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Engels an Levin Schücking 


in Münster 


Sehr verehrter Freund! 

Ihre lieben Zeilen vom 22. v.Mits. kamen mir leider erst am 26. zu 
Händen, was mir sehr unangenehm war, da ich den Abend vorher, von 
einem hiesigen Buchhändler, bei dem ich mich nach kulanten Verlegern er- 
kundigte, aufgefordert, an Hammerich in Altona geschrieben und ihm den 
Verlag des Shelley angeboten hatte. So empfing ich erst heute Antwort von 
ihm, die ablehnend ausfiel, da er sich mit Verlagsunternehmungen über- 
häuft zu haben behauptet. | | 

Was G.C.A.Meyer sen. anbetrifft, so bin ich der Ansicht, daß wir 
den auf alle Fälle laufen lassen. Erstens ist der Kerl und seine Fabrikarbeiter 
(Brinckmeier, Bärmann u. Co.) zu gemein; zweitens würde sich Püttmann 
nie dazu verstehen, für dessen Verlag zu schreiben; drittens honoriert 
Meyer] schauderhaft und viertens würden wir eine Unmasse Mahnungen 
und andre Plackereien nötig haben, um das Honorar einzutreiben. Ich liege 
augenblicklich selbst mit ihm in Mahnungen begriffen, wegen des Honorars 
meiner Artikel in der „Mitt[ernacht]zeitung“', womit er nicht heraus- 
rücken will; und obwohl hier das Mittelglied Brinckmeier zwischen uns ist, 
so dürfte ich doch keinenfalls die Offerte machen. Ich bin leider noch ohne 
Antwort von Püttmann und kann also gar keine energischen Maßregeln 
treffen. Überdies wird Meyer] schon alles an seine Untergebenen verteilt 
haben und nichts mehr an uns von Shlelley] abtreten können. Diese Ver- 
leger sind gewohnt, unumschränkt über ihre dienstbaren Federn zu dispo- 
nieren, und wer von uns würde sich das gefallen lassen ? 

Ich halte es für das beste, Püttmann, der in dieser Hinsicht wohl der 
Erfahrenste unter uns sein möchte, unbeschränkte Vollmacht zur Kontra- 
hierung zu erteilen; er wird die Sache ohne Zweifel zu unser aller Zufrieden- 
heit ausführen und mit größerer Leichtigkeit als ich wenigstens. Dazu hater 
dem W.Engelmann schon die „Queen Mab“ offeriert, und der wäre der 
rechte Verleger für uns. Und eins ist hier von großer Wichtigkeit; Sie, wie 


1 Siehe vorl. Band, S. 35-58 


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ich, haben bisher bloß für Journale geschrieben; Püttmann dagegen hat 
schon ein Werk drucken lassen und ein zweites angekündigt!!?], Auf der- 
gleichen sehen die infamen Verleger. 

Schünemann hatte bei Ankunft Ihres Briefes eben eine Reise angetreten, 
von der er noch nicht zurück ist. Den Coleridge will ich ihm schon auf- 
heften, ich habe an dem hier mit Glanz gefeierten Gutenbergsfest im Cham- 
pagnernebel Brüderschaft mit ihm getrunken, wodurch er sich sehr geehrt 
fühlte. Wenn Sie das Manuskript soweit fertig haben, so schicken Sie es 
mir nur zu. 

‚Die hämische Verunglimpfung der „Hallischen] Jahrb[ücher]“ steht 
in Nr.97 oder 98 des „Telegraphen]“, der hier mit der Post ankommt und 
somit weit früher, als es bei Ihnen möglich ist. Ich habe an Glutzkow] 
wieder einiges geschickt und bin begierig, wie er es nach dem Artikel] in 
der „Mitt[ernachtlzeitfung]“ („Moderne Polemik“!) aufnehmen wird. 

Von Barmen empfange ich soeben einen Brief, der unbegreiflicherweise 
nichts von Püttmann enthält. Sind Sie damit einverstanden, daß Plüttmann] 
die Vertragsgeschichte besorgt, so schreib’ ich ihm gleich nach Empfang 
Ihrer Antwort und übertrag’ ihm alles. Auch sagen Sie mir wohl gütigst, 
wie es mit dem Honorar des „Rheinlischen] Jahrbuchs“ aussieht; ich 
schicke dieser Tage einiges an Freiligrath. Es ist mir hier grade nicht um 
die Blechung zu tun, ich weiß aber doch gern vorher, woran ich mich zu 
halten habe. 

Ihre Übersetzung aus Shelley und Coleridge in Pfizers Blättern !!$9 hab’ 
ich mit Vergnügen gelesen; ich werde heut mit Shelleys „Sensitive Plant“ 
fertig und schicke sie ihm gleichfalls zu. Dieses herrliche Gedicht ist in 
einem Geiste geschrieben, der den Dirostelschen Produktionen noch ver- 
wandter als Byron ist. Diese gewähren mir fortwährend großen Genuß, und 
ich sage Ihnen wiederholt meinen Dank dafür. 

Mit der Versicherung aufrichtiger Hochachtung empfehle ich mich Ihrem 
freundlichen Andenken | 

ganz ergebenst 


Fr. Engels 
Bremen, 2./7.40 | 


1 Siehe vorl. Band, S. 45-58