L Morgenblatt für gebildete Leser“ 
Nr.243 vom 10. Oktober 1840] 
Wir saßen in des Lagers schönstem Zelt, 
Zu span’schem Weine singend deutsche Lieder; 
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Da fiel der Morgensonne erster Schein: 

In’s Zelt auf unsre leeren Xeresflaschen: 

Wir müssen früh zur Stelle wieder sein, 

Wohlauf, besteigt die Rosse nun, die raschen! 
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Wir; jagten heim. Welch seliges Gefühl 

Nach der vertobten Nacht am frischen Morgen! 
Noch klingt Gesang im Ohr und Saitenspiel, 

Noch ferne sind des Tages Müh und Sorgen; 

Das Dunkel schwand, das heil’ge Licht umschwebt 
So Fluß wie Baum und taugetränkte Fluren; 

Zum reinen Blau des Himmels fröhlich hebt 

Das Auge sich und folgt der Sonne Spuren. 

Wir sind daheim. Die Rosse liefen gut; 

Ich steh’ an trüber Werkeltages Schwelle; 

Die Zeitung her, auf daß ich frischen Mut 

Mir trinke aus des Völkerlebens Quelle! - 

Was Russen, Briten, ew’ge Türkennot! 

Wo find’ ich, was in Deutschland ist geschehen? 
Ha dort - ihr Augen, wacht ihr wirklich? tot? 
Mein Immermann, auch du willst von uns gehen? 

Du trotzig Herz, erfüllt von edlem Zorn, 

Mußt grade jetzt du gehn zum ew’gen Schweigen, 
Nun wir erkannt die Rose, trotz dem Dorn, 

Und uns in Demut deinem Geiste neigen? 

Nun du, wie Schiller, kaum dein Volk mit Lust 
Gesehn an deinem Dichtermunde hangen, 

Und nun die Liebe deiner stolzen Brust 

Mit neuen Strahlen herrlich aufgegangen? 

Stets warst du in der deutschen Dichtung Hain 
Ein Klausner, fern von der Genossen Toben 

Hast du in deiner Einsamkeit am Rhein 

Manch zart Gebilde deinern Volk gewoben. 

Dich stört” der Menschen Schwatzen nimmermehr 
In deines Gartens blumenreichem Hage; 

Von dir verklang bei ihnen bald die Mär, 

Und lebend wardst du fast zu einer Sage. 

Denn jene Menge, die nicht fassen kann, 
Was da vermag den Dichter zu erregen, 
Was kümmert sie der ernste, stumme Mann, 
Der fern bleibt ihren abgetretnen Wegen? 
Du aber, der du nun gestorben bist, 

Du wolltest einsam mit dir selber ringen, 

In deiner eignen Brust den herben Zwist, 
Mit dem du aufgewachsen, zu bezwingen. 

So hast du sinnend denn die lange Nacht, 

Die unsre deutsche Dichtung hielt in Banden, 
Im Kampfe mit dir selber durchgewacht, 

Bis sonnenhell der Morgen auferstanden. 

Und als ob deinem moosbewachsnen Haus 
Des Juli wilde Donner nun verklangen, 

Da sandtest du die Epiigonen aus, 

Ein Grablied dem Geschlechte, das vergangen. 

Du aber sahst das kommende Geschlecht, 
Dem in der Brust der Jugend Feuer lodert, 
Das dir mit lautem Ruf dein Dichterrecht 

7 Marx/Engels, Werke, EB2 

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Bei Immermanns Tod 

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Bei Immermanns Tod 

Und deinen vollen Lorbeerkranz gefodert. 

Du sahst uns deinem Haus voll Ehrfurcht nahn, 
Du sahst uns sitzen still zu deinen Füßen, 

Wie wir in dein begeistert Auge sahn, 

Und hörten deiner Dichtung rauschend Fließen. 

Und jetzi, nun du zum Volk zurückgeführt, 
Das dich vergaß, mit Jubelruf und Freuden, 
Mit den verdienten Kränzen reich geziert, 

. Mein Immermann, jetzt mußt du von uns scheiden? 

Fahr wohl! Gar wenig deinesgleichen nur 

Gehn dichtend unter uns auf deutscher Erden! 
Ich aber ging an’s Tagewerk und schwur, 

So stark und fest und deutsch, wie du, zu werden. 

Friedrich Oswald