Karl Marx

Über F. Lists Buch „Das nationale System der
politischen Ökonomie“

(1845)

Zuerst erschienen in:
Beiträge zur
Geschichte der Arbeiterbewegung
, Heft 3/1972, 14. Jg., Berlin,
S. 425 – 446

Die Ausgabe folgt der Seperatausgabe
Kritik der
bürgerlichen Ökonomie : Neues Manuskript von Marx und
Rede von Engels über F. List
, Berlin (West), VSA 1972, S.
7-43.

Marxists’
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Dass das Bewusstsein von dem Tod des Bürgertums
selbst schon in das Bewusstsein des deutschen Bourgeois gedrungen
ist, so ist der deutsche Bourgeois naiv genug, diese
„Traurigkeit“ selbst zu gestehn. „Darum ist es
auch so
traurig
, wenn man die Übel, womit in unsern
Tagen die Industrie begleitet ist, als Motiv geltend machen will,
die Industrie selbst von sich abzuweisen. Es gibt weit
größere Übel, als einen Stand von

Proletariern
; leere Schatzkammern – National-Unmacht
– National-Knechtschaft – Nationaltod“ p. LXVII

[1*]
. Es ist wahrhaft traurig, dass das
Proletariat schon da ist und schon Ansprüche macht und schon
Furcht einflößt, eh der deutsche Bürger noch zur
Industrie gelangt ist. Was den Proletarier selbst betrifft, so wird
er gewiss seinen Stand fröhlich finden, wenn die herrschende
Bourgeoisie volle Schatzkammern und Nationalmacht hat. Herr List
sagt nur, was für die Bourgeoisie
trauriger
ist. Und
wir gestehn, dass es sehr traurig für ihn ist, dass er grade
in dem ungeeigneten Augenblick die Industrieherrschaft aufbringen
will, wo die durch sie erzeugte Knechtschaft der Mehrzahl ein
allgemein bekanntes factum geworden ist. Der deutsche Bourgeois ist
der
Ritter von der traurigen Gestalt
, der grade die
irrende Ritterschaft einführen wollte, als die Polizei und das
Geld aufkamen. Ein großes Hindernis (Ungelegenheit), worin der
deutsche Bourgeois bei seinem Streben nach industriellem Reichtum
sich befindet, ist sein bisheriger
Idealismus.
Wie kommt
dieses Volk des „
Geistes“
auf einmal dazu, in
Calicot, Strickgarn, self-acting mule dem Materialismus der
Maschinerie, in einem Haufen von Fabriksklaven, in den
gefüllten Säckeln der Herren Fabrikanten die
höchsten Güter der Menschheit zu finden ? Der hohle,
windige, sentimentale Idealismus des deutschen Bürgers, hinter
dem der kleinlichste, schmutzigste Krämergeist verborgen
liegt, die feigste Seele sich versteckt, ist zur Epoche gekommen,
wo er notwendig sein Geheimnis verraten muss. Aber er verrät
es wieder in echt deutscher, überschwänglicher Weise. Er
verrät es mit idealistischchristlicher Scham. Er verleugnet
den Reichtum, indem er ihn erstrebt. Er verkleidet sich ganz
idealistisch den geistlosen Materialismus, und dann erst wagt er,
nach ihm zu haschen. Der ganze ... theoretische Teil des Listschen
Systems ist nichts als eine Verkleidung des industriellen
Materialismus der aufrichtigen Ökonomie in ideale Phrasen. Die
Sache lässt er überall bestehn, aber den Ausdruck
idealisiert er. Wir werden dies im einzelnen verfolgen. Eben diese
hohle idealistische Phraseologie gibt ihm darum auch die
Fähigkeit, die
realen
Schranken, die sich seinen
frommen Wünschen entgegensetzen, zu verkennen und sich den
albernsten Phantasien hinzugeben. (Was wäre aus der englischen
und französischen Bourgeoisie geworden, wenn sie erst einen
hohen Adel, eine wohllöbliche Bürokratie und die
angestammten Herrscherhäuser um Erlaubnis gesucht hätte,
die „Industrie“ mit „Gesetzeskraft“
einzuführen?).

Der deutsche Bürger ist selbst religiös, wo er
industriell ist. Er scheut sich, von schlechten Tauschwerten, nach
denen er lungert, zu sprechen und spricht von
Produktivkräften, er scheut sich, von Konkurrenz zu sprechen,
und spricht von einer nationalen Konföderation der nationalen
Produktivkräfte, er scheut sich, von seinem Privatinteresse zu
sprechen, und spricht vom Nationalinteresse. Wenn man den
offenherzigen, klassischen Zynismus betrachtet, womit die englische
und französische Bourgeoisie in ihren ersten, wenigstens im
Beginn ihrer Herrschaft wissenschaftlichen Wortführern der
Nationalökonomie den Reichtum zu Gott erhob und ihn, diesem
Moloch, rücksichtslos alles, auch in der Wissenschaft,
opferte, und wenn man dagegen die idealisierende, phrasenklaubende,
bombastische Weise des Herrn List betrachtet, der mitten in der
Ökonomie den Reichtum der „gerechten Männer“
verachtet und höhre Zwecke kennt, so muss man es „auch
traurig“ finden, dass heutzutage kein Tag mehr ist für
den Reichtum. Herr List spricht immer in Molossus-Versmaßen.
Er bläht sich beständig zu einem schwerfälligen und
wortreichen Pathos auf, dessen Kern in steter Wiederholung die
Schutzzölle und „teutsche“ Fabriken, dessen
trübes Gewässer stets in letzter Instanz auf die Sandbank
treibt. Er ist beständig sinnlich-übersinnlich.

Der deutsche idealisierende Philister, der reich werden will,
muss sich natürlich vorher erst eine neue Theorie des
Reichtums schaffen, die letztem würdig macht, von ihm erstrebt
zu werden . Die Bürger in Frankreich und England sehn das
Ungewitter herannahen, das das
wirkliche
Leben dessen, was
man bisher Reichtum nannte, praktisch vernichten wird, und der
deutsche Bürger, der noch nicht zu diesem schlechtem Reichtum
gekommen ist, versucht eine neue „spiritualistische“
Interpretation desselben. Er schafft sich eine
„idealisierende“ Ökonomie, die nichts gemein hat
mit der profanen französischen und englischen Ökonomie,
um sich vor sich und der Welt zu rechtfertigen, dass er auch reich
werden will. Der deutsche Bürger beginnt seine Schaffung des
Reichtums mit der Schöpfung einer überschwänglichen,
heuchlerisch-idealisierenden Nationalökonomie.

Wie Herr List die Geschichte Interpretiert und sich zu Smith
und seiner Schule verhält

So submissest Herr List gegen Adel, angestammte
Herrscherhäuser, Bürokratie ist, so „frech“
tritt er gegen die französische und englische Ökonomie
auf, die das
Geheimnis
des Reichtums zynisch verraten hat
und alle Illusionen über seine Natur, Tendenz und Bewegung
unmöglich gemacht hat, deren Reihenführer Smith ist. Herr
List fasst sie alle unter dem Namen „die Schule“
zusammen. Da es sich nämlich dem deutschen Bürger um
Schutzzölle handelt, so hat ihm die ganze Entwicklung der
Ökonomie seit Smith natürlich keinen Sinn, weil die
hervorstechendsten Vertreter derselben alle die jetzige
bürgerliche Gesellschaft der Konkurrenz und Handelsfreiheit
zur Voraussetzung haben.

Der deutsche Philister zeigt hier in vielfacher Weise seinen
„nationalen“ Charakter.

1) Er sieht in der ganzen Ökonomie nichts als Systeme, die
auf den Studierstuben ausgeheckt sind. Dass die Entwicklung einer
Wissenschaft wie die der Ökonomie mit der wirklichen Bewegung
der Gesellschaft zusammenhängt oder nur ihr theoretischer
Ausdruck ist, ahnt Herr List natürlich nicht. Deutscher
Theoretiker.

2) Weil seine eigne Theorie (Schrift) einen geheimen Zweck
verbirgt, ahnt er überall geheime Zwecke. Als echt deutscher
Philister sucht Herr List, statt die wirkliche Geschichte zu
studieren, nach den geheimen schlechten Zwecken der Individuen und
weiß sich viel mit seiner Pfiffigkeit, diese
herauszugrübeln (herauszufinden). Er macht große
Entdeckungen in der Art, dass Adam Smith mit seiner Theorie die
Welt täuschen wollte und dass die übrige Welt sich von
ihm täuschen ließ, bis der große Herr List sie aus
ihrem Traum erlöste, etwa in der Art, wie ein
Düsseldorfer Gerichtsrat die römische Geschichte für
eine Erfindung der mittelalterlichen Mönche ausgab, um die
Herrschaft Roms zu begründen. Wie aber der deutsche
Bürger überhaupt seinem Feinde nicht besser
entgegenzutreten weiß, als indem er ihm einen moralischen
Makel anheftet, seine Gesinnung verdächtigt, nach schlechten
Motiven für seine Handlung sucht, kurz, indem er ihn in

üble Nachrede
bringt und persönlich
verdächtigt, so verdächtigt Herr List die englischen und
französischen Ökonomen, erzählt Klatschgeschichten
von ihnen, und wie der deutsche Philister im Handel nicht das
kleinste Profitchen und Eskamotage verschmäht, so
verschmäht es Herr List nicht, Worte aus Zitaten zu
eskamotieren, um sie profitlich zu machen, seinen eignen schlechten
Fabrikaten das Etikett seiner Gegner aufzukleben, um sie in Verruf
zu bringen, indem er sie verfälscht, oder gar entschiedne
Lügen zu ersinnen, um seinen Konkurrenten um den Kredit zu
bringen.

Wir geben einige Proben von der Verfahrungsweise des Herrn
List.

Man weiß, dass die deutschen Pfaffen der Aufklärung
keinen gründlichem Todesstoß versetzen zu können
glaubten, als indem sie uns alberne Anekdote und Lüge
erzählen, Voltaire habe auf seinem Todesbette seine Lehre
aufgegeben. Auch Herr List führt uns an Smiths Totenbett und
berichtet uns, es habe sich da gezeigt, dass er es nicht aufrichtig
gemeint mit seiner Lehre.

Doch man höre Herrn List selbst und sein weiteres Urteil
über Smith. Wir setzen neben ihn die Quelle seiner
Weisheit.

List

„In Erinnerung gebracht hatte ich aus Dugald Stewards
Biographie, wie dieser große Geist nicht ruhig habe sterben
können, bis alle seine Manuskripte verbrannt gewesen, womit
ich (habe) zu verstehen geben wollen, wie dringend der Verdacht
sei, dass diese Papiere Beweise gegen seine Aufrichtigkeit
enthielten. p. LVIII. Nachgewiesen hatte ich, wie seine Theorie von
den englischen Ministern benützt worden sei, um andren
Nationen zum Vorteil Englands Sand in die Augen zu streuen.“
I.c. (LVIII, LIX) „Adam Smiths Lehre ist in Beziehung auf die
nationalen und internationalen Verhältnisse eine bloße
Fortsetzung des physiokratischen Systems. Gleich diesem ignoriert
sie die Natur der Nationalitäten,
und
setzt sie den
ewigen Frieden und die Universalunion als bestehend voraus.“
p. 475.

Ferrier,
F.L.A. „Du gouvernement
considéré dans ses rapports avec le commerce.“
Paris 1805;

„Ist es möglich, dass Smith, indem er so viel falsche
Räsonnements zugunsten der Handelsfreiheit aufhäufte,
aufrichtig war ?...

Smith hatte zum geheimen Zweck, in Europa Prinzipien
auszustreuen, wovon er sehr wohl wusste, dass die Adoption seinem
Lande den Weltmarkt liefern würde“. (p. 385,386.)

„Man ist selbst autorisiert zu glauben, dass Smith nicht
immer dieselbe Doktrin gelehrt hatte; und wie anders die Qualen
erklären, die ihn auf dem Totenbett die Furcht empfinden
ließen, dass die Manuskripte seiner Vorlesungen ihn
überleben würden“. p. 386.

Er wirft Smith vor, Commissaire des douanes gewesen zu sein.
„Smith hat fast immer räsoniert wie die Ökonomisten
(Physiokraten), ohne Rücksicht zu nehmen auf die Trennung der
Interessen der verschiednen Nationen und in der Voraussetzung, wo
in der Welt nur eine Gesellschaft existieren würde. Lassen wir
alle diese Projekte der Union.“ p. 381, p. 15.

Herr Ferrier war inspecteur des douanes unter Napoleon und
liebte sein Handwerk.

J. B.
Says
Ökonomie wird als eine
verunglückte Spekulation von Herrn List begriffen. Wir werden
sogleich sein vollständiges Urteil über Says Leben
mitteilen. Vorher noch ein Beispiel von der Art, wie er andre
Schriftsteller abschreibt und im Abschreiben verfälscht, um
seine Gegner zu treffen.

List

„Say und
MacCulloch
scheinen vom diesem
Buche“ (des Antonio Serra aus Neapel) „nicht mehr als
den Titel gesehen oder gelesen zu haben; beide werfen es vornehm
auf die Seite mit der Bemerkung: es handle nur vom Gelde, und schon
der Titel beweise, dass der Autor in dem Irrtum befangen gewesen,
die edlen Metalle als alleinige Gegenstände des Reichtums zu
betrachten. Hätten sie weiter gelesen“ etc. p. 456.

Graf
Pecchio
:

„
Geschichte der politischen Ökonomie in
Italien“
etc., Paris 1830/11/. „Die Fremden
suchten Serra des Verdienstes zu berauben, der erste Gründer
der Prinzipien dieser Wissenschaft“ (der politischen
Ökonomie) „gewesen zu sein. Was ich soeben sage, kann
durchaus nicht auf Herrn Say bezogen“ (appliziert)
„werden, welcher, immer vorwerfend dem Serra, nur die Materie
von Gold und Silber als Reichtümer betrachtet zu haben, ihm
nichtsdestoweniger den Ruhm zediert, der erste gewesen zu sein, der
kennen“ (connaître) „ließ die produktive
Macht der Industrie ... Meine Klage adressiert sich an Herrn Mac
Culloch ... Wenn Herr Mac Culloch ein wenig mehr als den Titel
gelesen hätte“ etc. p.76,77.

Man sieht, wie Herr List den Pecchio, den er abschreibt,

absichtlich
verfälscht, um Herrn Say in Verruf zu
bringen. Nicht minder falsch sind die Lebensnotizen, die über
Say mitgeteilt werden.

Herr List sagt von ihm: „Erst Kaufmann, dann Fabrikant,
dann verunglückter Politiker, griff Say zur politischen
Ökonomie, wie man zu einem neuen Unternehmen greift, wenn das
alte nicht mehr gehn will... Hass gegen das Kontinentalsystem, das
ihm seine Fabrik zerstört, und gegen dessen Urheber, der ihn
aus dem Tribunat verstoßen hatte, bestimmte ihn, die Partei
der absoluten Handelsfreiheit zu ergreifen.“ p. 488,489. Also
Say ergriff das System der Handelsfreiheit, weil seine Fabrik durch
das Kontinentalsystem ruiniert wurde! Aber wie, wenn er sein
„Traité d'économie politique“ geschrieben
hätte, ehe er eine Fabrik besaß? Say ergriff das System
der Handelsfreiheit, weil Napoleon ihn aus dem Tribunat
verstieß. Aber wie, wenn er
als Tribun
das Buch
geschrieben hätte? Wie, wenn Say, der nach Herrn List ein
verunglückter Geschäftsmann war, der in der Literatur nur
einen Betriebszweig erblickte, von früher Jugend an eine Rolle
in der französischen literarischen Welt gespielt?

Woher hat Herr List seine Neuigkeiten? Aus der dem „Cours
Complet d'économie politique“ vorgedruckten
„Historischen Notiz über das Leben und Werke J. -B.
Says“ von
Charles Comte
.
[2*]
Was berichtet
diese Notiz? Diese enthält aber von allen seinen Angaben das
Gegenteil. Man höre: J.-B. Say wurde von seinem Vater, einem
Kaufmann, dem Handel bestimmt. Sein Hang zog ihn jedoch zur
Literatur. Er publizierte 1789 eine Broschüre für
Pressefreiheit. Er schreibt seit dem Beginn der Revolution mit am
„Courrier de Provence“, den Mirabeau publizierte. Er
wurde ebenso beschäftigt in den Büros des Ministers
Claviere. Sein Hang „für die moralischen und politischen
Wissenschaften“ wie der Bankrott seines Vaters bestimmten
ihn, den Handel ganz aufzugeben und sich die Kultur der
Wissenschaften zu seiner einzigen Beschäftigung zu machen.
1794 wurde er Redacteur en chef der „Décade
philosophique, littéraire et politique“. Napoleon
ernannte ihn 1799 zum Mitglied des Tribunats. Die Muße, die
ihm seine Funktion als Tribun ließ, benutze er, um den
„Traité politique“ auszuarbeiten, den er 1803
publizierte. Er wurde aus dem Tribunat verstoßen, weil er zu
den wenigen gehörte, die Opposition zu machen wagten. Es wurde
ihm ein lukrativer Posten in den Finanzen angetragen, er lehnt ihn
ab, obgleich chargé de six enfants et n'ayant presque point de
fortune...,
[3*]
er hätte die angebotnen
Funktionen nicht erfüllen können, ohne zur Exekution
eines Systems zu konkurrieren, das er als funeste für
Frankreich beurteilt hatte. Er legte eine Baumwollspinnerei an
etc.

Wenn der Makel, den Herr List hier dem Say anheftet, durch
Verfälschung entstanden ist, so ist es nicht minder das Lob,
das er dem Bruder desselben, Louis Say, erteilt. Um zu beweisen,
dass
Louis Say
die listige Ansicht teilt, verfälscht
er eine Stelle desselben. Herr List sagt p. 484:

„Nach seiner“ (Louis Says) „Meinung besteht
der Reichtum der Nationen nicht in den materiellen Gütern und
in ihrem Tauschwert, sondern in der
Fähigkeit, diese
Güter fortwährend zu produzieren
“

Nach Herrn List sind folgendes die eignen Worte Louis Says:

Der Louis Say des Herrn List

„La richesse ne consiste pas dans les choses qui satisfont
nos besoins ou nos goûts, mais dans le pouvoir d'en jouir
annuellement“
[4*]
. Études sur la riches se des
nations"
[5*]
p. 10.

Der wirkliche Louis Say

„Quoique la richesse ne consiste pas dans les choses qui
satisfont nos besoins ou nos goûts,mais dans le revenu ou dans
le pouvoir d'en jouir annuellement...“
[6*]
p.9-10

Say spricht also nicht von der Fähigkeit zu produzieren,
sondern von der Fähigkeit zu genießen, von der
Fähigkeit, die das „Einkommen“ (Revenu) einer
Nation gibt; Aus dem Missverhältnis zwischen der anwachsenden
Produktionskraft und der Revenu einer Nation im allgemeinen und
aller Klassen im besondern sind grade die Herrn List feindseligsten
Theorien wie z. B. die von Sismondie und Cherbuliez hervorgegangen.
Geben wir nun ein Beispiel von der Unwissenheit des Herrn List in
Beurteilung der Schule. Er sagt von Ricardo (List. Zu den
Produktivkräften):

„Überhaupt ist die Schule seit Adam Smith in ihren
Forschungen nach der Natur der Rente unglücklich gewesen.
Ricardo und nach ihm Mill, MacCulloch und andere sind der Meinung,
die Rente werde für die den Grundstücken beiwohnende
natürliche Produktivfähigkeit bezahlt. Ersterer hat auf
diese Ansicht ein ganzes System gegründet.. Da er (aber) nur
die englischen Zustände vor Augen hatte, so verfiel er in die
irrige Ansicht, diese englischen Äcker und Wiesen, für
deren angebliche natürliche Ertragsfähigkeit
gegenwärtig so schöne Renten bezahlt werden, seien zu
jeder Zeit die nämlichen Äcker und Wiesen gewesen.“
p, 360.

Ricardo
sagt:

„Wenn das Mehr des Produkts, das die Grundrente bildet,
ein Vorteil ist, so wäre zu wünschen, dass alle Jahre die
neu konstruierten Maschinen unproduktiver würden als die
alten; dies gäbe den produzierten Waren einen Mehrwert im
ganzen Lande; man würde allen eine Rente zahlen, welche die
produktivsten Maschinen besitzen.“ „Die Grundrente
steigt um so schneller , je mehr die produktiven Kräfte der
disponiblen Ländereien sich vermindern. Der Reichtum des
Landes wächst, wo man durch die Verbesserungen in der
Agrikultur ohne verhältnismäßige Vermehrung der
Arbeit die Produkte vermehren kann und wo folglich das Anwachsen
der Grundrente sehr langsam ist.“ p. 77 und 80-82. Ricardo.
Von den Prinzipien der politischen Ökonomie etc., Paris 1835,
T.I.
[7*]
.

Nach Ricardos Lehre ist die Rente, weit entfernt, die Folge der
dem Boden beiwohnenden natürlichen Produktionsfähigkeit
zu sein, vielmehr eine Folge der immer größer werdenen
Improduktivität des Bodens, Folge der Zivilisation und der
fortschreitenden Population. Solange der fruchtbarste Boden noch in
unbegrenzter Quantität zu Gebot steht, gibt es nach ihm noch
keine. Die Rente wird also bestimmt durch das Verhältnis der
Population zu den disponiblen Ländereien. Ricardos Lehre, die
der ganzen Anti-Cornlaw-League in England und der Antirent-Bewegung
in den nordamerikanischen Freistaaten zur theoretischen Basis
dient, musste von Herrn List, vorausgesetzt, dass er sie mehr als
vom Hörensagen kannte, schon deshalb verfälscht werden,
weil sie beweist, wie sehr „freie, mächtige und reiche
Bürger“ (p. LXVI) geneigt sind, „emsig“ an
der „Grundrente“ zu arbeiten und ihnen (den
Grundeigentümern) den Honig vom Stock zuzuführen (p.
LXIV). Ricardos Lehre von der Grundrente ist nichts als der
ökonomische Ausdruck von einem Kampfe auf Leben und Tod des
industriellen Bürgers gegen den Grundeigentümer. Herr
List belehrt uns über Ricardo weiter dahin:

„Gegenwärtig ist die Tauschwertstheorie so sehr in
Impotenz verfallen, ... dass Ricardo... sagen durfte: Die Gesetze
zu bestimmen, nach welchen der Ertrag des Grund und Bodens auf die
Grundbesitzer, Pächter und Arbeiter verteilt werde, sei
Hauptaufgabe der (politischen) Ökonomie.“ p. 493.

Die hierzu nötigen Bemerkungen am geeigneten Platz zu
machen.

Den Gipfel der Infamie erreicht Herr List in seiner Beurteilung
Sismondis:

List

„Er“ (Sismondi) „will z. B., dass dem
Erfindungsgeist Zaum und Gebiss angelegt werde.“ p. XXEX

Sismondi

„Nicht gegen die Maschinen, nicht gegen die Entdeckungen,
nicht gegen die Zivilisation sind meine Einwürfe gerichtet,
sie sind es gegen die
moderne Organisation der
Gesellschaft
. Organisation, die zugleich den Menschen der
Arbeit jedes andern Eigentums, als dessen seiner Arme, beraubt und
ihm keine Garantie gegen eine Konkurrenz gibt, deren notwendiges
Opfer er sein wird. Unterstellt alle Menschen gleich teilnehmend
unter sich am Produkt der Arbeit, wozu sie konkurriert haben, und
jede Entdeckung in den Künsten wird dann in allen
möglichen Fällen eine Wohltat für sie alle
sein.“ Noveaux pricipes d'économie politique. Paris
1827, t.II.
[8*]
, p.433.

Wenn Herr List die Smith und Say moralisch verdächtigt, so
weiß er sich Herrn Sismondis Theorie nur aus dessen

leiblichen
Gebrechen zu erklären. Er sagt:

„Herr von Sismondi sieht mit dem leiblichen Auge alles
Rote schwarz, mit gleichem Fehler scheint sein geistiger Blick in
Sachen der politischen Ökonomie behaftet zu sein.“ p.
XXIX.

Um die ganze Gemeinheit dieser Expektoration zu würdigen,
muss man den Ort kennen, woher Herr List seine Notiz genommen hat.
Sismondi in seinem „Etudes sur l'économie
politique“ sagt, wo er von der Verwüstung der Campagna
von Rom spricht: „Die reichen Teinten der Campagna von Rom
... entschwinden selbst gänzlich unseren Augen, für
welche der rote Strahl nicht existiert.“ p. 8 (Brüsseler
Nachdruck 1838, T.E.), Er erklärt es daraus, dass „der
Reiz, der alle andern Reisenden zu Rom verführt“,
für ihn zerstört sei, und er „daher ein um so
offeneres Auge für den realen bejammernswerten Zustand der
Einwohner der Campagna“ habe.

Wenn Herr von Sismondi nicht die himmelroten Teinten sah, die
Herrn List die ganze Industrie magisch beleuchten, so sah er
dagegen den
roten Hahn
auf den Dächern (Giebeln)
dieser Fabriken. Wir werden später Gelegenheit haben, Lists
Urteil, dass des „Herrn von Sismondi Schriften in Beziehung
auf den internationalen Handel und die Handelspolitik ohne allen
Wert“ (p. XXIX) seien (zu betrachten).

Erklärt Herr List Smiths System aus dessen
persönlicher Ruhmsucht (p. 476) und verstecktem englischem
Krämergeist, Says System aus Rachsucht und als ein
Geschäft, so sinkt er bei Sismondi so weit, dessen System aus
Gebrechen in Sismondis leiblicher Konstitution zu
erklären.

4. Die Originalität des Herrn List

Höchst charakteristisch ist es für Herrn
List, dass er trotz aller Renommage
keinen einzigen Satz

vorlegt, der nicht längst vor ihm nicht nur von Verteidigern
des Prohibitivsystems, sondern selbst von den Schriftstellern der
von Herrn List erfundnen „Schule“ – wenn Adam
Smith der theoretische Ausgangspunkt für die
Nationalökonomie ist, so ist ihr wirklicher Ausgangspunkt,
ihre wirkliche Schule die „bürgerliche
Gesellschaft“, deren verschiedne Entwicklungsphasen man genau
in der Ökonomie verfolgen kann – aufgestellt worden
wäre. Nur die Illusionen und die idealisierenden Phrasen
(Sprache) gehören Herrn List.

Wir halten es für wichtig, dies im einzelnen dem Leser
nachzuweisen und müssen seine Aufmerksamkeit für diese
langweilige Arbeit in Anspruch nehmen. Er wird daraus die
Überzeugung schöpfen, dass der deutsche Bourgeois post
festum kommt, dass es ebenso unmöglich für ihn ist, die
von den Engländern und Franzosen erschöpfte
Nationalökonomie weiterzuführen, als es für jene
etwa wäre, noch der Bewegung der Philosophie in Deutschland
irgend etwas Neues beizubringen. Der deutsche Bürger kann nur
noch seine Illusionen und Phrasen zu der französischen und
englischen Wirklichkeit hinzubringen. So wenig es ihm aber
möglich ist, der Nationalökonomie eine neue Entwicklung
zu geben, noch unmöglicher ist es ihm, die Industrie in der
Praxis, die bisherige fast erschöpfte Entwicklung auf den
bisherigen Grundlagen der Gesellschaft weiterzuführen.

5. Wir beschränken unsre Kritik also auf den theoretischen
Teil des Listschen Buchs und zwar auch nur auf seine
Hauptentdeckungen.

Welche Hauptsätze hat Herr List zu beweisen? Fragen wir
nach dem Zweck, den er erreichen will.

1) Der Bourgeois will Schutzzölle vom Staat, um Staatsmacht
und Reichtum an sich zu reißen. Da er aber nicht, wie in
England und Frankreich, den Staatswillen zu seiner Disposition hat
und ihn daher nicht willkürlich nach seinem Willen lenken
kann, sondern sich aufs Bitten legen muss, so muss er den Staat,
dessen Handlungsweise (Tätigkeit) er nach seinen Interessen
regeln will, er muss seine Forderung an den Staat als eine
Konzession darstellen, die er dem Staat macht, indem er
Konzessionen von ihm verlangt. Er lässt also dem Staat durch
Herrn List beweisen, dass seine Theorie von allen andern sich
dadurch unterscheide, dass er dem Staat einen Eingriff und Reglung
der Industrie erlaube, dass er von seiner ökonomischen
Einsicht die allerhöchste .Ansicht habe und ihn nur darum
bitte, seiner Weisheit freien Lauf zu lassen, natürlich
vorbehaltlich, dass diese Weisheit sich darauf beschränke,
„kräftige“ Schutzzölle zu geben. Sein
Verlangen, dass der Staat seinem Interesse gemäß handle ,
stellt er als Anerkennung des Staats dar, dass der Staat das Recht
habe, sich in die Welt der bürgerlichen Gesellschaft
einzumischen.

2) Der Bürger will reich werden, Geld machen; er muss sich
aber zugleich mit dem bisherigen Idealismus des deutschen Publici
und seinem eignen Gewissen verständigen. Er beweist also, dass
er nicht den ungeistigen, materiellen Gütern nachjagt, sondern
einem
geistigen Wesen,
der unendlichen

Produktivkraft
, statt dem schlechten endlichen

Tauschwerte
. Dies geistige Wesen führt allerdings den
Umstand mit sich, dass der „Bürger“ seine eignen
Taschen bei dieser Gelegenheit mit weltlichen Tauschwerten
füllt. Da der Bürger nun hauptsächlich durch
„Schutzzölle“ reich zu werden denkt, und da die
Schutzzölle ihn nur bereichern können, insofern nicht
mehr die Engländer, sondern der deutsche Bürger selbst
seine
Landsleute exploitiert
, ja
mehr

exploitiert, als sie von außen exploitiert worden sind, da die
Schutzzölle ein Opfer von Seiten der Konsumenten (meistens der
Arbeiter, die durch Maschinen verdrängt werden sollen, aller
derer, die ein fixes Einkommen beziehn wie Beamte, die Grundrentner
etc.) an Tauschwerten verlangen, so muss der industrielle
Bürger beweisen, dass er, weit entfernt vom Haschen nach
materiellen Gütern, nichts andres wolle, als das Opfern von
Tauschwerten, von materiellen Gütern für geistiges Wesen.
Im Grunde handelt es sich also nur um
Selbstaufopferung
,
um
Asketismus
, um christliche

Seelengröße
. Es ist ein reiner Zufall, dass A
das Opfer bringt und B das Opfer in die Tasche steckt. Der deutsche
Bürger ist viel zu uneigennützig, um dabei an seinen
Privatvorteil zu denken, der sich zufällig mit dem Opfer
verknüpft findet. Sollte es sich aber finden, dass eine
Klasse, deren Erlaubnis der deutsche Bürger zu seiner
Emanzipation zu bedürfen meint, mit jener geistigen Theorie
nicht zusammen bestehn kann, so muss sie hier aufgegeben und im
Gegensatz zur Schule grade die Theorie der Tauschwerte geltend
gemacht werden.

3) Da der ganze Wunsch des Bürgertums in nuce darauf
hinausläuft, das Fabrikwesen zu einer „englischen“
Blüte zu bringen und den Industrialismus zum Regulator der
Gesellschaft zu machen, d.h. die Desorganisation der Gesellschaft
zu produzieren, so muss der Bürger beweisen, dass es ihm nur
um ein Harmonieren aller gesellschaftlichen Produktion zu tun, um
die gesellschaftliche Organisation zu tun ist. Den
äußeren Handel beschränkt er durch Schutzzölle,
der Ackerbau, behauptet er, erreiche rasch seine höchste
Blüte durch die Manufaktur. Die Organisation der Gesellschaft
resümiert sich also in den Fabriken. Sie sind die
Organisatoren der Gesellschaft, und das Regime der Konkurrenz, das
sie aufbringen, ist die schönste Konföderation der
Gesellschaft, Die Organisation der Gesellschaft, die das
Fabrikwesen schafft, ist die
wahre Organisation der
Gesellschaft
.

Gewiss hat das Bürgertum Recht, wenn es im allgemeinen
seine Interessen als identisch fasst, wie der
Wolf
als

Wolf
identisches (dasselbe) Interesse an seinen
Mitwölfen hat, so sehr es das Interesse des einen ist, dass er
und nicht der andre über die Beute herfalle.

6) Charakteristisch ist es endlich für Herrn Lists Theorie,
wie für das ganze deutsche Bürgertum, dass sie zur
Verteidigung ihrer Exploitationswünsche überall
genötigt ist, zu „sozialistischen“ Phrasen ihre
Zuflucht zu nehmen, also gewaltsam eine Täuschung
festzuhalten, die längst widerlegt ist. Wir werden
stellenweise zeigen, dass Herrn Lists Phrasen, wenn die
Konsequenzen gezogen werden,
kommunistisch
sind. Wir sind
gewiss weit entfernt, einem Herrn List und seinem deutschen
Bürgertum Kommunismus vorzuwerfen, aber es bietet uns dies den
neuen Beweis von der innren Schwäche, Lüge und infamen
Heuchelei des „gutmütigen“,
„idealistischen“ Bürgers. Es bietet und dies den
Beweis, wie der Idealismus in seiner Praxis nichts andres als die
gewissenlose und gedankenlose Täuschung eines widerlichen
Materialismus ist. Es ist dies endlich charakteristisch, dass das
deutsche Bürgertum mit der Lüge, womit das
französische und englische
endet
– nachdem es
in die Stellung gekommen ist, sich apologetisieren, seine Existenz
entschuldigen zu müssen – beginnt.

7) Da Herr List die bisherige angeblich kosmopolitische
Nationalökonomie von der seinigen nationalen politischen
unterscheidet, dass die eine auf den Tauschwerten, die andre auf
den produktiven Kräften beruht, so haben wir mit dieser Lehre
zu beginnen. Da ferner die Konföderation der produktiven
Kräfte die Nation in ihrer Einheit darstellen soll, so haben
wir auch diese Lehre vor jener Unterscheidung zu betrachten. Diese
beiden Lehren bilden die
reale
Grundlage für die von
der politischen Ökonomie unterschiedne nationale
Ökonomie.

Es darf Herrn List nirgends einfallen, dass die wirkliche
Organisation der Gesellschaft ein geistloser Materialismus, ein
individueller Spiritualismus, Individualismus ist. Es kann ihm
nirgends einfallen, dass die Nationalökonomen nur diesem
gesellschaftlichen Zustand einen entsprechenden theoretischen
Ausdruck gegeben haben. Er müsste sich ja sonst gegen die
jetzige
Organisation der Gesellschaft
, statt gegen die
Nationalökonomen wenden. Er klagt sie an, keinen
beschönigenden Ausdruck für eine trostlose Wirklichkeit
gefunden zu haben. Er will diese Wirklichkeit daher überall
lassen, wie sie ist, und nur den Ausdruck verändern. Er
kritisiert nirgends die wirkliche Gesellschaft, er kritisiert als
echter Deutscher den theoretischen Ausdruck dieser Gesellschaft und
wirft ihm vor, die Sache und nicht die Einbildung von der Sache
auszudrücken.

Die Fabrik ist in eine Göttin verwandelt, die der
Manufakturkraft.

Der Fabrikant ist der Priester dieser Kraft.

II. Die Theorie der produktiven Kräfte und die Theorie der
Tauschwerte

1) Die Lehre des Herrn List von den
„produktiven Kräften“ beschränkt sich auf
folgende Hauptsätze:

a) „Die
Ursachen
des Reichtums sind etwas ganz
andres als der Reichtum selbst;“ „Die Kraft,
Reichtümer zu schaffen, ist unendlich wichtiger als der
Reichtum selbst“, (p. 201)

b) List ist weit entfernt, die Theorie der kosmopolitischen
Ökonomie zu verwerfen, nur ist er der Meinung, dass auch die
politische Ökonomie wissenschaftlich auszubilden sei. (vgl. p.
187)

c) „Was denn die Ursache der Arbeit“ ? –
„Wodurch diese Köpfe und diese Arme und Hände zur
Produktion veranlasst, und wodurch diesen Anstrengungen Wirksamkeit
gegeben werde? Was kann es anders sein als der
Geist
, der
die Individuen belebt, als die gesellschaftliche Ordnung, welche
ihre Tätigkeit befruchtet, als die Naturkräfte, deren
Benutzung ihnen zu Gebote stehen?“ (p. 205)

6) Smith „geriet auf den Abweg, die geistigen Kräfte
aus den materiellen Verhältnissen zu erklären“, (p.
207)

7) „Diejenige Wissenschaft, die da lehrt, wie die

produktiven
Kräfte geweckt und gepflegt und wie sie
unterdrückt oder vernichtet werden.“ (ebenda)

8) Beispiel zwischen den 2 Familienvätern, christliche
Religion , Monogamie etc. (vgl. p. 208-209)

9) Man kann die Begriffe von Wert und Kapital, Profit,
Arbeitslohn, Landrente festsetzen, sie in ihre Bestandteile
auflösen, darüber spekulieren, was auf ihr Steigen und
Fallen Einfluss haben könne usw., ohne dabei die politischen
Verhältnisse der Nationen zu berücksichtigen“, (p.
211)

Übergang nach

10) Manufakturen und Fabriken, Mütter und Kinder der
bürgerlichen Freiheit (vgl. p. 212)

11) Theorie von den produktiven und unproduktiven Klassen.
Erstere „produzieren Tauschwerte, diese produzieren
produktive Kräfte...“ (p. 215)

12) Der auswärtige Handel darf nicht allein nach der
Theorie der Werte beurteilt werden, (vgl. p. 216)

13) „Die Nation muss materielle [...] Kräfte [...]
aufopfern, um geistige oder gesellschaftliche Kräfte zu
erwerben“, (ebenda.) Schutzzölle zur Aufbringung der
Manufakturkraft, (vgl. p. 217)

14) „Wird daher durch die Schutzzölle ein Opfer an

Werten
gebracht, so wird dasselbe durch die Erwerbung von
Produktivkräften vergütet, die der Nation nicht allein
für die Zukunft eine unendlich größere Summe von
materiellen Gütern, sondern auch industrielle Independenz
für den Fall des Krieges sichert.“ (ebenda)

15) „In allen diesen Beziehungen hängt jedoch das
meiste von den Zuständen der Gesellschaft ab, in welchem das
Individuum sich gebildet, davon, ob Künste und Wissenschaften
blühen..“ p. 206.

2) Herr List ist so sehr in den ökonomischen
Vorurteilen der alten Ökonomie befangen – wir werden
sehn, mehr als die andern Ökonomen der Schule befangen -, dass
„materielle Güter“ und „Tauschwerte“
ihm völlig zusammenfallen. Der Tauschwert ist aber völlig
unabhängig von der spezifischen Natur der „materiellen
Güter“. Er ist unabhängig von der Qualität,
wie von der Quantität der materiellen Güter. Der
Tauschwert fällt, wenn die Quantität der materiellen
Güter steigt, obgleich sie vor wie nach dieselbe Beziehung zu
den menschlichen Bedürfnissen haben. Der Tauschwert hängt
nicht mit der Qualität zusammen. Die nützlichsten Sachen,
wie Wissen, sind ohne Tauschwert. Herr List hätte also einsehn
müssen, dass die Verwandlung der materiellen Güter in
Tauschwerte ein Werk der bestehnden gesellschaftlichen Ordnung, der
Gesellschaft des entwickelten Privateigentums ist. Die

Aufhebung des Tauschwerts
ist die
Aufhebung des
Privateigentums
und des
Privaterwerb
s. Herr List ist
dagegen so naiv zuzugestehn, dass man mit der Theorie der
Tauschwerte „die Begriffe von Wert und Kapital, Profit,
Arbeitslohn, Landrente festsetzen, sie in ihre Bestandteile
auflösen, darüber spekulieren“ kann, „was
(auf) ihr Steigen und Fallen Einfluss haben könne usw., ohne
dabei die politischen Verhältnisse der Nationen zu
berücksichtigen“, p. 211.

Also ohne Rücksicht auf die „Theorie der produktiven
Kräfte“ und die „politischen Verhältnisse der
Nationen“ kann man dies alles „festsetzen“. Was
setzt man damit fest? Die Wirklichkeit. Was setzt man z. B. mit dem
Arbeitslohn fest? Das Leben der Arbeiter. Man setzt weiter damit
fest, dass der Arbeiter der Sklave des Kapitals, dass er eine
„Ware“ ist, ein Tauschwert, dessen höherer oder
niedrigerer Stand, Steigen oder Fallen, von der Konkurrenz, von der
Nachfrage und Zufuhr abhängt, man setzt damit fest, dass seine
Tätigkeit nicht eine freie Äußerung seines
menschlichen Lebens, dass sie vielmehr ein Verschachern seiner
Kräfte, eine Veräußerung (Verschacherung)
einseitiger Fähigkeiten desselben an das Kapital, mit einem
Wort, dass sie „
Arbeit
“ ist. Man vergesse es
nun. Die „
Arbeit
“ ist die lebendige Grundlage
des Privateigentums, das Privateigentum als die schöpferische
Quelle seiner selbst. Das Privateigentum ist nichts als die

vergegenständlichte
Arbeit. Nicht allein das
Privateigentum als
sachlichen Zustand
, das Privateigentum
als
Tätigkeit
, als
Arbeit
, muss man
angreifen, wenn man ihm den Todesstoß versetzen will. Es ist
eines der größten Missverständnisse, von freier,
menschlicher, gesellschaftlicher Arbeit, von Arbeit ohne
Privateigentum zu sprechen. Die „
Arbeit
“ ist
ihrem Wesen nach die unfreie, unmenschliche, ungesellschaftliche,
vom Privateigentum bedingte und das Privateigentum schaffende
Tätigkeit. Die Aufhebung des Privateigentums wird also erst zu
einer Wirklichkeit, wenn sie als Aufhebung der „Arbeit“
gefasst wird, eine Aufhebung, die natürlich erst durch die
Arbeit selbst möglich geworden ist, d. h. durch die materielle
Tätigkeit der Gesellschaft möglich geworden, und
keineswegs als Vertauschung einer Kategorie mit einer andern zu
fassen ist. Eine „Organisation der Arbeit“ ist daher
ein Widerspruch.
Die
beste Organisation, welche die Arbeit
erhalten kann, ist die jetzige Organisation, die freie Konkurrenz,
die Auflösung aller frühern scheinbar
„gesellschaftlichen“ Organisationen derselben. -

Wenn also der Arbeitslohn nach der Theorie der Werte
„festgesetzt“ werden kann, wenn damit
„festgesetzt“ wird, dass der Mensch selbst ein
Tauschwert, dass die unendliche Majorität der Nationen eine

Ware
ist, die man ohne Rücksicht auf die
„politischen Verhältnisse der Nationen“ bestimmen
kann, was beweist dies andres, als dass diese unendliche
Majorität der Nationen keine Rücksicht auf die
„politischen Verhältnisse“ zu nehmen hat, dass
diese eine reine
Illusion
für sie sind, dass eine
Lehre, die in der Wirklichkeit zu diesem schmutzigen Materialismus
herabsteigt, die Majorität der Nationen zur
„Ware“, zum „Tauschwert“ zu machen und sie
den ganz materiellen Verhältnissen des Tauschwerts zu
unterwerfen, eine infame Heuchelei und idealistische
Beschönigung (Flause) ist, wenn sie andern Nationen
gegenüber verächtlich auf den schlechten
„Materialismus“ der „Tauschwerte“
herabsieht und es ihr angeblich nur um die „produktiven
Kräfte“ zu tun (ist)? Wenn ferner das Verhältnis
von Kapital, Grundrente etc., ohne die „politischen
Verhältnisse“ der Nationen zu berücksichtigen,
„festgesetzt“ werden kann, was beweist dies andres, als
dass der industrielle Kapitalist, der Grundrentner durch den
Profit, durch die Tauschwerte und nicht durch die Rücksicht
„auf die politischen Verhältnisse“ und
„Produktivkräfte“ in ihren Handlungen, in ihrem
wirklichen Leben bestimmt werden und dass ihr Schwatzen von
Zivilisation und Produktivkräften nur eine Beschönigung
borniert-egoistischer Tendenzen ist?

Der Bourgeois sagt: Nach innen hin soll natürlich der
Theorie der Tauschwerte kein Abbruch getan werden, die
Majorität der Nation soll ein bloßer
„Tauschwert“, eine „Ware“ bleiben, eine
Ware, die sich selbst an den Mann bringen muss, die nicht verkauft
wird, sondern sich selbst verkauft. Euch Proletariern
gegenüber und selbst unter uns wechselseitig betrachten wir
uns als Tauschwerte, gilt das Gesetz des allgemeinen

Schachers
. Aber den andern Nationen gegenüber, da
müssen wir dies Gesetz unterbrechen. Wir können uns als
Nation nicht an andre verschachern. Da nun die Majorität der
Nationen „ohne Rücksicht“ auf die
„politischen Verhältnisse der Nationen“ den
Gesetzen des Schachers anheim gefallen ist, so hat jener Satz also
keinen andern Sinn als: wir deutschen Bourgeois wollen nicht von
den englischen Bourgeois exploitiert werden in der Weise, wie ihr
deutschen Proletarier von uns exploitiert werdet und wie wir uns
wechselseitig untereinander exploitieren. Wir wollen nicht uns
denselben Gesetzen des Tauschwerts preisgeben, denen wir Euch
preisgeben. Wir wollen nach außen hin die ökonomischen
Gesetze, die wir nach innen hin anerkennen, nicht mehr anerkennen.
Was will also der deutsche Philister? Er will nach innen hin

Bourgeois
, Exploiteur sein, aber er will nach außen
hin nicht exploitiert werden. Er bläht sich nach außen
hin zur „Nation“ auf und sagt: ich unterwerfe mich
nicht den Gesetzen der Konkurrenz, das ist gegen meine nationale
Würde, ich bin als Nation ein über den Schacher erhabnes
Wesen. -

Die Nationalität des Arbeiters ist nicht französisch,
nicht englisch, nicht deutsch, sie ist die
Arbeit
, da
s
freie Sklaventum
, die
Selbstverschacherung
. Seine
Regierung ist nicht französisch, nicht englisch, nicht
deutsch, sie ist das
Kapital
. Seine heimatliche Luft ist
nicht die französische, nicht die deutsche, nicht die
englische Luft, sie ist die
Fabrikluft
. Der ihm
gehörige Boden ist nicht der französische, nicht der
englische, nicht der deutsche Boden, er ist einige Fuß

unter der Erde.
-

Nach innen hin ist das Geld das Vaterland des Industriellen.
Also der deutsche Philister will, dass die Gesetze der Konkurrenz,
des Tauschwerts, des Schachers ihre Macht an den Schlagbäumen
seines Landes verlieren? Er will die Macht der bürgerlichen
Gesellschaft nur so weit anerkennen, als es
in seinem
Interesse
, im Interesse seiner Klasse liegt? Er will einer
Macht nicht zum Opfer fallen, der er andere
opfern
will,
und sich selbst innerhalb seines Landes opfert? Er will sich nach
außen hin als ein andres Wesen zeigen und behandelt werden,
als er nach innen hin ist und selbst handelt? Er will die

Ursache
bestehn lassen und eine ihrer
Wirkungen

aufheben? Wir werden ihm beweisen, dass die Selbstverschacherung
nach innen zu ihrer notwendigen Konsequenz die Verschacherung nach
außen hat, dass die Konkurrenz, die nach innen hin seine Macht
ist, nicht verhindern kann, nach außen hin seine Ohnmacht zu
werden, dass das Staatswesen, was er nach innen hin der
bürgerlichen Gesellschaft unterwirft, nach außen hin ihn
nicht vor der Aktion der bürgerlichen Gesellschaft
beschützen kann. Der Bourgeois hat, so sehr der einzelne
Bourgeois gegen die andern kämpft, als
Klasse
ein
gemeinschaftliches Interesse, und diese Gemeinschaftlichkeit, wie
sie nach innen hin gegen das Proletariat gekehrt ist, ist nach
außen hin gegen die Bourgeois andrer Nationen gekehrt. Das
nennt der Bourgeois seine
Nationalität
. -

2) Es ist allerdings möglich, die Industrie
unter einem ganz andern Gesichtspunkt zu betrachten, als unter dem
Gesichtspunkt des schmutzigen Schacherinteresses, worunter sie
nicht nur der einzelne Kaufmann, der einzelne Fabrikant, sondern
die fabrizierenden und handelnden Nationen heutzutage wechselseitig
betrachten. Man kann sie betrachten als die große
Werkstätte, worin der Mensch sich selbst, seine eignen und die
Naturkräfte erst aneignet, sich vergegenständlicht, sich
die Bedingungen zu einem menschlichen Leben geschaffen hat. Wenn
man sie so betrachtet, so
abstrahiert
man von den

Umständen
, innerhalb deren heute die Industrie
tätig ist, innerhalb deren sie
als Industrie

existiert, man steht
nicht
in der industriellen Epoche,
man steht
über
ihr, man betrachtet sie nicht nach
dem, was sie heute für den
Menschen
ist, sondern nach
dem, was der heutige Mensch für die

Menschengeschichte
, was er geschichtlich ist, man erkennt
nicht die
Industrie
als solche, ihre heutige

Existenz
an, man erkennt vielmehr in ihr die ohne ihr
Bewusstsein und wider ihren Willen in ihr liegende Macht an, die
sie
vernichtet
und die Grundlage für eine

menschliche
Existenz bildet. (Dass jedes Volk in sich
selbst diese Entwicklung durchmacht, wäre eine ebenso
törichte Ansicht, als dass jedes Volk die politische
Entwicklung Frankreichs oder die philosophische Entwicklung
Deutschlands durchmachen müsste. Was die Nationen als Nationen
getan haben, haben sie für die menschliche Gesellschaft getan,
ihr ganzer Wert besteht nur darin, dass eine jede (Nation) eine
Hauptbestimmung (Hauptgesichtspunkt), innerhalb deren die
Menschheit ihre Entwicklung durchgemacht, für die andern
durchgemacht hat, und nachdem also die Industrie in England, die
Politik in Frankreich, die Philosophie in Deutschland verarbeitet
sind, sind sie für die Welt verarbeitet, und ihre
weltgeschichtliche Bedeutung, wie die der Nationen, hat damit
aufgehört.) Die Anerkennung ist dann zugleich die Erkenntnis,
dass ihre Stunde gekommen ist, abgeschafft zu werden oder die
materiellen und gesellschaftlichen Bedingungen aufzuheben,
innerhalb deren die Menschheit als eine Sklave ihre
Fähigkeiten entwickeln musste. Denn sobald man in der
Industrie nicht mehr das Schacherinteresse, sondern die Entwicklung
des Menschen sieht, macht man den Menschen statt des
Schacherinteresses zum Prinzip und gibt dem, was in der Industrie
nur im Widerspruch mit ihr selbst sich entwickeln konnte, die
Grundlage, die im Einklang mit dem zu Entwickelnden steht. Aber der
Elende, der in dem heutigen Zustand stehn bleibt, der ihn nur zu
einer Höhe erheben will, die er in seinem eignen Lande noch
nicht erreicht hat, und aus.. .Neid auf eine andre Nation blickt,
die ihn erreicht hat, hat dieser Elende das Recht, in der Industrie
etwas andres als das Schacherinteresse zu erblicken? Darf er sagen,
es sei ihm nur um die Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten
und die menschliche Aneignung der Naturkräfte zu tun? Es ist
dieselbe
Niedertracht
, als wenn der Sklavenaufseher
renommierte, die Peitsche auf seinen Sklaven zu schwingen, damit
der Sklave Vergnügen habe, seine
Muskelkraft
zu
üben. Der deutsche Philister ist der Sklavenaufseher, der die
Peitsche der Schutzzölle schwingt, um seiner Nation den Geist
der „industriellen Erziehung“ zu geben und sie mit
ihren Muskelkräften spielen zu lehren. Die

saint-simonistische
Schule hat uns ein lehrreiches
Beispiel gegeben, wohin es führt, wenn man die
produktive
Macht
, welche die Industrie wider ihren Willen und bewusstlos
schafft, der heutigen Industrie zugut schreibt und beides
verwechselt, die
Industrie
und die
Mächte
,
die die
Industrie
bewusstlos und willenlos ins Leben
beruft, die aber erst zu menschlichen Mächten, zur Macht des
Menschen werden, sobald man die Industrie abschafft. Es ist
dieselbe Abgeschmacktheit, als wollte der Bourgeois sich zugute
schreiben, dass
seine
Industrie das Proletariat und im
Proletariat die Macht einer neuen Weltordnung schaffe. Die
Naturmächte und sozialen Mächte, welche die Industrie ins
Leben beschwört (ruft), stehn ganz in demselben
Verhältnis zu ihr wie das Proletariat. Heute noch sind sie
seine Sklaven, in denen er nichts als Träger (Werkzeuge)
seiner eigennützigen (schmutzigen) Profithabsucht sieht,
zerbrechen sie morgen ihre Ketten und zeigen sich als Träger
einer menschlichen Entwicklung, die ihn mit seiner Industrie in die
Luft sprengt, die nur die schmutzige Hülle angenommen hatte,
die er für ihr Wesen hielt, bis der menschliche Kern Macht
genug gewonnen hatte, sie zu sprengen und in seiner eignen Gestalt
zu erscheinen; morgen zersprengen sie die Ketten, wodurch er (der
Bourgeois) sie vom Menschen trennt und so aus einem wirklichen
gesellschaftlichen Band in Ketten der Gesellschaft verwandelt
(karikiert). -

Die saint-simonistische Schule feierte in Dithyramben die
produktive Macht der Industrie. Sie warf die Mächte, welche
die Industrie ins Leben ruft, zusammen mit der Industrie, d. h. den
heutigen Lebensbedingungen dieser Mächte. Wir sind gewiss weit
entfernt, die Saint-Simonisten mit einem Menschen wie List oder dem
deutschen Philister auf eine Stufe zu stellen. Der erste Schritt,
den industriellen Bann zu brechen, war es, zu abstrahieren von den
Bedingungen, von den Geldketten, in denen heute ihre Mächte
wirken, und sie für sich zu betrachten. Es war der erste
Aufruf an die Menschen, ihre Industrie vom Schacher zu emanzipieren
und die heutige Industrie als eine Durchgangsepoche zu begreifen.
Die Saint-Simonisten blieben auch nicht bei dieser Interpretation

stehn
. Sie gingen dazu fort, den Tauschwert, die
Organisation der heutigen Gesellschaft, das Privateigentum
anzugreifen. Sie setzten die Assoziation an die Stelle der
Konkurrenz. Aber der ursprüngliche Irrtum rächte sich an
ihnen. Nicht nur, dass jene Verwechslung sie zu dem Wahn fortriss,
in dem schmutzigen Bourgeois einen Priester zu erblicken, so fielen
sie nach den ersten äußern Kämpfen zurück in
die alte Verwechslung (Wahn), aber nun, wo grade im Kampfe sich der
Gegensatz der beiden Mächte, die sie verwechselt hatten,
offenbarte, heuchlerisch. Ihre Feier der produktiven Kräfte
der Industrie war zur Feier der Bourgeoisie geworden, und Herr
Michel Chevalier, Herr Duvergier, Herr Dunoyer haben sich selbst
und ihn vor ganz Europa an den Schandpfahl geheftet – wo noch
die faulen Eier, die die Geschichte ihnen in das Gesicht wirft,
durch die Magie der Bourgeoisie sich in goldene Eier verwandeln
– indem der eine die alten Phrasen beibehalten hat, aber
ihnen den Inhalt des heutigen Bourgeoisregimes gegeben, der zweite
selbst den Schacher im großen treibt und der Verschacherung
der französischen Journale präsidiert, der dritte aber
ist der wütendste Apologet des heutigen Zustandes geworden und
übertrifft an Unverschämtheit (Unmenschlichkeit) alle
frühem englischen und französischen Ökonomen.
– Der deutsche Bourgeois und Herr List beginnen, womit die
saint-simonistische Schule aufgehört, mit der

Heuchelei
, dem
Betrug und
den

Phrasen
.

3) Englands industrielle Tyrannei über die Welt
ist die Herrschaft der Industrie über die Welt. England
beherrscht uns, weil die Industrie uns beherrscht. Wir können
uns nur nach außen hin von England befreien, wenn wir uns nach
innen hin von der Industrie befreien. Wir können seine
Konkurrenzherrschaft nur töten, wenn wir innerhalb unserer
Pfähle die Konkurrenz überwinden. England ist
mächtig über uns, weil wir die Industrie zur Macht
über uns gemacht haben. Dass die industrielle
Gesellschaftsordnung die beste Welt für den Bourgeois ist, die
geeignetste Ordnung, um seine „Fähigkeiten“ als
Bourgeois zu entwickeln und die Fähigkeit, die Menschen wie
die Natur auszubeuten, wer wird diese
Tautologie

bestreiten? Dass alles, was heutzutage „Tugend“
heißt, individuelle oder gesellschaftliche Tugend, zum Profit
des Bürgers ist, wer bestreitet es? Wer bestreitet, dass die
politische Macht ein Mittel seines Reichtums ist, dass selbst die
Wissenschaft und die geistigen Genüsse seine Sklaven sind! Wer
bestreitet es? Dass für ihn alles trefflich .., ist? Dass
alles ihm zum Mittel des Reichtums, zu einer „Produktivkraft
des Reichtums“ geworden ist?

4) Die heutige Ökonomie geht von dem
Gesellschaftszustand der Konkurrenz aus. Die freie Arbeit, d. h.
die indirekte, sich selbst feilbietende Sklaverei ist ihr Prinzip.
Ihre ersten Sätze sind die Teilung der Arbeit und die
Maschine. Diese können aber nur zu ihrer höchsten
Entfaltung in den Fabriken gebracht werden, wie die heutige
Ökonomie selbst zugesteht. Die heutige Nationalökonomie
geht also von den Fabriken als ihrem schöpferischen Prinzip
aus. Sie unterstellt die heutigen Gesellschaftszustände. Sie
braucht also keine Weitläufigkeiten über die
Manufakturkraft zu machen.

Wenn die Schule der Theorie der produktiven Kräfte

neben
.
getrennt
von der Theorie der Tauschwerte,
keine „
wissenschaftliche Ausbildung
“ gegeben
hat, so hat sie es getan, weil eine solche Trennung eine
willkürliche Abstraktion ist, weil sie unmöglich ist und
bei allgemeinen Phrasen stehnbleiben muss.

5) „Die Ursachen des Reichtums sind etwas ganz
andres als der Reichtum selbst. Die Kraft, Reichtümer zu
schaffen, ist unendlich wichtiger als der Reichtum selbst.“
(p. 201) Die produktive Kraft erscheint als ein unendlich erhabnes
Wesen über den Tauschwert. Die Kraft nimmt die Stelle des
Innern Wesens in Anspruch, der Tauschwert die der
verfänglichen Erscheinung. Die Kraft erscheint als unendlich,
der Tauschwert als endlich, jene als immateriell, dieser als
materiell, und alle diese Gegensätze finden wir bei Herrn
List. In die materielle Welt der Tauschwerte tritt daher die
übersinnliche Welt der Kräfte. Wenn die Gemeinheit, dass
eine Nation sich für Tauschwerte aufopfert, auf der Hand
liegt, das Menschenopfer für Sachen, so erscheinen dagegen
Kräfte selbständige geistige Wesen – Gespenster
– zu sein und pure Personifikationen, Gottheiten, und an das
deutsche Volk darf man doch wohl die Forderung stellen, dass es die
schlechten Tauschwerte für Gespenster aufopfert? Ein
Tauschwert, Geld, scheint immer ein äußrer Zweck zu sein,
aber produktive Kraft ein Zweck, der aus meiner Natur selbst
hervorgeht, ein Selbstzweck. Was ich also an Tauschwerten opfre,
ist etwas mir Äußerliches; was ich an
Produktivkräften gewinne, ist meine Selbstgewinnung. –
So
scheint
es, wenn man sich mit dem Worte begnügt
oder als idealisierender Deutscher um die schmutzige Wirklichkeit,
die hinter diesem hochtrabenden Worte liegt, sich nicht
bekümmert.

Um den mystischen Schimmer, der die
„
Produktivkraft
“ verklärt, zu
zerstören, hat man nur die erste beste Statistik
aufzuschlagen. Da wird von Wasserkraft, Dampfkraft, Menschenkraft,
Pferdekraft gesprochen. Das sind alles „produktive
Kräfte“. Ist es eine große Anerkennung des
Menschen, dass er mit dem Pferd, dem Dampf, dem Wasser als
„Kraft“ figuriert? In dem jetzigen System, wenn ein
krummer Rücken, eine Verrenkung der Knochen, eine einseitige
Ausbildung und Kraftgewinnung gewisser Muskeln etc. dich
produktiver (arbeitsfähiger) macht, so ist dein krummer
Rücken, deine Verrenkung der Glieder, deine einseitige
Muskelbewegung eine produktive Kraft. Wenn deine Geistlosigkeit
produktiver ist als deine reiche Geistestätigkeit, so ist
deine Geistlosigkeit eine produktive Kraft etc. etc Wenn ein
monotones Geschäft dich fähiger für dasselbe
Geschäft macht, so ist die Monotonie eine produktive
Kraft.

Ist es dem Bourgeois, dem Fabrikanten etwa darum zu tun, dass
der Arbeiter alle seine Fähigkeiten entwickle, sein
Produktionsvermögen betätige, sich selbst menschlich
betätige und darum zugleich das Menschliche betätige ?
Wir lassen darauf den englischen
Pindar
des
Manufaktursystems, Herrn Ure, antworten:

„Der beständige Zweck und die Tendenz jeder
Vervollkommnung im Mechanismus ist in Wirklichkeit, die Arbeit des
Menschen gänzlich überflüssig zu machen oder ihren
Preis zu vermindern, indem sie die Industrie der Frauen und der
Kinder der Industrie des erwachsnen Arbeiters oder die

.
Arbeit plumper (ungeschickter) Arbeiter der des
geschickten Künstlers substituiert.“ (Philosophie des
manufactures etc. Paris 1836,T.I.
[9*]
p.34.)
„Die Schwäche der menschlichen Natur ist so groß,
dass der Arbeiter, je geschickter er ist, er desto eigenwilliger
und intraitabler wird und folglich minder geeignet ist für ein

mechanisches
System… Der große Point des
heutigen Fabrikanten ist daher, durch Kombination der Wissenschaft
mit seinen Kapitalien die Aufgabe seiner Arbeiter darauf zu
reduzieren, ihre Aufsicht auszuüben etc.“ l.c.,t.I., p.
30

Kraft, produktive Kraft, Ursachen

„ Die Ursachen des Reichtums sind etwas ganz
anderes als der Reichtum selbst.“ (List, p. 201) Aber wenn
die Wirkung von der Ursache verschieden ist, muss nicht der
Charakter der Wirkung schon inklusive in der Ursache enthalten
sein? Schon die Ursache muss die Bestimmung tragen, welche die
Wirkung später zeigt. Die Philosophie des Herrn List geht so
weit zu wissen, dass Ursache und Wirkung „etwas ganz
andres“ sind. Eine schöne Anerkennung des Menschen, die
ihn zu einer
„Kraft“
, Reichtum zu schaffen,
herabsetzen (will). Der Bürger sieht in dem Proletarier nicht
den
Menschen
, sondern die
Kraft
, Reichtum zu
schaffen, eine Kraft, die er dann auch vergleichen kann mit andern
Produktivkräften, dem Tier, der Maschine, und je nachdem die
Vergleichung ihm ungünstig ist, wird die löst, deren
Träger ein Mensch ist, der Kraft Platz machen müssen,
deren Träger ein Tier oder eine Maschine ist, wobei er dann
immer die Ehre genießt (besitzt), als
„Produktivkraft“ zu florieren.

Wenn ich den Menschen als „Tauschwert“ bezeichne, so
liegt schon im Ausdruck, dass die gesellschaftlichen Zustände
ihn in eine „Sache“ verwandelt haben. Behandle ich ihn
(als) „Produktivkraft“, so setze ich an die Stelle des
wirklichen Subjekts ein andres Subjekt, ich schiebe ihm eine andre
Person unter, er existiert nur mehr als Ursache des Reichtums.

Die ganze menschliche Gesellschaft wird nur zur Maschine, um
Reichtum zu schaffen. Die Ursache ist in keiner Weise erhabner als
die
Wirkung.
Die Wirkung ist nur die offen

ausgesprochne
Ursache.

List macht, als sei es ihm überall um die
Produktivkräfte ihrer selbst wegen, abgesehn von den
schlechten Tauschwerten, zu tun.

Einen Aufschluss über das Wesen der heutigen
„Produktivkräfte“ erhalten wir schon dadurch, dass
in dem heutigen Zustand die Produktivkraft nicht nur darin besteht,
etwa die Arbeit des Menschen wirksamer oder die Naturkräfte
und sozialen Kräfte erfolgreicher zu machen, sie besteht
ebensosehr darin, die Arbeit wohlfeiler oder
unproduktiver

für den Arbeiter zu machen. Die Produktivkraft ist also von
vornherein durch den Tauschwert bestimmt" Es ist ebenso sehr eine
Erhöhung d. [...]

(III. Fragmente des III. Kapitels)

Zu Problemen der Grundrente

[...] /22/ verschwindet die Grundrente. Diese hohem
Getreidepreise müssen abgezogen werden von den Profiten der
Herren Industriellen – Ricardo ist so vernünftig zu
unterstellen, dass der Arbeitslohn nicht mehr gedrückt werden
kann. Die also erfolgende Verminderung der Profite und die
Erhöhung des Arbeitslohns – indem der Arbeiter immer
eine gewisse Portion Getreide, es mag so teuer sein, wie es will,
verzehren muss; sein nomineller Arbeitslohn wächst daher mit
dem Steigen des Getreidepreises, ohne realiter zu wachsen, ja
selbst wenn er realiter abnimmt – durch das Steigen der
Getreidepreise erhöht die Produktionskosten der Industriellen,
erschwert ihnen (da)durch die Akkumulation und die Konkurrenz,
lähmt in einem Wort die
Produktivkraft
des Landes.
Der schlechte Tauschwert, der in der Grundrente zum
größten Schaden (ohne
allen Nutzen
) für die
Produktivkraft des Landes in die Taschen des Grundeigentums
gespielt wird, muss also auf eine oder die andere Weise –
freien Getreidehandel, Verlegung aller Steuern auf die Grundrente,
oder auch durch die förmliche Aneignung der Grundrente, d. h.
des Grundeigentums durch den Staat (diese Konsequenz hat unter
andren Mill, Hilditch, Cherbuliez gezogen) – dem allgemeinen
Besten
geopfert
werden.

Diese erschreckende Konsequenz der Manufaktur-Produktivkraft
für das Grundeigentum durfte Herr List natürlich dem
deutschen Grundadel nicht mitteilen. Er schimpft daher auf Ricardo,
der so unangenehme Wahrheiten verraten hat, und legt ihm die
umgekehrte Ansicht in den Mund, die der Physiokraten, wonach die
Grundrente nichts als ein Beweis von der natürlichen
Produktivkraft des Bodens ist, und verfälscht ihn.

List

„Überhaupt ist die Schule seit A. Smith in ihren
Forschungen nach der Natur der Rente unglücklich gewesen.
Ricardo und nach ihm Mill, MacCulloch und andere sind der Meinung,
die Rente (werde) für die den Grundstücken beiwohnende

natürliche Produktivfähigkeit
/48/ bezahlt,
Ersterer hat auf diese Ansicht ein ganzes System gegründet, o.
Da er (aber) nur die englischen Zustände vor Augen hatte, so
verfiel er in die irrige Ansicht, diese englischen Äcker und
Wiesen, für deren angebliche natürliche
Ertragsfähigkeit gegenwärtig so schöne Renten
bezahlt werden, seien zu jeder Zeit die nämlichen Äcker
und Wiesen gewesen“, (p. 360)

Ricardo

„Wenn das Mehr des Produkts, das die Grundrente bildet,
ein Vorteil ist, so wäre zu wünschen, dass alle Jahre die
neu konstruierten Maschinen
unproduktiver
würden als
die alten; dies gäbe den produzierten Waren einen Mehrwert im
ganzen Lande; man würde allen eine Rente zahlen, welche die
produktivsten Maschinen besitzen.“ („Des principes de
1'économie politique“ etc., Paris 1835, t.I, p. 770)

„Der Reichtum des Landes wächst, wo man durch

Verbesserungen
/48/ in der Agrikultur ohne
verhältnismäßige Vermehrung der Arbeit die Produkte
vermehren kann, wo also die Grundrente nur allmählich
zunimmt.“ (ebenda, p. 81-82)

Herr List wagt also einem hohen Adel gegenüber das
Schattenspiel der „Produktivkräfte“ nicht
beizubehalten. Er will sie mit „Tauschwerten“
ködern und begeifert daher die Sch(ule von) Ricardo, der die
Grundrente weder aus dem Standpunkt der Produktivkraft und diese
weder vom Standpunkt des großen modernen Fabrikwesens aus
beurteilt. Herr List ist so ein doppelter Lügner. Wir
dürfen Herrn List indessen in diesem Punkte kein Unrecht tun.
In einer großen württembergischen Fabrik (wenn wir nicht
irren, Köchlin) ist der König der Württemberger
selbst mit einer großen Summe beteiligt. Namentlich in den
württemberger und mehr oder minder auch in badischen Fabriken
hat sich der Grundadel bedeutend durch Aktien beteiligt. Hier ist
also der Adel nicht als Grundeigentümer, sondern als selbst
Bourgeois und Fabrikant geldlich an der
„Manufakturkraft“ beteiligt und [...] [...] /24/
tivkräfte“ und die „Werkfortsetzung und
Stetigkeit“ einer ganzen Generation entsteht – der
verkappte Kommunist List lehrt dies ebenfalls – also auch der
Generation
und nicht
den Herren Industriellen
erbeigentümlich sei. (siehe z. B. Bray
[10*]
). Die
hohe Grundrente in England ist den Landlords (Eigentümern) nur
gesichert worden durch den Ruin der Pächter und die
Herabbringimg der Lohnbauern zu einer irischen Misere (wahren
Bettlern). Dies alles trotz der Korngesetze. Abgesehen davon, dass
selbst die Grundrentner oft genötigt waren, die Rente zu 1/3,
zur Hälfte den Pächtern zu erlassen. Seit 1815 sind 3
verschiedne Korngesetze passiert zur Hebung und Ermutigung der
Pächter. Es gab während dieser Periode 5
Parlamentskomitees, niedergesetzt, um die Existenz des
Agrikulturnotstandes zu beweisen und andre Ursachen desselben zu
untersuchen. Einerseits der fortlaufende Ruin von Pächtern
trotz der völligen oder der möglichsten
Herabdrückung des Salairs (gänzlichen Exploitation der
Lohnbauern), andrerseits der häufte Zwang der Grundbesitzer,
auf einen Teil der Rente zu verzichten, beweisen selbst, dass nicht
einmal in England – allen Manufakturen zum Trotz –
große Grundrenten produziert worden sind. Denn man kann es
ökonomisch nicht als Grundrente betrachten, wenn ein Teil der
Produktionskosten durch Verträge und andre außerhalb der
Ökonomie liegende Verhältnisse statt in die Tasche des
Pächters in die Tasche des Grundrentners gezogen ist. Bebaute
der Grundeigentümer selbst sein Land, so würde er sich
wohl hüten, einen Teil des gewöhnlichen Gewinns des
Betriebskapitals unter der Rubrik „Grundrente“ zu
rangieren.

Von den Schriftstellern des 16ten, des 17ten und selbst der
ersten zwei Dritteile (des) 18ten Jahrhunderts wird Englands
Getreideausfuhr noch als seine Hauptreichtumsquelle betrachtet. Die
alte englische Industrie – deren Hauptzweig die
Schafwollindustrie bildete, deren minder wichtige Zweige die
hauptsächlich von ihm selbst gelieferten Materialien
bearbeiteten -, war durchaus der Agrikultur
untergeordnet
.
Ihr Hauptrohstoff war englisches Agrikulturprodukt. Dass sie also
die Agrikultur beförderte, versteht sich von selbst.
Später, als das eigentliche Fabrikwesen aufkam, wurde auch
schon in kurzer Zeit die Notwendigkeit von Kornzöllen
gefühlt. Sie blieben aber nominell. Die rasche Vermehrung der
Bevölkerung, vieler fruchtbarer Boden, der noch urbar zu
machen war, die Erfindungen hoben natürlich zunächst auch
die Agrikultur. Es kam ihr namentlich zustatten der Krieg gegen
Napoleon, der ein förmliches Prohibitivsystem für sie
bildete. 1815 aber zeigte sich, wie wenig die
„Produktivkraft“ der Agrikultur wirklich gestiegen war.
Ein allgemeiner Schrei erhob sich unter Grundbesitzern und
Pächtern, und die jetzigen Korngesetze wurden gegeben. Es
liegt in dem Wesen der modernen Fabrikindustrie, erstens die
Industrie dem einheimischen Boden zu entfremden, indem sie
hauptsächlich ausländische Rohstoffe bearbeitet und auf
dem auswärtigen Handel beruht. Es liegt in ihrem Wesen, die
Bevölkerung wachsen zu machen in einem Verhältnis, dem
unter dem Privateigentum die Exploitation des Bodens nicht
entspricht. Es liegt ferner in ihrem Wesen, wenn sie die
Korngesetze erzeugt, wie sie es bisher in Europa immer getan hat,
durch die hohe Rente und den fabrikmäßigen Betrieb des
Grundeigentums die Bauern in die allerelendsten Proletarier zu
verwandeln. Gelingt es ihr dagegen, die Korngesetze zu verhindern,
so setzt sie eine Masse Bodens außer Bebauung, unterwirft die
Getreidepreise äußern Zufällen und
entäußert das Land völlig, indem sie seine
notwendigsten Lebensmittel von dem Handel abhängig macht, und
löst das
Grundeigentum
als eine selbständige
Eigentumsquelle auf Letzteres ist der Zweck der
Anti-Corn-Law-League in England und der Antirent-Bewegung in
Nordamerika, denn die
Grundrente
ist der ökonomische
Ausdruck des
Grundeigentums
. Die Tories machen daher
beständig auf die Gefahr aufmerksam, England für seine
Lebensmittel z. B. von
Russland
abhängig zu
machen.

Die große Fabrikindustrie – natürlich ganze
Länder, die ungeheuer viel Land noch urbar zu machen haben,
wie Nordamerika, und die Schutzzölle vermehren doch nicht gar
etwa den Umfang des Bodens, zählen hier nicht – hat
durchaus die Tendenz, die Produktivkraft des Grund und Bodens,
sobald dessen Exploitation eine gewisse Stufe erreicht hat, zu

lähmen
, wie anderseits der fabrikmäßige
Betrieb des Ackerbaus die Tendenz hat, die Menschen zu
verdrängen und – alles natürlich innerhalb gewisser
Grenzen – in Weideland zu verwandeln, so dass an die Stelle
des Menschen das Vieh tritt.

Ricardos Lehre von der Grundrente reduziert sich in wenigen
Worten dahin: Die
Grundrente
trägt nichts zur
Produktivität des Bodens bei. Ihr Steigen ist im Gegenteil der
Beweis, dass die Produktivkraft des Bodens fällt. Sie wird
bestimmt nämlich durch das Verhältnis der exploitierbaren
Ländereien zur Bevölkerung und zum Zivilisationsstand
überhaupt. Der Getreidepreis wird bestimmt durch die
Produktionskosten des unfruchtbarsten Bodens, dessen Kultivierung
(Bebauung) das Bedürfnis der Bevölkerung erheischt. Muss
man zu Boden von geringerer Qualität seine Zuflucht nehmen,
oder müssen Portionen des Kapitals mit minderem Ertrag auf
dasselbe Grundstück verwandt werden, so verkauft der
Grundeigentümer des unergiebigerem Bodens sein Produkt so
teuer, wie der Bebauter des schlechtesten Bodens. Er steckt die
Differenz zwischen den Produktionskosten des letztem Bodens und des
fruchtbarem in seine Tasche. Je unergiebigerer Boden also in Kultur
gesetzt wird, oder je unproduktiver (unergiebiger) zweite, dritte
Portionen des Kapitals auf dasselbe Grundstück verwandt
werden, je mehr, mit einem Wort, die relative Produktivkraft des
Bodens abnimmt, um so höher steigt die Rente. Die Erde
allgemein fruchtbar gedacht, [...]

IV. Herr List und Ferrier

Ferriers, sous-inspecteur des douanes unter
Napoleon, Buch: „Du gouvemement considéré dans ses
rapports avec le commerce“, Paris 1805, ist die Schrift, die
Herr List abgeschrieben hat. Es ist kein einziger Grundgedanke in
seinem Buch, der hier nicht gesagt ist und besser gesagt ist.

Ferrier war Beamter von Napoleon. Er verteidigte das
Kontinentalsystem. Er spricht nicht von
Protektionssystem
,
sondern von
Prohibitivsystem
. Er ist weit entfernt,
Phrasen zu machen über eine
Union
aller Völker
oder über den
ewigen Frieden
im Innern. Er hat
natürlich auch noch keine sozialistischen Phrasen. Wir werden
einen kurzen Auszug aus seinem Buch geben, um den Leser über
die geheime Quelle der Listschen Weisheit aufzuklären. Wenn
Herr List den
Louis Say
verfälscht, um ihn als seinen
Bundesgenossen machen zu können, so zitiert er dagegen den
Ferrier nirgends, den er überall abgeschrieben hat. Er wollte
den Leser auf eine falsche Fährte leiten.

Wir haben schon Ferriers Urteil. über Smith zitiert.
Ferrier schließt sich auch noch ehrlicher dem alten
Prohibitivsystem an.

Staatseinmischung. Ökonomie der Nationen

„Es gibt eine Ökonomie und eine Verschwendung
(prodigalité) der Nationen, aber eine Nation ist nur
verschwenderisch oder ökonomisch in ihren Relationen mit

andern
Völkern“. (Ferrier) p. 143.

„Es ist falsch, dass die vorteilhafteste Anwendung eines
Kapitals für den, der es besitzt, notwendig auch die
vorteilhafteste sei für die Industrie … weit entfernt,
dass das Interesse der Kapitalisten sich mit dem allgemeinen
vereinigt finde, ist es fast immer mit ihm (im) Gegensatz.“
p. 168,169.

„Es existiert eine Ökonomie der Nationen, aber sehr
verschieden von der Smithschen. Sie besteht darin, fremde
Produktionen nur zu kaufen, solange sie dieselben mit den eignen
zahlen kann. Sie besteht manchmal darin, sich ihrer absolut zu
entschlagen“. p. 174, 175.

Die produktiven Kräfte und der Tauschwert

„Die Prinzipien, welche Smith gegeben (gelegt, posés)
hat, über die Ökonomie der Nationen haben alle zur
Grundlage die Unterscheidung zwischen der produktiven und
unproduktiven Arbeit... Diese Unterscheidung ist wesentlich falsch.
Es gibt keine unproduktive Arbeit.“ p. 141

„Er“ (Garnier) „hat im Silber nur den

Wert
des Sübers gesehn, ohne auf seine

Eigenschaft
zu reflektieren, die es hat, als Süber
die Zirkulation aktiver zu machen und folglich die Produkte der
Arbeit zu vermehren.“ (p. 18) „Wenn die Regierungen
daher dem Abfluss des Geldes zu prävenieren suchen... so ist
dies nicht seines
Wertes
wegen... sondern“, weil
„der
Wert
der für es erstattet wird, in der
Zirkulation nicht dieselben Effekte hervorbringen kann..., weil es
nicht bei jeder Transition eine neue Schöpfung bestimmen
kann.“ p. 22, 23. „Das Wort Reichtum, angewandt auf das
Geld, welches als Geld zirkuliert, muss verstanden werden von den
Reproduktionen, die es erleichtert,… und in diesem Sinne
bereichert sich ein Land, wenn es sein Geld vermehrt, weil mit
dieser Vermehrung des Geldes alle
produktiven Kräfte

der Arbeit wachsen“, p. 71. „Wenn man sich sagt, dass
ein Land die Revenue von zwei Milliarden ausgeben (dépenser)
kann,... versteht man, dass es die
Mittel
hat, mit diesen
2 Milliarden eine 10 Mal, 20 Mal, 50 Mal größere
Zirkulation in Werten zu unterhalten oder, was dasselbe ist, dass
es diese Werte
produzieren
kann. Nun, diese

Produktionsmittel
die es dem Gelde schuldet, nennt man
Reichtum.“ p. 22.

Man sieht: Ferrier unterscheidet den
Tauschwert
, den
das Geld hat, von der
Produktivkraft
des Geldes. Abgesehn
davon, dass er die Produktionsmittel überhaupt Reichtum nennt,
war ohnehin nichts leichter, als den Unterschied, den Ferrier
zwischen dem Wert und der
Produktivkraft
des Geldes macht,
auf alle Kapitalien anzuwenden.

Aber Ferrier geht noch weiter, er verteidigt das
Prohibitivsystem im allgemeinen damit, dass es den Nationen ihre

Produktionsmittel
sichre:

„So sind die Prohibitionen jedes Mal nützlich, wenn
sie den Nationen die
Mittel
erleichtern, ihren
Bedürfnissen zu subvenieren... Ich vergleiche eine Nation,
welche auswärts mit ihrem Gelde Waren kauft, die sie selbst
fabrizieren kann, obwohl minder gut, einem Gärtner, der,
unzufrieden mit den Früchten, die er erntet, sich mehr
succulents kaufen würde bei seinem Nachbarn, indem er ihnen im
Austausch seine Garteninstrumente gebe“, p. 288. „Der
auswärtige Handel ist jedes Mal vorteilhaft, wenn er die

produktiven Kapitalien
zu vergrößern strebt. Es
ist ungünstig, wenn er, statt die Kapitalien zu vervielfachen,
ihre Veräußerung erheischt“, p. 395-396.

Agrikultur, Manufaktur, Handel

„Das Gouvernement, muss es den Handel und die Fabriken
vorzugsweise vor der Agrikultur begünstigen? Diese Frage ist
noch eine deren, worüber die Gouvernements und die
Schriftsteller sich nicht vereinigen können“. p. 73.

„Die Fortschritte von Industrie und Handel hängen
zusammen mit denen der Zivilisation, der Künste, der
Wissenschaften, der Schifffahrt. Das Gouvernement, das fast nichts
kann für die Agrikultur, kann fast alles für die
Industrie. Wenn die Nation Gewohnheiten oder Geschicke hat,
fähig, ihre Entwicklung aufzuhalten, muss es alle seine Mittel
anwenden, um sie zu bekämpfen.“ p. 84.

„Das wahre Mittel, den Ackerbau zu encouragieren ist, die
Manufakturen zu encouragieren.“ p. 225.

„Ihre Domäne“ (die der Industrie, worunter Herr
Ferrier die Manufaktur versteht) „ist weder begrenzt in ihren
Vorschritten noch in ihren Mitteln der Vervollkommnung... Weit wie
die Imagination, mobil und fruchtbar wie sie, hat ihre
schöpferische Macht keine Grenzen, als die des menschlichen
Geistes selbst, wovon sie täglich einen neuen éclat
empfängt.“ p. 85.

„Die wahre Quelle des Reichtums für eine
Agrikultur-Manufaktur-Nation ist die
Reproduktion
und die
Arbeit. Sie
muss
ihren Kapitalien diese Anwendung geben
und darauf denken, ihre eignen Waren zu transportieren und zu
verkaufen, ehe sie sich damit beschäftigen kann, die der
andren zu transportieren und zu verkaufen.“ p. 186.
„Vorzugsweise dem innern Handel, der lange dem Austausch von
Volk zu Volk vorgegangen, muss man dieses Wachstum in dem Reichtum
des Menschen zuschreiben“, p. 145.

„Nach Smith selbst gibt von 2 Kapitalien, eins im
Inländischen, das andre im Ausländischen angelegt, das
erste der Industrie des Landes 24 mal mehr soutien und
Aufmunterung.“ p. 145-146.

Herr Ferrier sieht aber wenigstens ein, dass der innere Handel
ohne den äußern nicht bestehn kann. I.e. (p. 146)
„Lasst einige Privatleute aus England 50 000 Stück Samt
kommen lassen, und sie werden bei diesem Handel viel Geld gewinnen
und sehr gut ihre Waren platzieren. Aber sie reduzieren die
heimische Industrie und setzen 10 000 Arbeiter außer
Brot“, p. 170, cf. p. 155, 156.

Herr Ferrier macht, wie List, auf den Unterschied der
Manufaktur- und Handelsstädte von den nur konsumierenden
Städten aufmerksam, vgl. p. 91, ist aber wenigstens so
ehrlich, dabei auf Smith selbst zu verweisen. Er verweist auf den
Herrn List so beliebten
Methuenvertrag
[11*]
und die bei dessen Beurteilung von
Smith angewandte Subtilität. p. 159. Wir haben schon
gehört, wie seine Beurteilung Smiths im allgemeinen fast
wörtlich mit der Beurteilung Lists zusammenfällt. Sieh
ebenso über den
Transporthandel
p. 186 et passim.

Der Unterschied von Ferrier und List ist, dass der eine
zugunsten eines weltgeschichtlichen Unternehmens – des
Kontinentalsystems -, der letztre zugunsten einer kleinlichen,
schwachköpfigen Bourgeoisie schreibt. Man wird zugeben, dass
in nuce der ganze Herr List in den zitierten A[uszügen]
Ferriers enthalten ist. Nimmt man nun noch die Phrasen hinzu, die
er aus der seit Ferrier stattgefundenen Entwicklung der
Nationalökonomie entlehnt, so bleibt ihm bloß das hohle

Idealisieren
, dessen Produktivkraft in Worten besteht
– und die [...] Heuchelei des nach der Herrschaft strebenden
deutschen Bourgeois.

Anmerkungen der Herausgeber

[1*]
F. List: Das nationale System der politischen
Ökonomie 1. Band: Der internationale Handel, die
Handelspolitik und der deutsche Zollverein, Stuttgart/Tübingen
1841

[2*]
Cours complet d'économie politique
pratique. Volume compliméntaire. Mélanges et
correspondance d'economie politique: ouvrage posthume de J. -B.
Say, publié par Charles Comte, son gendre, Paris 1833.

[3*]
er sechs Kinder zu versorgen hatte und kaum
vermögend war…

[4*]
„Der Reichtum besteht nicht in den Dingen,
die unsere Bedürfnisse oder unsere Neigungen befriedigen,
sondern in dem Vermögen, sie das ganze Jahr über
genießen zu können“.

[5*]
L.Say: Etudes sur la richesse des nations et
réfutation des principales erreurs en Economic politique,
Paris 1836.

[6*]
„Obgleich der Reichtum nicht in den Dingen
besteht, die unsere Bedürfnisse oder unsere Neigungen
befriedigen, sondern im Einkommen oder in dem Vermögen, sie
das ganze Jahr über genießen zu können. “

[7*]
D. Ricardo: Des principes de l'économie
politique et de l'impot. Traduit de l'anglais par Constancio avec
des notes explicatives et critiques par J.-B. Say. Seconde
édition, T. 1, Paris 1835

[8*]
J, -C. -L. Simonde de Sismondie: Nouveaux
principes d'économic politique ou de la richesse dans ses
rapports avec la population, Seconde édition, T. 2, Paris
1827.

[9*]
A. Ure: Philosophie des manufactures, ou
économic industrielle. Traduit sous les yeux de 1'auteur, T.
I, Paris 1836

[10*]
J. F. Bray: Labour's wrong and labour's
remedy; or, the age of might and the age of right, Leeds 1839.

[11*]
Englisch-portugiesischer Handelsvertrag aus
dem Jahre 1703 (benannt nach dem englischen Diplomaten Methuen)