«Anti-Duhring», 3 (1894), (Preface 23. V. 1894), S. 301-302:
«... Das Proletariat ergreift die Staatsgewalt und verwandelt die Produktionsmittel zunachst in Staatseigentum. Aber damit hebt es sich selbst als Proletariat, damit hebt es alle Klassenunterschiede und Klassengegensatze auf, und damit auch den Staat als Staat. Die bisherige, sich in Klassengegensatzen bewegende Gesellschaft hatte den Staat notig, das heißt eine Organisation der jedesmaligen ausbeutenden Klasse zur Aufrechterhaltung ihrer außern Produktionsbedingungen, also namentlich zur gewaltsamen Niederhaltung der ausgebeuteten Klasse in den durch die bestehende Produktionsweise gegebnen Bedingungen der Unterdruckung (Sklaverei, Leibeigenschaft oder Horigkeit, Lohnarbeit). Der Staat war der offizielle Reprasentant der ganzen Gesellschaft, ihre Zusammenfassung in einer sichtbaren Korperschaft, aber er war dies nur, insofern er der Staat derjenigen Klasse war, welche selbst für ihre Zeit die ganze Gesellschaft vertrat: im Altertum Staat der sklavenhaltenden Staatsburger, im Mittelalter des Feudaladels, in unsrer Zeit der Bourgeoisie. Indem er endlich tatsachlich Reprasentant der ganzen Gesellschaft wird, macht er sich selbst uberflussig. Sobald es keine Gesellschaftsklasse mehr in der Unterdruckung zu halten gibt, sobald mit der Klassenherrschaft und dem in der bisherigen Anarchie der Produktion begrundeten Kampf ums Einzeldasein auch die daraus entspringenden Kollisionen und Exzesse beseitigt sind, gibt es nichts mehr zu reprimieren, das eine besondre Repressionsgewalt, einen Staat, notig machte. Der erste Akt, worin der Staat wirklich als Reprasentant der ganzen Gesellschaft auftritt, - die Besitzergreifung der Produktionsmittel im Namen der Gesellschaft - ist zugleich sein letzter selbstandiger Akt als Staat. Das Eingreifen einer Staatsgewalt in gesellschaftliche Verhaltnisse wird auf einem Gebiete nach dem andern uberflussig und schlaft dann von selbst ein. An die Stelle der Regierung über Personen tritt die Verwaltung von Sachen und die Leitung von Produktionsprozessen. Der Staat wird nicht «abgeschafft», er stirbt ab. Hieran ist die Phrase vom «freien Volksstaat» zu messen, also sowohl nach ihrer zeitweiligen agitatorischen Berechtigung wie nach ihrer endgultigen wissenschaftlichen Unzulanglichkeit; hieran ebenfalls (S. 302) die Forderung der sogenannten Anarchisten, der Staat solle von heute auf morgen abgeschafft werden» (S. 303, «Anti-Duhring», 3).