Wir haben eine Instruktion des neapolitanischen Ministers des Auswärtigen von Anfang dieses Monats datirt und an die Konsular-Agenten gerichtet, vor Augen, worin bezüglich der aus der Lombardei zurückkehrenden Freiwilligen recht saubere Anweisungen ertheilt werden.

Jenes Aktenstück lautet:

„Fünf Bataillone Freiwillige reisten nach der Lombardei ab; zwei derselben verlangten Nichts, drei forderten und erhielten Sold von der hiesigen königlichen Regierung. Weder Jenen noch Diesen, falls sie aus dem Felde zurückkehren, werden Sie unter irgend einem Vorwand eine Entschädigung gewähren, vielmehr werden Sie die letztern 3 Bataillone der Lokalbehörde als Deserteure anzeigen; in Anbetracht, daß Se. Majestät die Linientruppen zurückgerufen hat, will sie, daß die Freiwilligen fortfahren, am Kampfe für die Unabhängigkeit Theil zu nehmen.“

Die Perfidie dieses Circulars springt selbst den Blindesten in die Augen. Die tapfern Jünglinge, welche nach der Lombardei zogen, waren der Kern der neapolitanischen Patrioten. Sie fühlten gleich uns, daß Italien von den Alpen bis Kap Lilibeo reicht; sie wissen, wie wir, daß der König und seine Regierung die Sache Italiens verrathen haben; ‒ und deshalb sollen sie nicht mehr ins Königreich zurückkehren; das ist der Gedanke des Circulars, das mit unerhörter Frechheit die Maske der Liebe Se. Maj. für die Sache der Unabhängigkeit aufsetzt. (In Deutschland wissen wir in Betreff der nach Schleswig gezogenen Freiwilligen ähnliche saubere, ja noch viel ärgere Camphausen-Auerswald-Schreckensteinsche Geschichten zu erzählen).

Mayr findet, daß es dem Gesetz Entwurf an gehörigem Muth fehlt. Vieles sei darin verschleiert; man müsse dem Volke offen sagen, was seine Vertreter in Wahrheit sind. Er verlangt, daß in der Adresse von der Säkularisation der Regierung, von der Einheit Italiens durch Errichtung eines Bundesstaats gesprochen werde; und grade von Rom müsse dieser Vorschlag ausgehen. Er vermißt in der Adresse die Erwähnung des Verlangens nach einem italiänischen Zollverein und nach Eisenbahnen. Für den Entwurf spricht Farini. Obgleich zum Theil dafür erblickt Sterbini doch zwei bedeutende Mängel. Der eine bestehe mehr in der Form. Die Kommission habe sich zu sklavisch an den abgenutzten Gebrauch in andern konstitutionellen Ländern angeschlossen, wo man den sogenannten Thronreden Periode für Periode nachfolge. Der zweite größere Mangel sei der, daß es an klarer präziser Sprache darin fehle, die erst wieder Erläuterungen nöthig mache. Die Ideen, welche wir ausdrücken wollen, sind in einen hübschen Phrasen-Nebel eingewickelt. Namentlich aber fehlt die in unser Aller Wünschen enthaltene Idee, hier in Rom einen italiänischen Reichstag aus Abgeordneten aller gesetzgebenden Versammlungen der verschiedenen Theile Italiens unter dem Vorsitze des Papstes zu versammeln. In Bezug auf Neapel wünschte ich mehr Unwillen und stärkeren Tadel wegen des Wortbruches und des der italiänischen Sache zugefügten Schadens. Was ferner die aus dem Mittelalter herstammenden Fesseln des Grundeigenthums anlangt, so ist kaum eine leise Bemerkung vorhanden, gleichsam als hätte man gefürchtet, einer gewissen Klasse der Gesellschaft zu nahe zu treten. Pantaleoni vermißt insbesondere die Berührung der sozialen Frage ‒ dieser Frage, die in allen Theilen Europa's debattirt wird, die den französischen Thron umgestürzt und welche immer drohender, gleich einer finstern Gewitterwolke, am Horizonte heraufzieht. Er geht hierbei in die Einzelheiten der Frage von ihrer materiellen und moralischen Seite ein und verlangt, daß man den Folgen der Vernachlässigung der ärmeren Klassen vorbeuge. Der Präsident Sereni, zugleich Mitglied der Kommission, sucht den Entwurf gegen die gemachten Ausstellungen zu vertheidigen. Nachdem noch von andern Rednern einige Bemerkungen gemacht, wird die Debatte auf die nächste Sitzung vertagt.