge, und protestirte dagegen, daß man sie hier in dieser Versammlung als „Schuldige“ bezeichne, während sie in ihren Bestrebungen
und Kämpfen die Sympathien aller Schweizer verdienten. Daß die Tessiner ihnen eine so lebhafte Sympathie gezeigt hätten, gerade dadurch
hätten sie bewiesen, daß sie ächte Schweizer seien. Trotz dieser und mehrerer andern entschiedenen Protestationen, besonders gegen Art. 2, der
dem Tessin das Asylrecht nimmt, ging, wie gesagt, der ganze Nationalrathsbeschluß mit ziemlicher Majorität durch. Die deutschen Kantone
entschieden auch hier, obwohl einige deutsche Abgeordnete auch im
Ständerath für die Tessiner auftraten.